2,4 Millionen Dollar für einen Ferrari, der nie auf die Straße darf
In Maranello entstehen manchmal Maschinen, die jeder Vernunft trotzen. Sammler jedoch bewegen sich offenbar auf einer noch abstrakteren Ebene: Bei einer Auktion von RM Sotheby’s wechselte ein Ferrari LaFerrari-Prototyp für 2.425.000 US-Dollar den Besitzer – fahren darf man ihn auf öffentlichen Straßen allerdings nicht.
Bei RM Sotheby’s wurde ein Ferrari LaFerrari-Prototyp für stolze 2.425.000 US-Dollar versteigert. Der Haken: Eine Straßenzulassung gibt es nicht. Das Fahrzeug, intern als F150 P2 bekannt, hat in seiner Zeit als Entwicklungsträger rund 55.000 Kilometer abgespult. Es ist kein poliertes Schaustück, sondern ein fahrendes Tagebuch des ehrgeizigsten Hybrid-Hypercar-Projekts aus Maranello.
Ein rollendes Labor
Im Gegensatz zum Serien-LaFerrari, der seinen V12 mit einem komplexen Hybridsystem kombiniert, steht dieser Prototyp für eine frühere, rauere Entwicklungsphase. Ferrari nutzte ihn vor allem, um Chassis und Karosserie auf Haltbarkeit zu testen – noch ohne das finale Elektromotor-Setup.
Unter der hinteren Haube arbeitet ein 6,2-Liter-V12. In der Serie leistet dieses Aggregat 780 PS, die genaue Spezifikation des Prototyps bleibt jedoch Ferraris Geheimnis.
Von Alcantara und italienischer Noblesse fehlt jede Spur. Das Cockpit gleicht eher einem Testlabor als einem Luxusinterieur: Offene Instrumentierung, Schalter für Entwicklungszwecke und experimentelle Bedienelemente bestimmen das Bild. Das Lenkrad erinnert mehr an Flugzeugtechnik als an einen Gran Turismo.
Die Karosserie trägt noch die Tarnfolien, mit denen Ferrari während der Erprobung neugierige Fotografen täuschte. Darunter verbirgt sich klassisches Ferrari-Rot – doch gerade dieser unfertige, geheime Look macht den Reiz aus.
Keine Zulassung, keine Sonntagsausfahrt
Eine Typgenehmigung fehlt. Das Auto kann nicht zugelassen werden, es gibt keine Nummernschilder und keine offiziellen Papiere für den Straßenverkehr.
Der neue Besitzer darf den Wagen auf Privatgelände bewegen oder in kontrollierter Umgebung ausstellen. Vor einem Café wird er nie parken, durch Monacos Verkehr nie rollen. Praktisch ist das ein Museumsstück, das zufällig fahrbereit ist.
2,4 Millionen Dollar für ein Auto, das man nicht legal fahren darf – irrational? Im Kosmos Ferrari stehen Prototypen in der Hierarchie oft über den limitierten Serienmodellen. Sie sind Schöpfungsartefakte, keine bloßen Produkte.
Zum Vergleich: Ein LaFerrari Aperta kostet heute auf dem freien Markt fast 7 Millionen US-Dollar. Da wirkt ein Werksprototyp fast wie ein günstiger Einstieg in Ferraris innersten Zirkel.
Geschichte statt Leistung kaufen
Hier kauften Sammler keine Performance, sondern Herkunft.
Dieser Prototyp hat die Strapazen auf sich genommen, die das Serienmodell erst möglich machten: Testzyklen, technische Überarbeitungen, endlose Datensammlungen. Normalerweise verschwinden solche Entwicklungskosten still in den Bilanzen. Ferrari hat daraus ein Millionenobjekt gemacht.
Für den Durchschnittsfan bleibt so ein Auto eine extravagante Skulptur. Ohne Straßenzulassung entfallen zwar Steuern und Versicherung, doch verlangt das Eigentum eine klimatisierte Garage mit streng geregelter Luftfeuchtigkeit. Selbst die Tarnfolien sind erhaltenswert.
Mit diesem Verkauf beweist Ferrari erneut die Magie seines Namens. In Maranello wird selbst ein unfertiges Kapitel zu Gold. Ein Auto, das nie für den Alltag gedacht war, steht nun in einer Garage, wo seine Hauptaufgabe simpel ist: Wertsteigerung und Erinnerung daran, dass einst zwölf Zylinder alles bedeuteten.