Audi RS5 Avant: Ingolstadts elektrischer Angriff auf München
Der langjährige Schlagabtausch zwischen BMW aus München und Audi aus Ingolstadt geht in eine neue, elektrifizierte Runde. Bislang konnte der BMW M3 Touring ein ungestörtes Dasein ohne ernsthafte Konkurrenz genießen. Audis jüngster Vorstoß ändert das grundlegend.
Der Nachfolger des RS4-Emblems, der neue Audi RS5 Avant, rollt nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen an. Er bringt ein Arsenal frischer Technik und eine klar erkennbare Strategie mit.
Ein Hybridherz, konsequent integriert
Nach Audis neuer Namenslogik bleiben ungerade Zahlen den Verbrennern vorbehalten. Der RS5 Avant basiert auf der neuen PPC-Plattform – Premium Platform Combustion –, die von Anfang an darauf ausgelegt wurde, ein komplexes Hybridsystem aufzunehmen, ohne die Dynamik zu opfern.
Der bewährte 2,9-Liter-V6-Biturbo bleibt erhalten. Hinzu kommt ein kompakter Elektromotor. Statt diesen notdürftig an den Antriebsstrang zu schrauben, hat Audi ihn direkt ins Getriebe integriert. Das ist nicht nur elegant gelöst, sondern auch technisch bedeutsam.
Die Systemleistung soll über 600 PS liegen. Damit verschwindet der aktuelle BMW M3 Competition mit seinen 510 PS rasch im Rückspiegel.
Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die neue Generation bringt ein aufgerüstetes Sportdifferenzial und eine Hinterachslenkung mit. In engen Kurven soll sich der Kombi eher wie ein kurzes Coupé anfühlen, trotz des unvermeidlichen Mehrgewichts durch den Akku.
Breiter, tiefer, schärfer
Die ausgestellten Radhäuser sind kein Design-Gag. Sie schaffen Platz für eine breitere Spur und massive 21-Zoll-Räder, die das sofort anliegende Drehmoment des Hybrids verkraften müssen.
Vorn sitzt ein tieferer, breiterer Singleframe-Grill, der die Luft gezielt zu Kühlern und Bremsen leitet. Die Botschaft ist klar: Hier geht es nicht um höfliche Elektrifizierung, sondern um ein Performance-Auto, das die regulatorischen Realitäten kennt.
Audis Strategie ist simpel. Emissionsvorgaben lassen sich nicht ignorieren, doch das RS-Emblem darf seine Schärfe nicht verlieren. Der RS5 Avant wird zur Brücke in die vollelektrische Zukunft, ohne den Lärm und das Spektakel zu opfern, das die Marke groß gemacht hat.
Ein Auto für alles
Der Anspruch ist eindeutig. Käufer wollen zunehmend eine All-in-one-Lösung. Morgens sollen sie ihre Kinder lautlos und lokal emissionsfrei zur Schule bringen – dank einer 15 bis 20 kWh-Batterie mit rund 80 km elektrischer Reichweite. Mittags soll das gleiche Auto mit Porsches auf der Autobahn oder sogar auf der Rennstrecke mithalten können.
Audi verkauft längst nicht mehr nur Blech und PS, sondern softwaregesteuerte Vielseitigkeit. Entwicklung ist teuer, aber Relevanz war noch nie billig in einer Welt, in der das Verbrennen von Benzin zur Nischenfreude wird.
Gerade in Märkten wie unserem genießt der schnelle Kombi einen besonderen Status. Er brüllt nicht wie ein SUV, signalisiert aber Kennerblick. Quattro-Allradantrieb bleibt im RS5 Avant Standard – ein beruhigender Fixpunkt in Regionen, wo ein heckgetriebener Rivale an einem matschigen Märzmorgen schnell an seine Grenzen kommt.
Ja, das Hybridsystem bringt Gewicht mit, und auf schlechten Straßen wird das Fahrwerk gefordert. Doch Audis Luftfederung ist traditionell komfortabler abgestimmt als die straffen Setups der BMW M-Modelle. Ein Preisaufschlag gegenüber dem Vorgänger ist sicher. Doch rechnet man die Alltagstauglichkeit und den geringeren Verbrauch in der Stadt ein, könnte dies der vernünftigste RS aller Zeiten sein.
Und in einem Segment, das vom Übermaß lebt, wirkt Vernunft fast schon rebellisch.