Rolls-Royce ruft 102 Cullinan in den USA zurück und rät vorerst von der Nutzung der Rücksitze ab
Rolls-Royce ruft in den USA 102 Cullinan zurück, weil einige Befestigungen der hinteren Sicherheitsgurte oder Verriegelungsbügel der Rücksitzlehnen möglicherweise nicht mit dem vorgeschriebenen Werksdrehmoment angezogen wurden. Bis jedes Fahrzeug geprüft ist, rät der Hersteller den Besitzern, weder den Fond noch den Kofferraum zu nutzen.
Auf den ersten Blick wirkt der Umfang überschaubar, für Rolls-Royce ist das Thema dennoch heikel. Laut Unterlagen der NHTSA betrifft der Rückruf Cullinan der Modelljahre 2020 bis 2026, die zwischen dem 27. November 2019 und dem 19. November 2025 gebaut wurden. Lockert sich eine Befestigungsschraube, kann der hintere Sicherheitsgurt bei einem Unfall seine Rückhaltefunktion verlieren. Oder Gepäck im Kofferraum könnte die Rücksitzlehne nach vorn drücken. In beiden Fällen steigt das Verletzungsrisiko.
Rolls-Royce hat das Problem selbst entdeckt. Nach Angaben des Herstellers bemerkten Ingenieure am 23. Januar 2026 bei Qualitätskontrollen und einer Testfahrt ein metallisches Klappern in der Nähe der rechten hinteren C-Säule. Nach der Demontage des Bereichs stellten sie Spiel an einer Schraube des Gurtaufrollers fest, leiteten eine technische Untersuchung ein, prüften Werksdaten und entschieden am 5. März für einen freiwilligen Sicherheitsrückruf. Das Unternehmen erklärt zudem, ihm seien keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit dem Defekt bekannt.
Gerade deshalb ist der Vorgang für den Ruf der Marke bedeutender, als die Stückzahl vermuten lässt. Im Ultra-Luxus-Segment kaufen Kunden nicht nur Materialien und Verarbeitung, sondern auch das Versprechen von Fehlerfreiheit. Wenn Rolls-Royce Besitzern rät, die Rücksitze nicht zu nutzen, trifft das den zentralen Anspruch des Modells. Der Cullinan steht für Platz, Ruhe und mühelose Alltagstauglichkeit. Zugleich deutet der Zeitablauf darauf hin, dass das Qualitätssystem des Unternehmens den Defekt erkannt hat, bevor es im realen Einsatz zu Schäden kam, ein wichtiger Unterschied für eine Luxusmarke.
Strategisch gewinnt der Fall zusätzlich an Gewicht, weil es sich um eines der tragenden Modelle im Rolls-Royce-Programm handelt. In den offiziellen Rückblicken für 2023, 2024 und 2025 bezeichnete das Unternehmen den Cullinan als sein meistgefragtes Modell. Zudem erreichten die weltweiten Verkäufe von Rolls-Royce 2024 insgesamt 5.712 Fahrzeuge. Damit kann selbst ein Rückruf von nur 102 Autos dem Vertrauen stärker schaden, als es die reine Stückzahl nahelegt.
Die praktische Abhilfe ist vergleichsweise einfach. Die Händler prüfen die Schrauben, ziehen sie auf die vorgeschriebene Spezifikation an oder ersetzen sie bei Bedarf. Außerdem kontrollieren sie die Sicherheitsgurte und tauschen sie falls nötig kostenlos aus. Laut NHTSA-Unterlagen beginnt die Benachrichtigung der Halter am 4. Mai 2026. Vorerst gilt die offizielle Maßnahme für 102 Fahrzeuge, die über BMW of North America verkauft wurden.