Toyota MR2 mit Helikopter-Turbine: Wahnsinn auf Rädern
Wer glaubte, dass Tuning noch irgendwelchen Vernunftsregeln folgt, wurde gerade eines Besseren belehrt. Dustin Brice, ein Amerikaner mit Faible für Strahltriebwerke, baute einen Toyota MR2, der nicht nur optisch an die Luftfahrt erinnert. Im Heck arbeitet tatsächlich eine echte Turbine aus einem Militärhubschrauber und versorgt den Motor mit zusätzlichem Druck. Das Ergebnis hat mit einem klassischen japanischen Sportwagen wenig zu tun und wirkt eher wie ein Flugzeug, das seine Startbahn verpasst hat.
Brice’ Faszination für die Luftfahrt, insbesondere für Strahltriebwerke, prägt den MR2 bis ins Detail. Das Cockpit gleicht eher einer Pilotenkanzel als einem Straßenfahrzeug, das Armaturenbrett ist von der Fliegerei inspiriert und die gesamte Haltung des Wagens erinnert mehr an einen Preflight-Check als an den Weg zur Arbeit.
Das eigentliche Highlight sitzt am Heck: eine Turbine aus einem Boeing CH-47 Chinook Militärhubschrauber. Hier handelt es sich nicht um ein Show-Accessoire, sondern um eine voll funktionsfähige Hilfsturbine, die als Experiment für den Straßeneinsatz dient und das Tuning in völlig neue Sphären hebt.
Angefangen hat alles recht harmlos. Brice entfernte den originalen MR2-Motor und verpflanzte einen 3,5-Liter-V6 aus einem Toyota Sienna. Für die meisten wäre das mehr als genug gewesen, doch Brice war das zu gewöhnlich.
Ein klassischer Turbo oder Kompressor erschien ihm zu vorhersehbar. Als Mechaniker bei einer Firma für Strahltriebwerksforschung hatte Brice Zugang zu einer Hubschrauber-Hilfsturbine. Damit wurde aus dem ambitionierten Projekt endgültig ein Exot.
Die Turbine treibt nicht die Räder an und fungiert auch nicht als eigenständiger Motor. Sie versorgt den V6 vielmehr mit zusätzlichem Ladedruck – wie ein Turbo, nur in einer völlig anderen Liga. Die Ladelufttemperaturen stiegen derart, dass ein massiver Ladeluftkühler unverzichtbar wurde, um den Motor am Leben zu halten.
Die Turbine läuft mit einem eigenen 26,5-Liter-Tank, gefüllt mit Kerosin. Bemerkenswert: Der V6 blieb intern serienmäßig und verkraftet die Zusatzbelastung ohne Verstärkungen – ein stilles Lob an Toyotas Ingenieurskunst und Brices Sorgfalt.
Die Turbine lässt sich unabhängig zuschalten. Brice gesteht, dass er sie selten nutzt, vor allem wegen des ohrenbetäubenden Lärms. Für die Show gibt es zudem eine separate Flammenfunktion, die Feuer aus dem Auspuff schießt – rein optisch, ohne Einfluss auf die Turbine. Der MR2 kann also als zahmer Sportwagen auftreten oder, wenn gewünscht, als tief fliegendes Flugzeug auf Abwegen.
Dieses Projekt zielt nicht auf Rundenzeiten oder Höchstgeschwindigkeit. Es geht um die Erkenntnis, dass technische Leidenschaft nicht immer der Logik folgt. Eine Hubschrauberturbine im Auto löst kein Problem, beweist aber, dass Ingenieurskunst und Fantasie dort zusammenfinden, wo niemand mehr die Regeln zählt.