Reklaam
auto.pub Cadillac VISTIQ 13.11.24
Fullscreen image

Das größte Qualitätsproblem bei Neuwagen ist nicht mehr der Motor, sondern der Bildschirm

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 14.09.2026

Neuwagen werden mechanisch besser, doch ihre Infotainmentsysteme halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Laut der jüngsten US-Studie von J.D. Power entfallen inzwischen 25 Prozent aller Qualitätsprobleme bei Neuwagen auf das Infotainment.

Reklaam

Die Verschiebung ist bezeichnend. Motoren, Getriebe, Fahrwerke und sogar Fahrerassistenzsysteme werden zuverlässiger, doch immer größere Bildschirme, die drahtlose Smartphone-Anbindung und die Software bereiten Besitzern weiterhin Kopfzerbrechen.

Die fünf häufigsten Probleme betreffen Infotainmentsysteme

J.D. Power misst die Häufigkeit von Problemen anhand des PP100-Werts, also der Zahl der Probleme pro 100 Fahrzeuge. Infotainmentsysteme kamen in diesem Jahr auf 42,4 PP100 und zeigten damit gegenüber dem Vorjahr praktisch keine Verbesserung.

Noch bemerkenswerter ist, dass die fünf am häufigsten gemeldeten Probleme im gesamten Fahrzeug inzwischen das Infotainment betreffen.

Besonders häufig gibt es Beschwerden über die Verbindung mit Android Auto und Apple CarPlay. Die im Juni veröffentlichte Initial Quality Study von J.D. Power zeigte, dass Verbindungsprobleme mit diesen Systemen die größte Einzelursache für die Verschlechterung der Infotainmentqualität im Jahresverlauf waren.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Verbindungsabbrüche. Besitzer beklagen komplizierte Menüs, die Bedienlogik der Touchscreens, die Smartphone-Integration und Funktionen, deren Verhalten nicht konsistent ist.

Das Auto selbst wird gleichzeitig besser

Das Paradoxe daran: Die 2026er-Fahrzeuge erzielten in der Initial Quality Study von J.D. Power ein sehr gutes Ergebnis. Die durchschnittliche Zahl der Probleme sank im Jahresvergleich von 192 auf 175 pro 100 Fahrzeuge. Das war die stärkste Verbesserung innerhalb eines Jahres seit 1997.

In neun der zehn untersuchten Bereiche verbesserten sich die Ergebnisse. Das Infotainment war die einzige Kategorie, die sich verschlechterte.

Das zeigt, wie stark sich die Bedeutung von Fahrzeugqualität verändert hat. Vor ein paar Jahrzehnten standen schlechte Qualität für ein Ölleck, einen knarzenden Innenraum oder ein defektes Getriebe. Heute kann ein Auto mechanisch tadellos funktionieren und von seinem Besitzer dennoch als problematisch empfunden werden, weil sich das Smartphone nicht verbindet oder zur Bedienung der Klimaanlage durch Bildschirmmenüs navigiert werden muss.

Ein großer Touchscreen ist nicht automatisch eine Verbesserung

Die Ergebnisse von J.D. Power stellen den jahrelangen Wettlauf der Autoindustrie um immer größere Bildschirme infrage.

In der Juni-Studie gaben 46 Prozent der Fahrer, die ein Problem meldeten, das sie während der Fahrt ablenkte, als Ursache das Infotainmentsystem oder den Touchscreen an. Warnungen von Fahrerassistenzsystemen machten im Vergleich dazu 18 Prozent aus.

Der Grund ist einfach: Ein Fahrer lernt schnell, wo sich eine physische Taste befindet, und kann sie bedienen, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Auf einem Bildschirm ändert sich die Position derselben Funktion je nach Software, während ein mehrstufiges Menü mehr Aufmerksamkeit erfordert.

Europäische Hersteller erkennen dies zunehmend an. Physische Tasten sind nicht mehr zwangsläufig eine altmodische Lösung, sondern Teil der Bedienschnittstelle. Sie wegzulassen kann zwar die Herstellung eines Autos verbilligen, dessen Bedienung aber nicht verbessern.

Software ist zu einem zentralen Bestandteil der Fahrzeugqualität geworden

Auch nach den ersten 90 Tagen verschwindet das Problem nicht. In der Vehicle Dependability Study 2026 von J.D. Power war das Infotainment mit 56,7 Problemen pro 100 Fahrzeuge erneut die problematischste Kategorie. Die Verbindung mit Android Auto und Apple CarPlay war im dritten Jahr in Folge das am häufigsten gemeldete Einzelproblem der gesamten Studie.

Für die Autohersteller ist das eine unangenehme Erkenntnis. Sie wissen, wie man immer zuverlässigere Motoren und präzisere Karosserien baut, machen Autos zugleich aber von Software abhängig, deren Qualität nicht immer dem Niveau der mechanischen Komponenten entspricht.

Ein modernes Auto ist längst nicht mehr nur eine Maschine. Es ist ein Computer auf Rädern, bei dem der ärgerlichste Fehler möglicherweise nicht darin besteht, dass das Auto nicht anspringt, sondern dass sich das Smartphone nicht verbindet.