Opel Corsa GSE geht in die letzte Nürburgring-Testphase
Opel hat den neuen Corsa GSE für die abschließende Abstimmung vor dem Serienstart an den Nürburgring gebracht und dabei zwei zentrale Punkte bestätigt: Es wird der stärkste Serien-Corsa aller Zeiten, und seine öffentliche Premiere findet im Oktober auf dem Pariser Autosalon statt. Konkrete Leistungsdaten nennt der Hersteller noch nicht, die Richtung ist aber klar. Opel will den Corsa als vollelektrisches Modell wieder an die sportliche Spitze der Kleinwagenklasse führen.
Nach Angaben des Unternehmens konzentrierten sich die Ingenieure auf die finale Abstimmung des GSE-spezifischen Fahrwerks, des Lenkgefühls, der Stabilitätskontrolle und der Gasannahme. Ziel ist es, dem Serienmodell ein möglichst präzises und agiles Handling zu geben.
Die Aussage zur Leistung ist dabei entscheidend. Opel bezeichnet den Corsa GSE als stärksten Serien-Corsa in der Geschichte des Modells. Damit würde das neue elektrische Topmodell den früheren Corsa OPC aus der Benziner-Ära übertreffen. Der Corsa OPC von 2015 leistete ab Werk 152 kW beziehungsweise 207 PS und sprintete in 6,8 Sekunden auf 100 km/h. Die exakten Werte des Corsa GSE hält Opel weiter unter Verschluss. Schon seine offizielle Positionierung macht aber deutlich, dass die Marke beim Corsa ein neues Kapitel aufschlägt.
Als naheliegendste technische Basis gilt derzeit der Mokka GSE. Opel hat diesen Zusammenhang für den Corsa zwar nicht bestätigt, doch das erste Serienmodell der neuen GSE-Linie fährt mit einem 207-kW-Elektromotor, 281 PS, 345 Nm Drehmoment, einer 54-kWh-Batterie und sportlich abgestimmtem Fahrwerk vor. Sollte der Corsa einen Großteil dieses Pakets übernehmen, träfe das auf eine leichtere und flachere Karosserie. Das Potenzial für eines der fahraktivsten Elektro-Kleinwagenkonzepte dieses Jahrzehnts wäre damit vorhanden. Das ist allerdings eine naheliegende Schlussfolgerung und keine endgültige Aussage des Herstellers.
Im Februar teilte Opel mit, dass der Corsa GSE noch in diesem Jahr bestellbar sein werde. Ende März ergänzte das Unternehmen, dass die Serienproduktion gegen Jahresende anlaufen soll. Der Pariser Autosalon findet vom 12. bis 18. Oktober statt und gibt Opel damit einen klaren Zeitplan vor. Sommer und Frühherbst dürften dem Spannungsaufbau dienen, im Herbst folgt der öffentliche Auftritt des fertigen Fahrzeugs, und der Verkaufsstart sollte noch vor Jahresende erfolgen.
Genau darin liegt der interessante Punkt dieses Modells. Die entscheidende Frage ist nicht eine einzelne Schlagzeilenzahl in einer Pressemitteilung, sondern ob Opel die Grundidee glaubwürdig in die Gegenwart übertragen kann. Der klassische Hot Hatch verdankt seinen Ruf geringem Gewicht, spontanen Reaktionen und einem manuellen Getriebe. Im Elektrozeitalter muss dieses Rezept neu gedacht werden, wenn die Emotionalität ohne Verbrennerklang und ohne manuelle Gangwechsel erhalten bleiben soll. Der Nürburgring-Test deutet darauf hin, dass Opel dieses Problem über Fahrwerk, Abstimmung und Handling lösen will. Das wäre zumindest der konsequentere Ansatz.