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Honda könnte kanadisches Elektroauto-Werk für 15 Milliarden CAD auf Eis legen

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 08.05.2026

Honda verlagert seinen Schwerpunkt in Nordamerika von einer Elektroauto-Offensive zurück zu Hybriden. Wie Nikkei Asia berichtet, will der japanische Autobauer die Entwicklung seines 15 Milliarden CAD teuren Produktionskomplexes für Elektroautos und Batterien in Ontario pausieren. Eine offizielle Bestätigung von Honda gibt es bislang nicht, doch die jüngsten Entscheidungen deuten auf einen klaren Strategiewechsel hin.

Honda hatte die Pläne für Ontario 2024 vorgestellt. Das Projekt nahe Alliston sollte eine vollständige Produktionskette für Elektroautos schaffen, darunter die Fahrzeugmontage, ein Batteriewerk sowie gemeinsam mit Partnern die Herstellung von Kathodenmaterial und Separatoren. Geplant war eine Jahreskapazität von bis zu 240.000 Elektroautos und 36 GWh Batterien.

Die Produktion sollte 2028 anlaufen. Die kanadische Bundesregierung und die Provinz Ontario stellten für das Projekt Unterstützungsleistungen von rund 5 Milliarden CAD in Aussicht, vor allem in Form von Steuergutschriften und direkten Anreizen. Der Komplex sollte 4200 bestehende Arbeitsplätze sichern und etwa 1000 neue schaffen.

Eine Verzögerung, die nun deutlich ernster wirkt

2025 hatte Honda das Projekt bereits um rund zwei Jahre verschoben und dies mit einer sich abkühlenden Elektroauto-Nachfrage begründet. Nun berichtet Nikkei Asia, dass das Unternehmen die Investition für einen längeren Zeitraum einfrieren und Hybridmodelle ins Zentrum seiner Nordamerika-Strategie rücken will. Honda Canada erklärte zugleich, man habe dazu nichts Neues mitzuteilen.

Diese Formulierung ist bemerkenswert. Offiziell hat Honda keine endgültige Absage für das kanadische Großprojekt bekannt gegeben. Praktisch ist das Risiko jedoch gestiegen, dass die ursprünglich für 2028 geplante Produktionskette nicht in derselben Form oder nach demselben Zeitplan startet.

Der Fall in Kanada ist kein Einzelfall. Im März teilte Honda mit, die Entwicklung und Markteinführung von drei für Nordamerika geplanten Elektromodellen zu streichen: Honda 0 SUV, Honda 0 Saloon und Acura RSX. Als Gründe nannte das Unternehmen eine schwächere Nachfrage nach Elektroautos, politische Veränderungen in den USA und stärkeren Wettbewerb durch chinesische Hersteller.

Honda schätzt, dass die Neubewertung seiner Elektrifizierungsstrategie Kosten und Verluste von bis zu 2,5 Billionen JPY verursachen könnte. Gleichzeitig betont das Unternehmen, Elektroautos nicht vollständig aufzugeben. Stattdessen werden Ressourcen umgeschichtet und kurzfristig die Hybridpalette gestärkt.

Hybride wirken plötzlich wie die sicherere Wette

Hondas Problem ist einfach, aber teuer. Ein Produktionskomplex im Wert von 11 Milliarden US-Dollar ergibt nur Sinn, wenn die Nachfrage nach Elektroautos schnell und verlässlich wächst. Diese Sicherheit bietet Nordamerika derzeit nicht. Käufer wägen weiterhin Preis, Ladeinfrastruktur, Förderungen und Zinsen gegeneinander ab, während Hybride für viele von ihnen einen risikoärmeren Übergang darstellen.

Für Honda ist das ein strategischer Rückzug, keine vollständige Kapitulation. Der Konzern scheint nun dem Cashflow und einem profitableren Hybridgeschäft den Vorzug vor einer gewaltigen Investitionsrechnung für Elektroautos zu geben. Das ist nachvollziehbar. Es schwächt aber auch Hondas Position, falls die Nachfrage nach Elektroautos wieder deutlich anziehen sollte.

Das kanadische Werk sollte zeigen, dass Honda im industriellen Maßstab für eine batterieelektrische Zukunft bereit ist. Vorerst könnte es stattdessen etwas Unbequemerem stehen: Selbst die diszipliniertesten Autobauer der Welt sind 2026 offenbar nicht mehr bereit, das nächste Elektro-Zeitalter allein deshalb zu bauen, weil frühere Prognosen es so nahegelegt haben.


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