MINI schickt einen robusteren Countryman in die Wüste, hält technische Details aber unter Verschluss
MINI bereitet eine abenteuerlichere Countryman-Variante vor – und diesmal stellt die Marke sie für die Pressefotos nicht nur neben einen Schotterweg. Ein getarnter Prototyp absolviert vor dem Einsatz des neuen Modells bei der Rebelle Rally 2026 im Oktober seine abschließenden Tests in den Rocky Mountains. MINI verspricht einen geländetauglicheren Countryman, hat aber Bodenfreiheit, Antrieb und Fahrwerksänderungen noch nicht bekannt gegeben.
Die Rocky Mountains als Abschlussprüfung
MINI hat Fotos und Videos eines Entwicklungsprototyps veröffentlicht, der in den US-amerikanischen Rocky Mountains abschließende Tests absolviert. Die neue Countryman-Variante wird über Schotter, felsige Pisten und Gebirgspässe sowie durch schnell wechselnde Witterungsbedingungen bewegt, um ihre Haltbarkeit unter realen Bedingungen zu bewerten. Ihre Weltpremiere ist für Oktober 2026 geplant.
Das auf den Bildern gezeigte Fahrzeug ist noch nicht im Handel, und MINI hat weder Preis noch Produktionsvolumen oder endgültige Spezifikation bestätigt. Die Serienversion könnte weitgehend ähnlich aussehen, doch Dachträger, Zusatzscheinwerfer und weitere sichtbare Expeditionsausrüstung können noch nicht als Serienausstattung gelten.
MINI beschreibt den Neuzugang als robustere, abenteuerorientierte Interpretation des Countryman. Das deutet auf mehr als ein Paket aus Lackierung und Dekoren hin, bestätigt jedoch weder eine Höherlegung, einen stärkeren Unterbodenschutz noch andere Reifen. MINI will die technischen Details bei der Enthüllung bekannt geben.
Die Rebelle Rally hebt ihn von einem gewöhnlichen Stylingpaket ab
Den deutlichsten Hinweis auf den vorgesehenen Einsatzzweck liefert MINI USA. Die neue Variante wird bei der Rebelle Rally im Oktober antreten, einem achttägigen Offroad-Navigationswettbewerb für Frauen durch Nevada und Kalifornien sowie erstmals auch Utah. Die Veranstaltung führt über rund 1.500 Meilen beziehungsweise etwa 2.500 km anspruchsvollen Terrains.
Die Rebelle ist kein Geschwindigkeitswettbewerb. Die Teams navigieren mit Karten, Kompass und Roadbook statt GPS; Punkte werden für Präzision, Zeitnahme und das Erreichen versteckter Kontrollpunkte vergeben.
MINI wird die Veranstaltung mit der globalen Enthüllung des Modells verbinden. Felicia Killman wird fahren, Erika Ferrer fungiert als Navigatorin. Nach Angaben von MINI soll die Rally die Fähigkeiten und die Haltbarkeit des Fahrzeugs abseits befestigter Straßen demonstrieren.
Die Teilnahme an der Rebelle Rally macht den Countryman nicht automatisch zum Rivalen von Jeep Wrangler oder Land Rover Defender. Sie wird jedoch Reifen, Kühlsystem, Fahrwerk und Antriebsstrang unter Bedingungen fordern, die sich bei einer gewöhnlichen Präsentationsfahrt nicht nachstellen lassen. MINI unterzieht das Fahrzeug einem aussagekräftigen Test, statt es lediglich vor einer attraktiven Bergkulisse zu positionieren.
Die Bodenfreiheit könnte die wichtigste Zahl sein
Der Countryman der aktuellen Generation bietet je nach Version bereits rund 202 mm Bodenfreiheit im unbeladenen Zustand. Der häufig genannte Wert von 165 mm gehört zum Modell der Vorgängergeneration.
Rund 202 mm reichen für Schotterstraßen, Schnee und mäßig unebene Waldwege, doch tiefe Spurrillen und scharfe Felsen können die Einsatzmöglichkeiten des Fahrzeugs weiterhin einschränken. MINI hat nicht mitgeteilt, ob die neue Variante höher liegt.
Auch Anfahr-, Abfahr- und Rampenwinkel sind weiter unbekannt. Im Gelände sind diese Werte oft wichtiger als Motorleistung oder ein über den Touchscreen gewählter Fahrmodus.
Mehr Bodenfreiheit hätte Kompromisse zur Folge. Sie würde den Schwerpunkt anheben, die Aufbaubewegungen verstärken und eine Neukalibrierung der Dämpfer und des Stabilitätskontrollsystems erfordern. MINIs Aufgabe besteht darin, echte Geländefähigkeiten hinzuzufügen, ohne das präzise Fahrverhalten des Countryman auf der Straße zu beeinträchtigen.
