Chery Tiggo 7 Pro scheitert im Global NCAP Crashtest
Der moderne Automarkt lebt von Widersprüchen: Während europäische Marken ihre Kunden mit immer aufdringlicheren Assistenzsystemen überziehen, verkaufen manche Hersteller in Schwellenländern weiterhin Fahrzeuge, die nicht einmal grundlegende Sicherheitsstandards erfüllen. Der Chery Tiggo 7 Pro ist das jüngste Beispiel – und fällt im Global NCAP Crashtest mit nur zwei Sternen für den Insassenschutz durch.
Der aktuelle Bericht von Global NCAP rückt den Chery Tiggo 7 Pro ins Rampenlicht – allerdings nicht im positiven Sinne. Das Modell erreicht lediglich zwei Sterne beim Schutz erwachsener Insassen. Das ist kein knapper Ausrutscher, sondern ein klares Warnsignal.
Hinter der glänzenden Chromfassade offenbaren sich strukturelle Schwächen. Auf den ersten Blick wirkt der Tiggo 7 Pro modern: Große Bildschirme dominieren das Cockpit, Chromdetails sollen Wertigkeit suggerieren. Doch unter der Oberfläche scheint Sparen wichtiger gewesen zu sein als Crashsicherheit.
Laut Global NCAP fehlen dem Fahrzeug Kopfairbags, die bei einem Seitenaufprall die Köpfe der Insassen schützen würden. Deshalb verzichtete die Organisation auf den Pfahlaufpralltest – das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen sei selbst bei moderaten Geschwindigkeiten zu hoch.
Zudem lässt sich der Beifahrerairbag nicht deaktivieren, was die Nutzung eines rückwärtsgerichteten Kindersitzes auf dem Beifahrersitz unsicher macht. Zwar ist ein elektronisches Stabilitätsprogramm an Bord, doch die Gurtwarner erfüllen laut Global NCAP nicht die empfohlenen Standards.
Auf dem Papier werden einige Sicherheitsanforderungen abgehakt, in der Praxis bleiben jedoch gravierende Lücken.
Im Segmentvergleich fällt das Ergebnis besonders negativ auf. Ähnlich bepreiste Konkurrenten wie der Haval H6 erzielen deutlich bessere Crashtest-Bewertungen. Indische Hersteller wie Tata Motors erreichen im selben Global NCAP-Protokoll regelmäßig fünf Sterne.
Das widerlegt das Argument, dass in kostensensiblen Märkten zwangsläufig niedrigere Sicherheitsstandards akzeptiert werden müssten.
Richard Woods, Leiter von Global NCAP, bezeichnete das Ergebnis als enttäuschend. Die Tragweite reicht jedoch weiter: In Regionen mit weniger strengen Vorschriften als in Europa können Hersteller Fahrzeuge verkaufen, die anspruchsvollere Prüfungen kaum bestehen würden.
Für chinesische Marken, die international um Glaubwürdigkeit kämpfen, sind solche Resultate langfristig problematisch. Unternehmen wie MG Motor und BYD investieren viel, um mit etablierten europäischen Herstellern gleichzuziehen. Ein schwaches Crashtest-Ergebnis eines prominenten Modells droht, alte Vorurteile zu bestätigen.
Sicherheit ist im Showroom selten sichtbar. Käufer achten zuerst auf Bildschirmdiagonalen und Chromleisten, nicht auf versteckte Verstärkungen in den Türen. Doch letztlich entscheidet die Crashperformance über den wahren Wert eines Autos.
Ein Fahrzeug, das bei unabhängigen Sicherheitstests schlecht abschneidet, mag beim Kauf günstig erscheinen. Mit der Zeit können Zweifel am Insassenschutz den Wiederverkaufswert drücken und das Markenvertrauen beschädigen.
In einem Markt, in dem Kunden vor Vertragsabschluss immer häufiger auf Ratings achten, sind zwei Sterne mehr als nur eine Zahl – sie sind ein Urteil.