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Pariser Autosalon wird zur Leistungsschau chinesischer Automarken

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 06.10.2026

Die Ausstellerliste des Pariser Autosalons 2026 zeigt, wie sich der Wettbewerb für Europas Autoindustrie verändert. Mehr als 60 Autohersteller nehmen an der Mondial de l’Auto teil, die am 12. Oktober beginnt. Darunter sind mindestens 20 Marken, die aus China stammen oder mit chinesischen Konzernen verbunden sind. Sie sind längst keine exotische Randerscheinung mehr, sondern greifen gut sichtbar im Kern des europäischen Marktes an.

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Laut offiziellem Katalog des Pariser Autosalons werden in diesem Jahr mehr als 100 Aussteller in fünf Hallen vertreten sein, darunter mehr als 60 Autohersteller. Auf der Liste des Veranstalters stehen BYD, Denza, Xpeng, Chery, Omoda, Jaecoo, Zeekr, Geely, Lynk & Co, Changan, Li Auto, GAC, AITO, Forthing, Maxus, Linktour und 212. Auch Leapmotor und Foton gehören dazu.

Damit geht es beim Pariser Autosalon 2026 nicht mehr darum, dass chinesische Marken den europäischen Markt erst einmal sondieren. Mehrere bauen bereits Vertriebsnetze auf, einige erschließen Europa mit lokaler Produktion, und andere treten direkt gegen etablierte Premiummarken an.

BYD kommt nicht mehr nur, um ein Elektroauto zu zeigen

Der aufschlussreichste Name auf der Liste ist BYD. Noch vor wenigen Jahren musste man europäischen Autokäufern erklären, wofür diese drei Buchstaben stehen. Heute hat das Unternehmen in Paris einen eigenen großen Stand; seine Premiummarke Denza stellt daneben separat aus.

Denzas Rolle ist besonders wichtig. BYD will nicht mehr nur über den Preis mit Elektroautos von MG, Renault, Volkswagen oder Stellantis konkurrieren, sondern versucht, in die Preisklasse von Mercedes-Benz, BMW und Audi vorzudringen. Der Pariser Autosalon bietet dafür eine ideale Bühne: Kunden der europäischen Premiummarken werden durch dieselben Hallen gehen.

In der nächsten Entwicklungsphase geht es für chinesische Hersteller nicht mehr um niedrigere Preise. Der Wettbewerb verlagert sich auf Ladegeschwindigkeit, Software, Fahrerassistenzsysteme, Fahrzeugelektronik und die Effizienz elektrischer Antriebe.

Geely bringt praktisch eine ganze Markenfamilie mit

Geelys Präsenz auf der Messe ist größer, als ein einzelnes Markenlogo vermuten ließe. Neben Geely selbst werden Zeekr und Lynk & Co vertreten sein. Der Einfluss des Konzerns auf dem europäischen Markt reicht allerdings weit darüber hinaus.

Zeekrs Auftritt verdient besondere Aufmerksamkeit, denn die Marke steht nicht für billige Elektroautos aus China. Sie positioniert sich als technologieorientierter Premiumhersteller und greift auf das umfassende Know-how des Geely-Konzerns bei Plattformen, Batterien und Software zurück.

Für europäische Hersteller ist das ein schwieriges Wettbewerbsmodell. Ein großer chinesischer Konzern kann Plattformen für Elektroautos, Elektromotoren, Batteriezellen und Softwareentwicklung über mehrere Marken hinweg gemeinsam nutzen und zugleich Preise und Charakter der Fahrzeuge auf unterschiedliche Segmente zuschneiden.

Chery kommt unter mehreren Namen nach Europa

Chery geht noch offensiver vor. Omoda und Jaecoo werden neben der Muttergesellschaft in Paris vertreten sein, und das Europageschäft des Konzerns beschränkt sich längst nicht mehr auf einige wenige importierte Elektroautos.

In Frankreich bereitet Chery den Aufbau eines vollständigen Vertriebsnetzes vor. Omoda und Jaecoo sind zudem bereits bei Händlern vor Ort angekommen. Der Pariser Autosalon ermöglicht es dem Unternehmen, gleichzeitig mehrere Preisklassen und Käufergruppen anzusprechen.

Für europäische Hersteller bedeutet das einen weitaus ernst zu nehmenderen Konkurrenten als eine kaum bekannte Exportmarke. Einige Tausend Autos lassen sich in Europa auch ohne Vertriebs- und Servicenetz verkaufen. Für hohe Stückzahlen müssen Hersteller jedoch Garantien, Ersatzteile, Restwerte und Finanzierung regeln. Genau dort investieren Chinas große Hersteller jetzt.