Antrieb und Allradantrieb bleiben unbestätigt
MINI hat nicht bekannt gegeben, ob der Prototyp einen Verbrennungsmotor oder einen Elektroantrieb nutzt. Auch die globale Ankündigung des Unternehmens bestätigte den ALL4-Allradantrieb nicht ausdrücklich, obwohl dies für einen geländeorientierten Countryman eine logische Wahl wäre.
Die aktuelle europäische Modellpalette bietet mehrere mögliche Ausgangspunkte. Der 48-Volt-Mildhybrid Countryman S ALL4 leistet 160 kW und 360 Nm, während der John Cooper Works Countryman ALL4 221 kW und 400 Nm liefert. Der elektrische Countryman SE ALL4 kommt auf 230 kW und 494 Nm.
Keiner dieser Antriebe lässt sich bislang mit der neuen Variante in Verbindung bringen. Ein Verbrennungsmotor wäre für eine lange Wüstenveranstaltung mit begrenzter Ladeinfrastruktur die praktischere Wahl, während ein Elektroantrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten eine präzise Drehmomentregelung bieten würde. MINI könnte in den USA und Europa auch unterschiedliche Antriebe anbieten, doch das bleibt vorerst Spekulation.
Der Countryman bietet bereits eine praktische Basis für Abenteuer
Der aktuelle Countryman ist rund 4,43 Meter lang, 1,84 Meter breit und 1,66 Meter hoch; sein Radstand beträgt 2.692 mm. Die exakten Abmessungen variieren je nach Version leicht. Er bleibt ein kompaktes SUV, bietet aber ausreichend Platz für fünf Insassen und verfügt über relativ kurze Überhänge, die auf unebenem Untergrund helfen.
Die Rückbank lässt sich um 130 mm verschieben. Der Kofferraum fasst bei aufgestellten Rücksitzen bis zu 460 Liter und erweitert sich bei umgeklappten Sitzen auf 1.450 Liter.
Damit ist der Countryman eine sinnvolle Grundlage für eine abenteuerorientierte Variante. Er braucht keine größere Karosserie, um eine neue Rolle zu finden. Was er braucht, sind geeignetere Räder und Reifen, ein robusteres Fahrwerk sowie Schutz für die Bereiche, in denen ein gewöhnliches Straßenfahrzeug gegenüber Steinen anfällig wird. MINI hat bislang keine dieser Änderungen bestätigt.
Die Technik wird den Preis in Europa rechtfertigen müssen
In Europa gibt es bereits zahlreiche SUVs, die auf einen abenteuerlicheren Auftritt getrimmt sind. Viele beschränken sich auf dunkle Außenzierteile, Dachreling und einen Fahrmodus, der die Gaspedalreaktion verändert. MINI wird etwas Messbares bieten müssen, wenn die Marke einen höheren Preis rechtfertigen will.
Mehr Bodenfreiheit, stärkerer Unterbodenschutz, All-Terrain-Reifen oder ein überarbeitetes Fahrwerk würden dem Countryman echte Substanz verleihen. Ohne diese Elemente droht die neue Version zu einem weiteren teuren Stylingpaket zu werden.
Die Rebelle Rally gibt MINI die Gelegenheit, diese Fragen überzeugend zu beantworten. Das Absolvieren der Veranstaltung mit einem nahezu serienreifen Fahrzeug hätte deutlich mehr Gewicht als jedes werbliche Video mit Abenteuerthema.
Im Oktober wird sich zeigen, ob der Countryman Biss bekommen hat
Bislang hat MINI die neue Countryman-Variante, ihr Testprogramm in den Rocky Mountains, eine Weltpremiere im Oktober und die Teilnahme an der Rebelle Rally bestätigt. Bodenfreiheit, Antrieb, angetriebene Räder, Reifen, Preis und Produktionsvolumen bleiben sämtlich unter Verschluss.
Es gibt daher noch keinen Grund, den Countryman als ernsthaften Geländewagen zu bezeichnen. MINI ist dennoch weiter gegangen als die meisten Hersteller, indem die Marke die neue Variante direkt zu einem langen Wüsten-Navigationswettbewerb schickt.
MINI muss nicht beweisen, dass der Countryman dieselben Felsen wie ein Wrangler erklimmen kann. Es genügt zu zeigen, dass das Fahrzeug dort weiterfahren kann, wo die großen Räder, Niederquerschnittsreifen und der begrenzte Schutz eines gewöhnlichen Premium-SUV seinen Fahrer zum Umkehren zwingen würden.