Betrüger drohen Li-Auto-Besitzern damit, die Fahrzeuggarantie für ungültig zu erklären
Der chinesische Autohersteller Li Auto warnt seine Kunden vor einer neuen Betrugsmasche: Kriminelle geben sich als Unternehmensvertreter aus und schicken Fahrzeugbesitzern gefälschte Sicherheitshinweise. Darin behaupten sie, die Airbags müssten im Rahmen eines Rückrufs überprüft werden. Die Besitzer sollen ihre Daten innerhalb von zwei Stunden auf einer Website bestätigen – andernfalls drohen die Betrüger damit, die Garantie für ungültig zu erklären.
Gefälschter Rückruf soll Zeitdruck erzeugen
Die Rechtsabteilung von Li Auto bestätigte in einer offiziellen Erklärung, dass das Unternehmen den betreffenden Airbag-Rückruf nicht eingeleitet hat.
Betrüger verschicken Textnachrichten an Fahrzeugbesitzer und geben sich dabei als Vertreter von Li Auto aus. Die Nachrichten enthalten einen Link zu einer Website, auf der Nutzer persönliche Angaben, Fahrzeugdaten und Bestätigungscodes eingeben sollen.
Die Kriminellen nutzen eine klassische Phishing-Methode. Die Frist von zwei Stunden und die Drohung mit dem Verlust des Garantieschutzes setzen die Empfänger unter Druck, schnell zu handeln. Dadurch prüfen sie womöglich seltener, ob die Mitteilung echt ist.
Li Auto betont, dass der in den Nachrichten erwähnte Rückruf nicht existiert und die verlinkte Webadresse nicht zum Unternehmen gehört.
Digitaler Autoschlüssel macht Betrugsmasche besonders gefährlich
Moderne Modelle von Li Auto sind in hohem Maße auf ein digitales Nutzerkonto angewiesen. Darüber lassen sich die Türschlösser, die Klimaanlage und verschiedene weitere Fahrzeugfunktionen steuern.
Wenn Kriminelle Zugang zu den Anmeldedaten eines Besitzers erhalten, könnten die Folgen über den Diebstahl persönlicher Daten hinausgehen.
Kürzlich wurden Fälle in einem anderen Markt bekannt, in denen Kriminelle die Hauptkonten von Li-Auto-Besitzern übernahmen und Lösegeld für die Wiederherstellung des Zugangs forderten. Ein direkter Zusammenhang zwischen der aktuellen Betrugsmasche in China und den früheren Kontoübernahmen ist jedoch nicht bestätigt.
Auch Autobesitzer sollten vorsichtig sein
Der Fall Li Auto ist für alle internetfähigen Autos relevant. Wenn wichtige Fahrzeugfunktionen von einer Smartphone-App und einem Cloud-Dienst abhängen, werden die Sicherheit des Nutzerkontos und die Authentifizierung des Besitzers Teil der Zuverlässigkeit des Autos.
Hersteller in Europa unterliegen Anforderungen an die Cybersicherheit und das Management von Software-Updates. Das Risiko von Phishing-Angriffen beseitigen diese jedoch nicht.
Li Auto rät Besitzern, verdächtige Links nicht zu öffnen und auf unbekannten Websites weder persönliche Angaben noch Fahrzeugdaten oder Bestätigungscodes einzugeben. Wer seine Daten bereits weitergegeben hat, sollte umgehend sein Konto sichern und den offiziellen Kundendienst kontaktieren.
Die wichtigste Lehre aus diesem Fall ist einfach: Die digitale Sicherheit eines Autos hängt nicht mehr allein von der Software des Herstellers ab. Eine einzige überzeugend wirkende Nachricht könnte ausreichen, um Kriminellen Zugriff auf weit mehr als ein gewöhnliches Online-Konto zu verschaffen.