Aston Martin baut einen über 80.000 Euro teuren „Supersportwagen“ fürs Zuhause
Aston Martin und Curv Racing Simulators haben die AMR-C01-R Hypercar Edition vorgestellt: einen Rennsimulator, der kein Auto ist, aber so viel kostet wie ein ernst zu nehmender Sportwagen. Mit Carbon-Monocoque, einer von der Valkyrie inspirierten Sitzposition und einem eigens angefertigten Valkyrie-Lenkrad bleibt die Produktion auf nur 24 Exemplare begrenzt. Der Preis liegt vor Steuern bei 58.750 Pfund, das entspricht rund 68.100 Euro netto und mit 20 Prozent Mehrwertsteuer etwa 82.000 Euro.
Aston Martin tauscht die Garage gegen den Spielsalon
Die AMR-C01-R Hypercar Edition wurde aufgelegt, um den Le-Mans-Einsatz der Aston-Martin-Valkyrie-Rennwagen mit den Startnummern 007 und 009 zu feiern. Der Simulator greift dasselbe visuelle Thema auf, mit Podium Green als Grundfarbe sowie gelben oder roten Akzenten, je nachdem, welchen Rennwagen der Käufer als Vorbild wählt.
Mit nur 24 geplanten Exemplaren richtet sich das Modell eher an Sammler als an gewöhnliche Fans von Rennsimulationen.
Dabei handelt es sich auch nicht um eine beliebige Markenerweiterung. Aston Martin verkauft nicht einfach einen teuren Controller, sondern ein Luxusobjekt, das sich neben einer Autosammlung im Millionenwert so selbstverständlich einfügen soll wie ein Weinkeller, eine Uhrensammlung oder ein privates Fitnessstudio. Im Zentrum eines luxuriösen Spielsalons soll es wie eine Skulptur wirken. Darunter steckt jedoch ernsthafte Rennsimulator-Technik.
Valkyrie-DNA ohne Motor
Das entscheidende technische Detail ist nicht der Bildschirm, sondern die Sitzposition. Die AMR-C01-R Hypercar Edition nutzt eine von der Valkyrie inspirierte Ergonomie, entwickelt von Darren Turner, dem Gründer von Curv Racing Simulators, Aston-Martin-Entwicklungsfahrer und dreimaligen Klassensieger in Le Mans.
Die Idee ist nicht, den Fahrer in einem gewöhnlichen Simulator-Rig mit Sesselhaltung unterzubringen, sondern den Körper näher an die niedrige, langgestreckte und eng geschnittene Cockpitposition eines Hypercars zu bringen.
Die Struktur besteht aus einem vollständigen Monocoque aus Carbonfaser, gestaltet vom Designteam von Aston Martin und mit dem markentypischen Rennsport-Kühlergrill versehen. Das ist mehr als nur ein stilistischer Akzent. Eine steife Struktur sorgt dafür, dass sich die Kräfte an Lenkrad und Pedalen präziser anfühlen, weil sich der Simulator unter dem Fahrer nicht wie ein billiges Gestell für das Wohnzimmer verwinden soll.
Ernsthafte Hardware, aber keine Wundermaschine
Zum Einsatz kommt ein 49 Zoll großer, gebogener G95C-Bildschirm mit 1000R-Krümmung, 240 Hz Bildwiederholrate und 1 ms Reaktionszeit. HDR10+ Gaming soll Kontrast und Farbdarstellung verbessern, was auf einer schnellen Runde wichtiger ist, als es zunächst klingt. Bremspunkte, Kerbs und Fahrzeuge, die aus dem Schatten auftauchen, müssen mit möglichst geringer Verzögerung beim Fahrer ankommen.
Zur Hardware gehören eine NVIDIA GeForce RTX 5090, ein Intel-Prozessor der 14. Generation und 32 GB DDR5-Arbeitsspeicher. Ein Lenkmotor mit hohem Drehmoment liefert die Kraftrückmeldung.
Das Lenkrad im Formel-Stil bietet neun Drehregler, 12 Tasten, ein Farbdisplay, Schaltwippen und eine Launch-Control-Anordnung mit doppelten Kupplungswippen. Die elektrisch verstellbare Pedalerie lässt sich über 200 mm verstellen und hilft Fahrern unterschiedlicher Körpergröße, die richtige Position zu finden.
Die Aussagen sollte man dennoch im Verhältnis sehen. Aston Martin spricht von einem hochpräzisen Ultra-Luxus-Simulator, nicht von einer Plattform mit voller Bewegung. Das Erlebnis entsteht vor allem durch Sitzposition, Lenkfeedback, Pedale, Display und Software, nicht durch physische Bewegung des Rigs oder die Simulation von Längsbeschleunigung.
Der Preis zeigt, für wen das wirklich gedacht ist
Mit 58.750 Pfund vor Steuern wirkt der Preis für einen Simulator absurd hoch, für einen Aston-Martin-Kunden ist er jedoch keine willkürliche Zahl. Das entspricht rund 68.100 Euro vor Steuern. Die Endpreise variieren je nach Markt und Steuervorschriften, aber die Größenordnung ist klar: Das ist kein Spiele-PC. Es ist ein Luxusprodukt.
Der Vergleich mit der klassischen Welt der Rennsimulationen fällt drastisch aus. Für dasselbe Geld ließe sich ein technisch ernst zu nehmender Simulator mit mehreren Bildschirmen aufbauen, dazu erstklassige Lenkrad- und Pedal-Hardware sowie eine Motion-Plattform anschaffen, und es bliebe immer noch Geld für echte Trackdays übrig.
Die AMR-C01-R Hypercar Edition versucht nicht, über das Preis-Leistungs-Verhältnis zu gewinnen. Verkauft werden Aston-Martin-Design, Exklusivität und eine direkte Verbindung zur Valkyrie.
Warum das für Autoenthusiasten wichtig ist
Das Supersportwagen-Erlebnis dreht sich nicht mehr nur um Motoren, Getriebe, Reifen und den Geruch von Benzin. Ein größerer Teil verlagert sich in Simulatoren, Telemetrieanalyse, Esports-Serien und private Trainingsräume. Profifahrer nutzen Simulatoren, um Strecken zu lernen und ihre Technik zu verfeinern, wohlhabende Enthusiasten kaufen sich tiefer in das Erlebnis ein, und Autohersteller dehnen ihre Marken über das eigentliche Auto hinaus aus.
Für Aston Martin ist das schlüssig. Die Valkyrie ist bereits ein derart extremes Auto, dass sich nur ein Bruchteil ihres Potenzials auf öffentlichen Straßen nutzen lässt. Ein Simulator erlaubt es Aston Martin, dieselbe Fantasie ohne Reifenverschleiß, Lärmgrenzen oder Versicherung zu verkaufen.
Er ersetzt keinen echten Supersportwagen, erweitert diese Welt aber an einen Ort, den das reale Fahrzeug nur selten erreicht: das Zuhause seines Besitzers.