Xpeng, GAC und Changan sind nicht gekommen, um zu sehen, wie Europäer Autos bauen

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Europäischen Elektroauto-Interessierten ist Xpeng bereits recht gut bekannt. GAC und Changan sind in Europa deutlich weniger geläufig, weltweit betrachtet aber keine kleinen Neulinge.

GAC will nach eigenen Angaben in Paris seine Strategie zur Lokalisierung in Europa und eine neue Modellpalette vorstellen. Auch Changan bereitet eine umfassendere Expansion in Europa vor. AITO wiederum setzt auf technologisch geprägte Luxusautos und stützt sich bei seiner Entwicklung auf enge Verbindungen zu Huawei. Der offizielle Pariser Katalog bestätigt die Teilnahme aller drei Unternehmen.

Die wichtigste Veränderung: Die Europastrategien chinesischer Marken unterscheiden sich bereits erheblich. Einige drücken die Preise, andere betonen 800-Volt-Bordnetze und schnelles Laden, wieder andere setzen auf Hybridantriebe und nochmals andere auf Luxus.

Von dem einen, einheitlichen „chinesischen Auto“ zu sprechen, ergibt keinen Sinn mehr.

Leapmotor zeigt, warum Zölle allein den Wettbewerb nicht aufhalten

Leapmotor ist auf der Pariser Ausstellerliste ein besonders aufschlussreicher Fall. Der chinesische Autohersteller arbeitet in Europa mit Stellantis zusammen und nutzt dessen Vertriebs- und Servicenetz.

Diese Zusammenarbeit zeigt, warum die zusätzlichen Einfuhrzölle der Europäischen Union auf in China gebaute Elektroautos die Wettbewerbsfrage für sich genommen nicht lösen. Hersteller können ihr Angebot an Antriebsvarianten anpassen, eine Produktion in Europa aufbauen oder sich mit einem lokalen Konzern zusammenschließen.

Für chinesische Hersteller wandelt sich Europa damit zunehmend von einem Exportmarkt zu einem zweiten Heimatmarkt.

Paris ist wieder wichtig – aber nicht aus dem Grund, den Europa erhofft hatte

Darin liegt die wohl amüsanteste Ironie der ganzen Geschichte.

Vor wenigen Jahren kehrten mehrere große Autohersteller klassischen Automessen den Rücken, weil große Ausstellungen teuer und nicht mehr zeitgemäß seien. Ihre chinesischen Konkurrenten kamen fast zum gegenteiligen Schluss: Wenn Zehn- oder Hunderttausende europäische Käufer, Journalisten und Händler an einem Ort zusammenkommen, lohnt es sich, dort zu sein.

Der Pariser Autosalon zog 508.007 Besucher an; 48 Autohersteller waren vertreten. Für 2026 kündigen die Veranstalter mehr als 60 Autohersteller an.

Die Rückkehr des Pariser Autosalons ist daher nicht einfach nur ein Zeichen dafür, dass das Messeformat Bestand hat. Chinesische Hersteller tragen dazu bei, ihn wieder relevant zu machen – während sie zugleich die Marktposition der europäischen Autoindustrie herausfordern.

Für Europa steht weit mehr auf dem Spiel als eine einzelne Automesse

Europäische Hersteller konkurrieren nicht mehr nur in China mit chinesischen Autos.

Dieser Wettbewerb findet inzwischen in ganz Europa statt. Die bisherigen Vorteile europäischer Hersteller lagen in ihren Marken, ihrem Verständnis der Kunden vor Ort und ihren gut ausgebauten Vertriebsnetzen. Bei den beiden letztgenannten Punkten holen chinesische Hersteller rasch auf. Beim Tempo der technologischen Entwicklung haben die Europäer hingegen schon lange keinen Grund mehr, sich überlegen zu fühlen.

Bei Elektroautos ist diese Wettbewerbslage besonders schmerzhaft. Das über Jahrzehnte erworbene Know-how bei Verbrennungsmotoren und Getrieben bringt bei Elektroautos der neuen Generation deutlich weniger Vorteile. Batteriekosten, Leistungselektronik, Software, Thermomanagement und eine vertikal integrierte Produktion gewinnen zunehmend an Gewicht.

In Paris wird dieser Wandel diesmal nicht in einer Statistiktabelle sichtbar sein, sondern Halle für Halle.