Mercedes-AMG schickt den A 45 S auf die Zielgerade, lässt die 310-kW-Technik aber unangetastet
Mercedes-AMG gibt dem A 45 S 4MATIC+ mit der Final Edition ein klares Abschiedssignal. Mehr Leistung, eine schärfere Fahrwerksabstimmung oder bessere Beschleunigungswerte erhält der Kompaktsportler nicht. Stattdessen kleidet AMG sein 310-kW-Vierzylinder-Aushängeschild in Mattgrau oder Schwarz, ergänzt gelbe und dunkelverchromte Details – und verlangt für die Aufmachung bis zu 10.091,20 € Aufpreis.
## Die Final Edition verabschiedet sich mit Design statt Technik
Mercedes-AMG kündigte die Final Edition am 27. Juli 2026 an und erklärte, sie schicke den A 45 S damit auf die Zielgerade. Die Formulierung deutet auf den bevorstehenden Abschied des Modells hin, doch das Unternehmen hat weder ein Produktionsende noch eine Stückzahlbegrenzung für die Edition oder einen möglichen Nachfolger angekündigt. Es gibt daher bislang keine Grundlage dafür, von einer nummerierten Kleinserie zu sprechen oder das Produktionsende des A 45 S als offiziell bestätigt anzusehen.
Käufer können zwischen MANUFAKTUR Mountaingrau magno und dem Uni-Lack Nachtschwarz wählen. Dunkelverchromte Türgriffe, mattschwarze 19-Zoll-AMG-Schmiederäder und Radnabenabdeckungen mit gelben AMG-Logos verleihen dem Auto einen sofort erkennbaren Sondermodell-Auftritt. Die hochglanzschwarzen Bremssättel tragen einen weißen AMG-Schriftzug.
Zur Final Edition gehören außerdem das AMG Night-Paket und das AMG Night-Paket II. Zusammen verleihen sie den Spiegelgehäusen, äußeren Zierelementen, Endrohrblenden, Details des Kühlergrills und den Modellschriftzügen hochglanzschwarze oder dunkelverchromte Oberflächen.
Große gelb-schwarze „45 S“-Türgrafiken sind optional. Gleiches gilt für das AMG Aerodynamik-Paket, das einen größeren Frontsplitter, zusätzliche Flics, einen Dachspoiler, Luftleitelemente am hinteren Stoßfänger und eine hochglanzschwarze Diffusorblende umfasst. Die im Windkanal entwickelten Komponenten sollen die Fahrstabilität bei hohem Tempo verbessern und zugleich die Optik des Autos schärfen.
## Die Sitze kombinieren Kunstleder mit Mikrofaser
In einer früheren Fassung des Artikels wurden die Materialien des Innenraums falsch beschrieben. Die AMG Performance-Sitze kombinieren schwarzes ARTICO-Kunstleder mit MICROCUT-Mikrofaser und nicht Echtleder mit einer synthetischen Alternative.
Gelbe Ziernähte, in die vorderen Kopfstützen gestickte „45 S“-Embleme und eine „45 S Final Edition“-Plakette auf der Mittelkonsole führen das äußere Farbschema im Innenraum fort. Auch das mit Nappaleder und MICROCUT-Mikrofaser bezogene Lenkrad erhält gelbe Ziernähte. Aluminium-Zierelemente mit AMG-Muster, schwarz beleuchtete Einstiegsleisten und editionsspezifische Fußmatten vervollständigen das Paket.
In Deutschland liegt der Aufpreis für die Ausstattung der Final Edition einschließlich Mehrwertsteuer zwischen 6.074,95 € und 10.091,20 €. Der höchste Betrag umfasst das AMG Aerodynamik-Paket und die großen Türgrafiken, nicht jedoch Überführungs- oder Werksabholungskosten. Die in einer früheren Fassung genannten österreichischen Preise von 7.300 bis 9.660 € stimmten nicht mit der offiziellen Ankündigung überein.
