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Hermeus durchbricht mit unbemannter Quarterhorse die Schallmauer und treibt Hyperschall-Entwicklung voran

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 30.05.2026

Die Quarterhorse Mk 2.1 von Hermeus erreichte bei ihrem dritten Testflug Mach 1,21. Hyperschall ist das noch nicht, doch der Flug zählt: Das US-Unternehmen brachte ein ferngesteuertes Jetflugzeug weniger als drei Monate nach dem Erstflug über die Schallmauer, während bereits die nächsten, schnelleren Prototypen entstehen.

Hermeus verkauft noch nicht das Passagierflugzeug der Zukunft. Das Unternehmen beweist vor allem Entwicklungstempo.

Nach Angaben von Hermeus startete die Quarterhorse Mk 2.1 vom Spaceport America in New Mexico und überschritt im Luftraum über der White Sands Missile Range die Schallgeschwindigkeit. Die Höchstgeschwindigkeit gibt das Unternehmen mit Mach 1,21 an. In Standardatmosphäre auf Meereshöhe entspräche das rund 1490 km/h, wobei der reale Wert von Flughöhe und Lufttemperatur abhängt. Hermeus veröffentlichte die Mach-Zahl, aber weder Flughöhe noch Flugdauer oder die Zeit oberhalb der Schallmauer.

Ein Hyperschallflugzeug ist die Quarterhorse Mk 2.1 damit noch nicht, denn Hyperschall beginnt üblicherweise erst bei Mach 5. Hermeus nutzt sie als Zwischenschritt, um Daten zu transsonischem und überschallschnellem Flug, Handling, Einlassverhalten und Abläufen im ferngesteuerten Betrieb zu sammeln.

Die Technik bleibt bodenständiger, als die Hyperschall-Vision vermuten lässt.

Die Quarterhorse Mk 2.1 ist ein ferngesteuertes Jetflugzeug etwa in der Größe einer F-16, mit Deltaflügel, verstellbarem Lufteinlass und einem Pratt & Whitney F100-Triebwerk. Hermeus setzt noch nicht den Turbinen-Ramjet-Hybridantrieb Chimera ein, der für das Endziel nötig ist. Zunächst erprobt das Unternehmen Zelle, Einlass, Steuerungssysteme und die Infrastruktur für Flugtests.

Technisch macht das den Flug nüchterner, industriell aber interessanter. Viele Hyperschallprogramme verbringen Jahre im Windkanal und in Simulationsmodellen. Hermeus schiebt Prototypen in den realen Flugbetrieb, holt Daten zurück und baut das nächste Flugzeug. Auf die Mk 2.1 sollen Mk 2.2 und Mk 2.3 folgen. Ihre Aufgabe ist es, die Geschwindigkeitsgrenze weiter nach oben zu verschieben und Risiken vor den Systemen der nächsten Generation abzubauen.

Boom XB-1 und NASA X-59 zeigen, wie eng diese Nische tatsächlich ist.

Die XB-1 von Boom Supersonic durchbrach im Januar 2025 die Schallmauer und erreichte Mach 1,18 in 36.514 Fuß Höhe, also etwa 11.130 Metern. Der Unterschied ist wichtig. Die XB-1 war ein bemannter ziviler Demonstrator. Die Quarterhorse Mk 2.1 ist ein unbemanntes Testflugzeug mit militärischer Ausrichtung.

Die X-59 der NASA verfolgt einen anderen Ansatz. Die NASA jagt mit diesem Flugzeug nicht der reinen Höchstgeschwindigkeit hinterher, sondern arbeitet an leiserem Überschallflug. Die X-59 sollte im Frühsommer erstmals überschallschnell fliegen, bevor später Mach 1,4 in etwa 16.800 Metern Höhe angestrebt werden, um ein Flugprofil mit gedämpfterem Überschallknall zu testen.

Die unbemannte X-43A der NASA erreichte bereits 2004 Mach 9,6. Das war jedoch ein raketenbeschleunigtes Scramjet-Experiment von kurzer Dauer, kein wiederverwendbares, ferngesteuertes Jetflugzeug, das von einer Startbahn abhebt. Hermeus hat also nicht das schnellste unbemannte Flugzeug aller Zeiten gebaut, verfügt aber über eine der schnellsten privat entwickelten Plattformen, die derzeit in Flugtests aktiv sind.

Das Geld zeigt, dass das Pentagon das Programm ernst nimmt.

Zwei Tage nach dem Überschallflug bestätigte Hermeus, dass die Defense Innovation Unit den Vertrag um 159 Millionen Dollar erweitert hat. Die Obergrenze stieg damit auf 219 Millionen Dollar, etwa 188 Millionen Euro. Im Programm geht es nicht nur darum, ein schnelles Flugzeug zu bauen. Zu den Zielen zählen auch Flüge bei hohen Mach-Zahlen, Nutzlastabwurf bei Geschwindigkeit und Daten für US Air Force und Navy.

Damit ist Quarterhorse eher ein Beschleuniger für Militärtechnologie als ein geistiger Nachfolger der Concorde. Wenn Hermeus eine wiederverwendbare unbemannte Plattform schnell und zu niedrigeren Kosten in die Flugerprobung bringen kann, verkürzt das den Entwicklungszyklus für Waffensysteme, Sensoren und künftige Hyperschallflugzeuge.

Aus europäischer Sicht bleibt im zivilen Bereich der Überschallknall der Engpass.

In der europäischen Passagierluftfahrt reicht es nicht, Mach 1 zu überschreiten. Die EASA betont, dass die Industrie vor einer Zulassung von Überschallflügen über Land nachweisen muss, dass die Pegel des Überschallknalls für die Öffentlichkeit akzeptabel sind. Die ICAO arbeitet derweil an Zertifizierungsverfahren für Lärm entlang der Flugroute von Überschallflugzeugen.

Das bedeutet: Hermeus-Technik erreicht den zivilen Markt in Europa erst dann, wenn Geschwindigkeit, Lärm, Emissionen und Zertifizierung in dasselbe Geschäftsmodell passen. Im Verteidigungsbereich ist der Weg kürzer. Europa braucht bereits schnelle Sensor-, Ziel- und Testplattformen. Der Vorteil von Hermeus bleibt vorerst aber an das US-Ökosystem aus Verteidigung und Flugerprobung gebunden.

Technischer Überblick

Flugzeug: Hermeus Quarterhorse Mk 2.1, ein ferngesteuerter unbemannter Überschall-Prototyp.

Testflug: dritter Flug ab Spaceport America, mit Überschallgeschwindigkeit im Luftraum der White Sands Missile Range.

Höchstgeschwindigkeit: Mach 1,21, als Richtwert rund 1490 km/h unter Standardbedingungen auf Meereshöhe.

Antrieb: Pratt & Whitney F100, während Hermeus für die Zukunft weiterhin den Turbinen-Ramjet-Hybridantrieb Chimera anstrebt.

Programmumfang: DIU-Vertragsobergrenze von 219 Millionen Dollar, etwa 188 Millionen Euro.

Quarterhorse hat Hyperschallreisen nicht real gemacht. Was gelungen ist, ist praktischer und womöglich nützlicher: Hermeus hat gezeigt, dass das Unternehmen Hardware in die Luft bekommt, schnell lernt und zum nächsten, schnelleren Versuch zurückkehrt.


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