Leapmotor B10 Hybrid EV
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Opel und Alfa Romeo verlagern die Entwicklung nach China

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 10.04.2026

Stellantis verhandelt mit dem chinesischen Partner Leapmotor über ein neues Elektro-SUV von Opel. Das Modell soll auf Technik des chinesischen Herstellers basieren und in Spanien gebaut werden. Noch wichtiger ist jedoch, was hinter diesem ersten Projekt steht: Auch erste Gespräche über ein künftiges Alfa-Romeo-Modell auf derselben Architektur haben begonnen. Das zeigt, wie schnell sich Europas Autoindustrie für günstigere und schnellere Entwicklung chinesischer Technik zuwendet.

Laut Reuters ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt ein elektrisches Opel-SUV mit dem internen Code O3U. Geplant ist, dass das Modell die technische Basis von Leapmotor nutzt, sich die Architektur mit dem kompakten SUV Leapmotor B10 teilt und im Stellantis-Werk Zaragoza in Spanien gebaut wird. Der Produktionsstart ist für 2028 angepeilt, bei einer Jahresproduktion von rund 50.000 Fahrzeugen.

Stellantis will die Entwicklungskosten für ein neues Elektromodell senken und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen. Der Konzern räumt ein, beim Tempo des Elektrohochlaufs zu optimistisch gewesen zu sein und nimmt deshalb Abschreibungen vor. Gleichzeitig muss Stellantis seinen europäischen Marktanteil gegen den Druck von BYD und anderen chinesischen Herstellern verteidigen und die Auslastung seiner Werke verbessern. Opel stand 2025 für rund 21 Prozent der europäischen Verkäufe von Stellantis. Damit ist die Marke wichtig genug, dass ein solcher Entwicklungsschritt strategisch sinnvoll erscheint.

Der heikelste Punkt ist, wie viel der eigentlichen Entwicklungsarbeit nach China verlagert würde. Reuters zufolge würde Leapmotor die Kerntechnologien sowie wichtige elektronische und elektrische Systeme liefern, während Opel das Exterieur gestalten würde. Eine Quelle sagte, ein erheblicher Teil der Entwicklungsarbeit würde in China stattfinden. Es geht also nicht mehr nur um den Einkauf von Komponenten. Vielmehr deutet sich eine mögliche Abhängigkeit von einer chinesischen Plattform, chinesischer Software und chinesischer Entwicklungskompetenz an.

Der Teil der Geschichte, der Alfa Romeo betrifft, befindet sich noch in einem früheren Stadium, könnte aber ähnlich bedeutend werden. Reuters berichtet, dass Stellantis erste Gespräche über ein mögliches Alfa-Romeo-Modell auf derselben Architektur und aus demselben Werk in Zaragoza aufgenommen hat, auch um die Produktionskapazität besser zu nutzen. Das bedeutet, dass das Opel-Projekt kein einmaliger Versuch bleiben muss. Es könnte zur Vorlage werden, mit der Stellantis chinesische Technik in deutlich größerem Maßstab unter europäischen Marken einsetzt.

Abgeschlossen ist die Vereinbarung noch nicht, und die offiziellen Stellungnahmen bleiben vorsichtig. Stellantis bestätigte lediglich, dass es regelmäßigen Kontakt zwischen den Partnern über einen Ausbau der Zusammenarbeit gibt, wollte aber keine Details nennen. Leapmotor erklärte seinerseits, man spreche mit Stellantis und anderen Partnern über die Lieferung selbst entwickelter Komponenten, betonte jedoch, es gebe keine Pläne für eine Zusammenarbeit auf Plattformebene. Dieser Widerspruch ist aufschlussreich. Er legt nahe, dass das Projekt durchaus real ist, sein endgültiger Umfang aber noch verhandelt wird.

Im größeren Zusammenhang unterstreicht die mögliche Verlagerung eine unbequeme Wahrheit für Europas Autoindustrie. Wenn Opel und womöglich später auch Alfa Romeo auf eine Architektur von Leapmotor setzen, gewinnen chinesische Hersteller in Europa nicht mehr nur unter ihren eigenen Logos. Sie prägen dann auch die technische Substanz traditionsreicher europäischer Marken. Stellantis mag Design, Marketing und Werke behalten, doch ein immer größerer Teil der Wertschöpfungskette würde an den Ort wandern, an dem Entwicklung schneller und günstiger ist.


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