Rolls-Royce blickt auf EX-Studien zurück, die Spectre und das Bespoke-Geschäft vorbereiteten
Rolls-Royce rückt in diesem Jahr drei Experimentalmodelle aus der Goodwood-Ära wieder ins Rampenlicht: 101EX, 102EX und 103EX. Mit ihren 20., 15. und 10. Jahrestagen will die Marke zeigen, dass diese Fahrzeuge mehr waren als publikumswirksame Messestudien. Sie dienten als Versuchsträger und prägten die heutige Elektro-, Coachbuild- und Bespoke-Strategie des Herstellers.
Drei Konzeptfahrzeuge, eine klare Botschaft.
Rolls-Royce nutzt die EX-Jubiläen gezielt, um die Wurzeln seiner heutigen Geschäftslogik herauszustellen. 101EX, 102EX und 103EX endeten nicht als statische Schaustücke auf Messeständen. Sie lieferten der Marke Ideen, aus denen später Serienmodelle entstanden und, ebenso wichtig, eine sehr profitable geschäftliche Ausrichtung.
Anders gesagt: Rolls-Royce erinnert daran, dass der heutige Erfolg nicht über Nacht kam. Ingenieure und Designer erprobten über Jahre hinweg Konzepte und formten Luxus schrittweise zu einer Verbindung aus Produkt, Service und Status.
Der 2006 vorgestellte 101EX basierte auf dem Phantom VII. Rolls-Royce machte daraus jedoch ein Coupé, verkürzte die Karosserie und gab dem Wagen eine niedrigere, selbstbewusstere Haltung. Noch wichtiger war der Innenraum, denn hier feierte der Starlight Headliner sein Debüt.
Der beleuchtete Dachhimmel, gestaltet wie ein sternenklarer Nachthimmel, wurde schnell zu einem der markantesten Erkennungsmerkmale der Marke. Der 101EX zeigte, wie ein einzelnes Detail zu einem ganzen Rolls-Royce-Ritual werden kann. In wesentlichen Zügen ging das Auto später als Phantom Coupé in Serie und festigte die Vorstellung, dass Rolls-Royce etwas verkauft, das über das Auto selbst hinausgeht.
Der 2011 gezeigte 102EX, auch als Phantom Experimental Electric bekannt, war der erste vollelektrische Versuchsträger der Marke. Rolls-Royce baute ihn nicht als direkte Vorstufe zur Serienfertigung, sondern als Technologieplattform, um die im Luxussegment entscheidenden Fragen zu beantworten.
Wie lassen sich Ruhe, Würde und jede Ebene des Komforts bewahren, wenn der V12 verschwindet? Genau dieser Frage ging der 102EX nach. Einen unmittelbaren Durchbruch brachte er damals nicht, doch die gewonnenen Erkenntnisse legten einen Teil des Fundaments für den Spectre.
Der 2016 präsentierte 103EX übernahm bereits deutlich stärker die Rolle eines Vision Cars. Er stellte einen vollelektrischen Antrieb in Aussicht, ebenso die Idee des autonomen Fahrens und einen Innenraum, der weniger an ein klassisches Auto-Cockpit erinnerte als an eine private Lounge.
Im Mittelpunkt stand das Erlebnis selbst. Rolls-Royce entwarf ein Bild künftigen Luxus, in dem der Besitzer nicht fährt, sondern einen sorgfältig kuratierten Raum bewohnt. Der digitale Assistent Eleanor und die beleuchtete gläserne Spirit of Ecstasy verstärkten diese Botschaft. Vollautonomie hat es bei Rolls-Royce bis heute noch nicht gegeben, doch der 103EX gab der Marke eine Sprache, die sie bei der Beschreibung modernen Luxus weiterhin nutzt.
Alle drei Modelle erfüllten unterschiedliche Aufgaben, ihr Einfluss lässt sich rückblickend jedoch klar nachzeichnen. Der 101EX bereitete den Weg für das Phantom Coupé und stärkte die Bespoke-Kultur. Der 102EX half bei der Vorbereitung des elektrischen Spectre. Der 103EX gab der Ästhetik und der Service-Logik künftigen Luxus Gestalt.
Deshalb wirkt das Jubiläum bei Rolls-Royce nicht wie ein nostalgischer Blick auf zufällige Abzweigungen. Es erscheint vielmehr als bewusst gesetzte Erinnerung daran, dass die heutige Position der Marke an der Spitze der Luxuswelt auf Experimenten beruht, die vor langer Zeit begonnen haben.