Lucid zeigt Robotaxi Lunar und kündigt Modellfamilie unter 50.000 Dollar an
Auf seinem Investor Day am 12. März hat Lucid das Robotaxi-Konzept Lunar vorgestellt, ein Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale, und es direkt mit einer neuen Plattform für Elektroautos der Mittelklasse verknüpft. Auf dieser Architektur sollen drei günstigere Modelle entstehen, um die Stückzahlen zu erhöhen und den technologischen Vorsprung aus dem Luxussegment in ein Geschäft zu überführen, das tatsächlich Geld verdient.
Lunar soll mehr sein als ein einzelnes Konzept
Lunar ist für Lucid keine reine Designstudie. Der Hersteller hat das Zweisitzer-Robotaxi als Demonstrator ohne Lenkrad und ohne Pedale aufgebaut, um zu zeigen, wie die neue Plattform autonomen, kommerziellen Transport abbilden könnte. Lucid peilt eine theoretische Reichweite von rund 650 Kilometern an, dazu eine Ladeleistung, die in 15 Minuten knapp 320 Kilometer nachladen soll. Das Unternehmen betonte, dass Lunar vor allem belegen soll, dass die Plattform Dienste verkraftet, die auf intensive tägliche Nutzung ausgelegt sind.
Cosmos, Earth und ein drittes Modell entstehen auf derselben Basis
Im Mittelpunkt stand jedoch die neue Mittelklasse-Modellfamilie. Lucid bestätigte, dass die Plattform drei Serienfahrzeuge tragen wird, zwei davon haben bereits Namen: Cosmos und Earth. Die Preise sollen unter 50.000 Dollar (43.300 Euro) liegen, damit positionieren sich die Neuen deutlich unter den heutigen Air und Gravity. In diesem Marktsegment sieht Lucid den Weg zu mittelfristig rund 100.000 Auslieferungen pro Jahr.
Die Atlas-Antriebseinheit soll Skalierung und Marge ermöglichen
Kern des technischen Wechsels ist eine neue elektrische Antriebseinheit namens Atlas. Lucid beschreibt sie als kleineres, leichteres und einfacheres Paket, mit Vorder- und Hintergehäusen, die nach derselben Logik aufgebaut sind, um die Fertigung zu vereinfachen und Kosten zu senken. Kleinere Batteriepacks, weniger Teile und eine engere Systemintegration verfolgen dasselbe Ziel. Aus Sicht von Lucid liegt der eigentliche Vorteil in der Effizienz, weil die Batterie weiterhin etwa 30 bis 40 Prozent des Preises eines Elektroautos ausmacht.
Robotaxi als Hinweis auf Serviceumsätze, nicht nur als Antwort auf Tesla
Lucid positioniert Lunar nicht nur als Reaktion auf Teslas Cybercab. Reuters berichtete, dass das Unternehmen seinen Auftritt am Investor Day mit neuen Erlösquellen verknüpfte. Software-Abos, Pakete für autonomes Fahren, Plattform-Lizenzierung und Robotaxi-Partnerschaften sollen den Weg zu einem positiven Cashflow bis zum Ende des Jahrzehnts stützen. Lucid bezifferte den Preis seiner Assistenz- und Autonomiepakete auf 69 bis 199 Dollar pro Monat (60 bis 172 Euro). Parallel bereitet der Hersteller weiterhin ein kommerzielles Robotaxi-Projekt auf Basis des Gravity mit Uber und Nuro vor und führt zudem Gespräche mit Uber über einen großflächigen Einsatz von Fahrzeugen auf Basis der neuen Mittelklasse-Plattform.
Kapitalmärkte bleiben auf Distanz
Trotz der Ambitionen räumte der Investor Day nicht alle Zweifel aus. Reuters verwies darauf, dass die Lucid-Aktie am 12. März um fast 8 Prozent fiel, weil die Märkte weiterhin wegen Liquidität, Kostendruck und einer schwächeren Nachfrage nach Elektroautos nervös sind. Lucid versprach, die Stückkosten mittelfristig um 50 bis 60 Prozent zu senken, doch Investoren warten nun auf etwas Wertvolleres als die nächste polierte Präsentation.
Die Ankündigung markiert für Lucid eine strategische Wende. Das Unternehmen verkauft technologische Eigenständigkeit nicht mehr als Selbstzweck, sondern versucht, daraus ein skalierbares Modell zu bauen, in dem günstigere Elektroautos, Softwareumsätze und autonome Mobilität einander verstärken. Wenn Cosmos, Earth und das unbenannte dritte Modell zum angekündigten Preis auf den Markt kommen und Lunar zu einer echten Serviceplattform wird statt zur nächsten Messekuriosität, könnte Lucid Tesla nicht nur in der Erzählung, sondern auch in der Geschäftslogik herausfordern.