Lotus stellt X Hybrid vor: bis zu 1.200 km Reichweite bei 952 PS
Lotus hat mit X Hybrid eine neue Antriebsplattform vorgestellt, die die Beschleunigung eines Elektroautos mit der Reichweite eines Hybrids verbinden soll. Als erstes europäisches Modell ist der Lotus Eletre X dafür vorgesehen. Auf dem Papier wirken die Eckdaten eindrucksvoll, doch wie so oft entscheiden am Ende die Details über die Aussagekraft der Zahlen.
Der britische Sportwagenhersteller, der inzwischen zum chinesischen Geely-Konzern gehört, präsentierte die Technik bei einer Veranstaltung in Shanghai. Laut Lotus liefert das System bis zu 952 PS, mehr als 1.200 Kilometer WLTP-Reichweite und bis zu 350 Kilometer rein elektrische Reichweite.
Als erstes europäisches Auto soll der Lotus Eletre X die Plattform nutzen. Der Marktstart ist für Juni dieses Jahres vorgesehen, die Auslieferungen sollen im vierten Quartal beginnen.
Auf dem Papier wirkt das System wie eine technische Demonstration, die zwei Welten zusammenführen will: spontane Elektro-Reaktion auf der einen Seite, Langstreckentauglichkeit auf der anderen.
Lotus beschreibt das Konzept als „electric first, hybrid empowered“.
In der Praxis kann der Antrieb in drei unterschiedlichen Modi arbeiten: rein elektrisch, als Range-Extender-Hybrid und als konventioneller Hybrid.
Das System wählt den passenden Modus automatisch, abhängig von Geschwindigkeit, Batterieladestand und Fahreranforderung. Der tägliche Arbeitsweg soll theoretisch im Elektromodus stattfinden, während Benzinmotor und Generator auf längeren Strecken die Reichweite erhöhen.
Kern der Plattform ist ein 150-kW-Generator. Unter bestimmten Bedingungen kann er rund 25 kWh Energie pro Stunde erzeugen, entweder um die Batterie während der Fahrt zu laden oder um den Ladestand auf langen Autobahnetappen zu halten.
Das Technologiedemonstrationsfahrzeug, mit dem Lotus das System zeigt, trägt in China den Namen Lotus FOR ME.
Es nutzt permanenterregte Synchronmotoren an beiden Achsen. Zusammen leisten sie 700 kW, also 952 PS, und liefern 935 Nm Drehmoment.
Selbst nach Sportwagen-Maßstäben sind das hohe Werte. Lotus nennt 3,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Auch bei einem Batterieladestand von rund 20 Prozent soll das System noch bis zu 550 kW Leistung bereitstellen, die Performance soll also nicht einbrechen, wenn die Batterie sich leert.
Die X-Hybrid-Plattform arbeitet mit einer 900-Volt-Architektur, die sehr schnelles Laden ermöglichen soll.
Lotus gibt an, die Batterie lasse sich von 20 auf 80 Prozent in etwa neun Minuten laden, vorausgesetzt, die passende Ladeinfrastruktur und geeignete Temperaturbedingungen sind vorhanden.
Die Energierückgewinnung erfolgt über vier Stufen der Rekuperation. Die Batterie hat eine Kapazität von 70 kWh und ist mit einem 52-Liter-Tank kombiniert. Diese Kombination soll die theoretische Reichweite von mehr als 1.200 Kilometern ermöglichen.
Neben der Hybridtechnik betont Lotus, dass die Fahrdynamik der Marke erhalten bleiben soll.
Das Demonstrationsmodell verfügt über ein 48-Volt-Aktiv-Wankstabilisierungssystem, das bis zu 1.400 Nm Kraft aufbauen kann, einen aktiven Heckspoiler mit vier Positionen, Brembo-Sechskolbenbremsen vorn und eine schnell ansprechende Zweikammer-Luftfederung.
Lotus nennt einen Bremsweg aus 100 km/h von 33,9 Metern.
Im Innenraum liegt der Schwerpunkt stärker auf Luxus als auf Minimalismus.
Zu den Optionen zählen eine Vollausstattung in Nappa-Leder, die laut Lotus rund 40 Quadratmeter Leder erfordert, ein KEF-Reference-Soundsystem mit 23 Lautsprechern und 2.160 Watt Leistung sowie ein elektrochromes Panoramadach mit zehn einstellbaren Transparenzstufen.
Wichtig ist: Ein Großteil der veröffentlichten technischen Daten stammt vom chinesischen Demonstrationsmodell. Die finalen Spezifikationen für die europäische Version des Lotus Eletre X will Lotus erst näher am offiziellen Marktstart im Sommer 2026 bekannt geben.
Vorerst dienen die Zahlen eher als technologische Visitenkarte denn als endgültige Spezifikation.
Eines ist bereits klar: Lotus sucht einen Kompromiss zwischen zwei Welten, die bislang selten reibungslos zusammenpassten, der Alltagstauglichkeit des elektrischen Fahrens und der Langstrecken-Flexibilität von Verbrennungsmotoren. Ob das die nächste Stufe der Elektrifizierung ist oder lediglich eine clevere Übergangstechnologie, wird sich zeigen, sobald der Eletre X auf realen Straßen unterwegs ist.