BYD treibt Übernahmepläne voran, Europa, USA und Japan im Fokus
BYD hat seine Pläne zur Übernahme eines Autoherstellers am 13. März öffentlich gemacht. Die Konzernführung bestätigte, sie prüfe den Kauf einer großen etablierten Marke in Europa, den USA oder Japan. Formelle Gespräche laufen demnach nicht, doch das Signal ist deutlich. Der schnell wachsende chinesische Autokonzern spricht nicht mehr nur über Exporte, sondern über einen direkten Zugang zu den größten Märkten der Welt.
BYD geht es nicht um eine Trophäe, sondern um einen kürzeren Weg in den Markt.
Aus Sicht des Konzerns geraten traditionelle Hersteller durch zwei parallele Kostenblöcke unter Druck, Verbrenner auf der einen Seite und Elektroautos auf der anderen. Genau deshalb schaut sich BYD mögliche Übernahmeziele an. Das Unternehmen ist überzeugt, dass der langjährige Fokus auf Hybride und Elektrofahrzeuge für eine einfachere Struktur sorgt und schnellere Reaktionen ermöglicht.
In Klartext ist die Logik nüchtern. Während ältere Hersteller den Wandel gewissermaßen doppelt bezahlen, prüft BYD, ob sich ein etablierter Name, ein Fabriknetz und ein Händlernetz in einem Schritt einkaufen lassen.
Kanada tauchte in derselben Diskussion ebenfalls auf. BYD untersucht die Möglichkeit, dort ein Werk zu bauen, und würde dabei volle Kontrolle einer Kooperation vorziehen. Diese Idee kommt nicht aus dem Nichts. Anfang dieses Jahres erklärte die kanadische Regierung, sie werde jährlich bis zu 49.000 in China gebaute Elektroautos zu einem Zollsatz von 6,1 Prozent ins Land lassen. Zuvor hatte ein Aufschlag von 100 Prozent diese Tür nahezu geschlossen.
Der Zugang zum nordamerikanischen Markt ist damit nicht weit offen, aber zumindest einen Spalt.
Parallel dazu beschränkt sich BYD nicht auf Übernahmegedanken. Nach Angaben von Reuters bereitet das Unternehmen bereits eine europäische Produktion über sein Werk in Ungarn vor, zudem soll das Werk in der Türkei noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. Im vergangenen Herbst sagte Stella Li gegenüber Reuters, BYD wolle spätestens bis 2028 alle für Europa bestimmten Elektroautos lokal bauen.
Der Druck zeigt sich bereits in den Zahlen. Im Januar stiegen die BYD-Neuzulassungen in der Europäischen Union auf 13.982 Fahrzeuge. Der Marktanteil kletterte damit auf 1,7 Prozent, während der gesamte EU-Automarkt um 3,9 Prozent schrumpfte.
Die Dringlichkeit ist leicht zu erklären. Reuters berichtete am 1. März, dass die BYD-Verkäufe im Februar im Jahresvergleich um 41,1 Prozent fielen. Es war der sechste monatliche Rückgang in Folge. Der Konzern sucht nun außerhalb Chinas nach neuem Schwung und peilt 2026 insgesamt 1,3 Millionen Auslandsverkäufe an.
Diese Geschichte dreht sich nicht nur um einen möglichen Deal. Sie zeigt, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse in der Autoindustrie verschieben. Vor wenigen Jahren kamen chinesische Hersteller nach Europa, um Glaubwürdigkeit und Vertrieb aufzubauen. Nun erwägt einer von ihnen offen eine große Übernahme, während etablierte Marken gleichzeitig mit Margen, Elektrifizierung und schwacher Nachfrage ringen. Die Autobranche liebt große Parolen, doch diesmal ist die lauteste Botschaft schlicht: Das Unternehmen mit Geld, Technologie und Geduld entwickelt auch den größten Appetit.