USA bereiten Verbot von Airbags aus China vor
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ist zu dem Schluss gekommen, dass einige illegal aus China importierte Ersatz-Airbags Fahrer bei einem Unfall nicht schützen, sondern den Aufprall sogar tödlicher machen können. Washington prüft nun ein bundesweites Verbot von DTN-Gasgeneratoren, nachdem Ermittler sie in den vergangenen drei Jahren mit zwölf Unfällen in Verbindung gebracht haben, bei denen mindestens zehn Menschen starben und zwei weitere schwer verletzt wurden.
Die National Highway Traffic Safety Administration, kurz NHTSA, hat vorläufige Erkenntnisse veröffentlicht, wonach Fahrerairbag-Gasgeneratoren des Herstellers Jilin Province Detiannuo Safety Technology, besser bekannt als DTN, in eine Reihe schwerer Unfälle verwickelt waren. Das Problem liegt nicht in der Auslösegeschwindigkeit des Airbags oder in seiner Abstimmung. Vielmehr kann der Gasgenerator beim Auslösen bersten und große Metallfragmente in den Innenraum schleudern. Nach Angaben der NHTSA passen ein Dutzend Unfälle zu diesem Muster. In jedem Fall stand dieselbe in China gefertigte Komponente im Zentrum des Versagens.
Schon das wäre gravierend genug. Die Bewertung der Behörde zeichnet jedoch ein noch düstereres Bild. Viele dieser Unfälle wären sonst womöglich überlebbar gewesen. Ein Airbag soll die Aufprallkräfte mindern. Hier wurde das Sicherheitssystem selbst zur Verletzungsursache. Reuters berichtete, dass explodierende Gasgeneratoren Metallteile in Brust, Hals, Augen und Gesicht der Fahrer schleuderten. Damit geht es nicht mehr um ein gewöhnliches Qualitätsproblem, sondern um ein systemisches Sicherheitsrisiko in einem Bauteil, das eigentlich Leben retten soll.
Nach Angaben der NHTSA stammt das Problem nicht aus der offiziellen Lieferkette für Neuwagen. Stattdessen geht die Behörde davon aus, dass es sich um illegal importierte Ersatzteile handelt, die von Reparaturbetrieben in Fahrzeuge eingebaut wurden, die bereits einen Unfall und eine Airbag-Auslösung hinter sich hatten. Damit rückt die Kontrolle des freien Ersatzteilmarkts in den Fokus. Das Risiko entstand nicht am Produktionsband, sondern in dem weniger transparenten Teil der Reparaturkette, in dem Kostendruck die billigste Lösung gerade noch plausibel erscheinen lassen kann.
Bislang ist bekannt, dass alle identifizierten Fälle mit Todesopfern oder schweren Verletzungen den Chevrolet Malibu und den Hyundai Sonata betrafen. Die NHTSA hat jedoch nicht erklärt, dass die Gefahr auf diese Modelle beschränkt ist. Reuters berichtete, dass die tödlichen Fälle Fahrzeuge von GM und Hyundai betrafen und dass sich der jüngste bekannte Todesfall am 16. Februar 2026 in Mississippi in einem Chevrolet Malibu des Modelljahres 2020 ereignete. Das ist relevant, weil es zeigt, dass es sich nicht um einen alten Fall aus einem Rückrufarchiv handelt. Die Gefahr besteht weiterhin akut.
Ein bundesweites Verbot wird inzwischen konkret geprüft. Die NHTSA hat in einer vorläufigen Entscheidung festgestellt, dass DTN-Gasgeneratoren ein unangemessenes Sicherheitsrisiko darstellen, und sammelt nun bis zum 17. April öffentliche Stellungnahmen. Gleichzeitig versucht die Behörde zu klären, wie viele dieser Komponenten überhaupt in die USA gelangt sind. Reuters zufolge hatten Ermittler die Zahl der überprüften Gasgeneratoren zuvor auf rund 10.000 Stück geschätzt.
Für Verbraucher ergibt sich daraus eine sehr praktische Prüfliste. Die NHTSA rät dazu, die Historie jedes Gebrauchtwagens zu überprüfen, besonders wenn das Fahrzeug nach 2020 in einen Unfall verwickelt war und der Airbag ausgelöst hat. Wurde die Reparatur von einer nicht autorisierten Werkstatt durchgeführt, sollte das Auto umgehend kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass das Ersatzteil der Originalspezifikation entspricht. Wird eine DTN-Komponente gefunden, empfiehlt die Behörde, das Fahrzeug nicht weiter zu nutzen und das Teil sofort durch ein Originalbauteil zu ersetzen.
Der heikle Punkt an diesem Fall ist: Die Gefahr liegt womöglich nicht in irgendeinem abgelegenen Lager, sondern bereits in Autos, die äußerlich völlig unauffällig wieder auf die Straße zurückgekehrt sind.