Bugatti erwägt V16-Hypercar mit Schaltgetriebe
Bei seinem nächsten Hypercar könnte Bugatti einen unerwarteten Weg einschlagen und auf elektrische Unterstützung sowie ein Automatikgetriebe verzichten. Unternehmenschef Mate Rimac zieht einen leichteren Sportwagen mit einem frei saugenden V16-Motor und einem echten Schaltgetriebe in Betracht. Statt der 1324 kW des aktuellen Tourbillon könnten rund 735 kW genügen, wenn das Ergebnis ein deutlich leichteres Auto mit direkterem Fahrverhalten wäre.
Weniger Leistung, mehr Fahrspaß
Bugatti-Chef Mate Rimac sagte in einem am 26. Oktober veröffentlichten Interview mit Top Gear, der Tourbillon sei nicht nur ein eigenständiges Hypercar, sondern auch eine technische Plattform, auf deren Basis weitere Modelle entwickelt werden könnten.
Rimac möchte erkunden, wie Bugatti zu seinen historischen Werten zurückkehren kann, bei denen geringes Gewicht, präzises Fahrverhalten und eine direkte Verbindung zwischen Fahrer und Auto im Vordergrund stehen. Als Beispiel nannte er den legendären Rennwagen Type 35.
Auf die Frage nach einem echten Schaltgetriebe antwortete Rimac mit einem eindeutigen Ja. Ein konkretes Entwicklungsprojekt oder eine Entscheidung über eine Serienfertigung hat Bugatti allerdings noch nicht bestätigt.
Der V16 könnte ohne Elektromotoren auskommen
Der aktuelle Tourbillon kombiniert einen von Cosworth entwickelten 8,3-Liter-V16-Saugmotor mit drei Elektromotoren. Der Verbrennungsmotor leistet 735 kW und liefert 900 Nm Drehmoment; er dreht bis 9000 U/min.
Die Gesamtleistung des Hybridsystems beträgt 1324 kW. Im Antriebsstrang kommt ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe zum Einsatz.
Das mögliche neue Modell würde auf die 25-kWh-Batterie und die drei Elektromotoren verzichten. Zusammen mit einem leichteren Getriebe könnte das Gewicht des Autos dadurch Schätzungen zufolge um 300 kg sinken. Der aktuelle Tourbillon wiegt rund 1995 kg.
Obwohl die Leistung damit fast halbiert würde, würde sich das Leistungsgewicht weniger stark verbessern, als man zunächst erwarten könnte. Die eigentlichen Vorteile lägen in einem geringeren Trägheitsmoment, direkteren Reaktionen und einem einfacheren Antriebsstrang.
Die größte technische Herausforderung wäre ein Schaltgetriebe, das die 900 Nm Drehmoment des V16 verkraftet und zugleich die von einem Bugatti erwartete Präzision und einfache Bedienbarkeit bietet.
Bugatti setzt auf Emotionen statt Rekorde
In der Ära von Veyron und Chiron begründete Bugatti seinen Ruf mit außergewöhnlicher Leistung und Höchstgeschwindigkeit. Eine neue Ausrichtung könnte stattdessen das Fahrerlebnis in den Mittelpunkt stellen.
Dieser Ansatz erinnert an die Philosophie des T.50 von Gordon Murray Automotive, bei dem Leichtbau, ein frei saugender Motor und ein Schaltgetriebe wichtiger sind als der absolute Geschwindigkeitsrekord.
Für Bugatti wäre dies eine Gelegenheit, etwas zu bieten, das selbst die leistungsstärksten elektrischen Hypercars nicht nachbilden können: eine mechanische Verbindung zwischen dem Fahrer und einem 16-Zylinder-Motor.
Auch die neue Eigentümerstruktur des Unternehmens ist wichtig. Laut Rimac gibt der Schritt aus dem Einflussbereich des Volkswagen-Konzerns Bugatti mehr Freiheit als zuvor, um gewagtere Projekte zu entwickeln.
Auf dem europäischen Hypercar-Markt könnte ein V16 mit Schaltgetriebe zu einem außergewöhnlich begehrten Sammlerauto werden, insbesondere weil großvolumige Saugmotoren immer seltener werden.
Bugatti hat weder die Produktion noch einen Preis oder einen Vorstellungstermin für das neue Modell bestätigt. Sollte das Projekt umgesetzt werden, könnte es zu einer der letzten großen Hommagen der Automobilindustrie an das mechanische Fahrerlebnis werden.