Hyundai bringt die Software von 42dot mit dem IONIQ 3 auf die Straße
Die Hyundai Motor Group weitet den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Software in ihren Fahrzeugen, Entwicklungsprozessen und Werken aus. In Europa wird die Arbeit von 42dot – dem globalen Softwarezentrum des Konzerns – am deutlichsten im neuen IONIQ 3 sichtbar, der das Infotainmentsystem Pleos Connect zusammen mit dem KI-Sprachassistenten Gleo AI einführt.
Die Hyundai Motor Group übernahm 42dot im Jahr 2022 und hat das südkoreanische Softwareunternehmen seitdem zum Kern ihrer globalen Softwareaktivitäten ausgebaut. Dessen Arbeit umfasst inzwischen Fahrzeugbetriebssysteme, KI-basierte Dienste und Technologien für autonomes Fahren.
Die Rolle von 42dot geht weit über einzelne Anwendungen hinaus. Das übergeordnete Ziel besteht darin, eine gemeinsame Softwareschicht zu schaffen, über die die verschiedenen Systeme eines Fahrzeugs miteinander kommunizieren können und die es Entwicklern zugleich ermöglicht, neue Funktionen schneller einzuführen.
Pleos führt die Fahrzeugsoftware zusammen
Hyundai verwendet den Namen Pleos für ein umfassenderes Software-Ökosystem. Ein Bestandteil ist das Fahrzeugbetriebssystem, ein weiterer Pleos Connect – die Infotainmentebene, mit der Fahrer und Passagiere direkt interagieren.
Pleos Connect basiert auf Android Automotive OS und unterstützt Over-the-Air-Updates, mit denen sich Funktionen ergänzen und die Leistung verbessern lassen. Sein Seriendebüt gab das System 2026 in Südkorea im Hyundai Grandeur. Der IONIQ 3 wird das erste Hyundai-Modell in Europa sein, das dieses System erhält.
Gleichzeitig soll die Fahrzeugsoftwareschicht von 42dot die Entwicklung neuer Funktionen vereinfachen. Ein Anwendungsentwickler kann beispielsweise mit einem standardisierten Softwarebefehl ein Fenster betätigen, ohne die detaillierte Architektur des Fensterhebermotors und seines Steuergeräts verstehen zu müssen.
Diese Art der Abstraktion ist eine der Grundlagen eines softwaredefinierten Fahrzeugs. Eine standardisierte Softwareschicht liegt zwischen Hardware und Anwendungen, sodass Funktionen schneller entwickelt und in verschiedenen Modellen wiederverwendet werden können.
Gleo AI soll die Absicht des Fahrers verstehen
Zu den zentralen Funktionen von Pleos Connect gehört Gleo AI, ein auf einem großen Sprachmodell basierender Sprachassistent für das Fahrzeug. Er kann Gesprächs- und Fahrsituationen berücksichtigen, mehrere Befehle in einer einzigen Anfrage verarbeiten und Funktionen wie Navigation, Klimatisierung und Sitzheizung steuern.
Das System kann zudem erkennen, von welcher Position im Innenraum ein Befehl ausgeht. Dadurch lassen sich Funktionen wie Klimatisierung oder Sitzheizung gezielt für den Fahrer oder Beifahrer einstellen.
Neben Gleo AI entwickelt 42dot mit Gleo Guard eine Sicherheitsebene, die die tatsächliche Absicht des Nutzers interpretieren und verhindern soll, dass potenziell unsichere oder falsch verstandene Befehle ausgeführt werden.
Ähnliche KI-Verfahren werden auch für das autonome Fahren entwickelt. 42dot arbeitet an Vision-Language-Action-Modellen, kurz VLA, die visuelle Wahrnehmung und Kontextverständnis mit der Entscheidungsfindung und Steuerung des Fahrzeugs verbinden. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist die Entwicklung messbarer Bewertungskriterien, da es in realen Verkehrssituationen nicht immer eine einzige objektiv richtige Reaktion gibt.
Der IONIQ 3 bringt das neue System nach Europa
Für europäische Kunden wird die Arbeit von 42dot zunächst im IONIQ 3 konkret erlebbar. Das kompakte Elektroauto soll im vierten Quartal 2026 auf den Markt kommen.
Der IONIQ 3 basiert auf der E-GMP-Plattform der Hyundai Motor Group, nutzt jedoch statt des 800-V-Systems größerer IONIQ-Modelle eine 400-V-Architektur. Angeboten werden zwei Batteriegrößen: 42,2 und 61 kWh. Die Standard-Range-Version bietet eine WLTP-Reichweite von bis zu 344 km, das Long-Range-Modell erreicht bis zu 497 km.
Unter optimalen Bedingungen dauert das DC-Schnellladen von 10 auf 80 % rund 29 Minuten. Je nach Ausstattung unterstützt das Fahrzeug zudem AC-Laden mit bis zu 22 kW.
Für Hyundai ist der IONIQ 3 jedoch nicht nur wegen seines Elektroantriebs von Bedeutung. Mit der Einführung von Pleos Connect wird er zum ersten Hyundai-Modell in Europa, das Kunden einen klaren Einblick in die umfassendere Softwarestrategie des Konzerns gibt.
Die Hyundai Motor Group will bis 2030 rund 20 Millionen Fahrzeuge der Marken Hyundai, Kia und Genesis mit Pleos Connect ausstatten.
KI wird auch zum Werkzeug für Ingenieure und Werke
Hyundai setzt KI zunehmend auch außerhalb des Fahrzeugs ein. Der Crash Safety AI Assistant hilft Ingenieuren dabei, Crashtestergebnisse, Bilder und frühere technische Analysen zu durchsuchen, zu vergleichen und zu prüfen.
Nach Angaben von Hyundai hat das System den Zeitaufwand für die Ermittlung relevanter Fälle und die Prüfung von Analysematerial um rund 90 % reduziert. Ziel ist es nicht, das technische Urteilsvermögen zu ersetzen, sondern den Zeitaufwand zu verringern, den Ingenieure für die Suche nach nützlichen Informationen in großen Datenmengen benötigen.
In der Fertigung nutzt der Konzern bildverarbeitende KI, um Fahrzeug-Identifizierungsnummern automatisch zu erkennen. Kameras an den Produktionslinien lesen die VINs aus und prüfen in Echtzeit, ob jedes Fahrzeug mit den im System hinterlegten Produktionsdaten übereinstimmt. Hyundai Motor und Kia setzen die Technologie bereits in rund 70 Fertigungsprozessen in Korea, den Vereinigten Staaten, Europa, Indien und im asiatisch-pazifischen Raum ein.
Die Arbeit von 42dot und Hyundai spiegelt einen umfassenderen Wandel in der Automobilindustrie wider. Software beschränkt sich nicht mehr auf Bildschirme und Unterhaltung, sondern verknüpft zunehmend Fahrzeugsteuerung, Benutzeroberfläche, Entwicklung und Fertigung. In Europa wird der IONIQ 3 eines der ersten Hyundai-Modelle sein, an denen Kunden diesen Übergang deutlich erkennen können.