## Der Zweiliter-Motor leistet weiterhin 310 kW
Unter der Motorhaube arbeitet weiterhin der von Hand montierte M139. Der 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder leistet 310 kW und entwickelt 500 Nm, was einer Literleistung von fast 156 kW entspricht. AMG bezeichnet ihn als den weltweit stärksten in Serie produzierten Turbo-Vierzylindermotor.
Ein AMG SPEEDSHIFT DCT-8G-Doppelkupplungsgetriebe überträgt die Leistung an den vollvariablen Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+. AMG TORQUE CONTROL verteilt das Antriebsmoment variabel zwischen dem linken und rechten Hinterrad, schärft damit das Einlenkverhalten und bildet die Grundlage für den Drift Mode.
Der A 45 S beschleunigt in 3,9 Sekunden von 0–100 km/h und erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Sein WLTP-Verbrauch wird mit 9,0–9,2 l/100 km angegeben, die CO₂-Emissionen mit 205–209 g/km. Die Final Edition ändert keinen dieser Werte.
## Der Audi RS 3 hat weniger Leistung, ist aber minimal schneller
Der A 45 S behält die Leistungskrone unter den aktuellen serienmäßigen Kompaktsportlern mit Vierzylindermotor, ist aber nicht das schnellste Auto seiner Klasse. Der 2,5-Liter-Turbo-Fünfzylinder des Audi RS 3 Sportback leistet 294 kW und entwickelt 500 Nm. Trotz der geringeren Leistung erreicht der Audi in 3,8 Sekunden Tempo 100 und kommt mit RS-Dynamikpaket und Keramikbremsen auf 290 km/h.
Der Volkswagen Golf R gibt sich mit 245 kW und 420 Nm deutlich zurückhaltender. Für den Sprint auf 100 km/h benötigt er 4,6 Sekunden. Der Golf bietet weniger Dramatik und Leistung, verkörpert dafür aber eine traditionellere und alltagstauglichere Auslegung des Kompaktsportler-Konzepts.
Der A 45 S nimmt zwischen beiden eine ungewöhnliche Mittelposition ein. Der Audi bietet einen exotischeren Fünfzylindermotor und eine minimal bessere Längsdynamik, während der Golf R mit einem einfacheren, stärker auf den Alltag ausgerichteten Gesamtpaket antritt. Mercedes hält mit außergewöhnlicher Literleistung, einem ausgefeilten Allradantrieb und einer Intensität dagegen, die an das Terrain von Sportwagen grenzt.
## Der Name verspricht Endgültigkeit, doch Mercedes lässt die Tür offen
Die größte Schwäche der Final Edition ist, wie wenig sie technisch verändert. AMG steigert die Leistung nicht, lässt den Antriebsstrang unangetastet und bietet keine eigenständige Fahrwerksabstimmung. Käufer zahlen bis zu 10.091,20 € für Design, editionsspezifische Details und gebündelte Ausstattung statt für mehr Fahrleistung.
Andererseits benötigt der A 45 S nicht unbedingt eine letzte Leistungssteigerung. Ein Zweiliter-Motor mit 310 kW, ein Sprint auf 100 km/h in 3,9 Sekunden und ein Allradantrieb, der das Drehmoment variabel zwischen den Hinterrädern verteilen kann, reichen weiterhin aus, um Europas schnellste kompakte Hochleistungsmodelle herauszufordern.
Die wichtigere Frage betrifft den Nachfolger. Die offizielle Ankündigung bestätigt weder eine neue A-Klasse noch einen Nachfolger des A 45 – unabhängig davon, ob dieser einen Verbrennungs- oder Elektroantrieb hätte. Die Final Edition ist daher als Schlussakzent des aktuellen Modells zu verstehen, nicht als Beleg dafür, dass die gesamte Kompaktsportler-Tradition von AMG endet.
Die Final Edition ist kein neues technisches Kapitel. Sie ist eine teure Verpackung für ein bekanntes Auto. Doch das Auto darunter bleibt bemerkenswert: Nur wenige Hersteller haben aus einem Zweiliter-Vierzylinder 310 kW herausgeholt und darum einen derart ausgefeilten, ungestüm schnellen Kompaktsportler gebaut.