Zeekr ruft über 38.000 E-Autos wegen Batterieproblemen zurück
Einer der vielversprechendsten chinesischen Elektroautohersteller gerät ins Straucheln: Zeekr, die Luxusmarke aus dem Geely-Konzern, muss einräumen, dass schnelles Wachstum und große Versprechen nicht automatisch makellose Qualität bedeuten. Das Unternehmen kündigte einen groß angelegten Rückruf von mehr als 38.000 Exemplaren seines Flaggschiffs Zeekr 001 an. Grund ist ein Fertigungsfehler in den Batteriezellen, der im schlimmsten Fall sogar zu einem Brand führen kann.
Im Mittelpunkt des Problems steht die Zeekr 001 WE-Version mit einem 86-kWh-Akku. Fahrzeuge, die zwischen Juli 2021 und März 2024 gebaut wurden, sind technisch anfällig, weil fehlerhafte Zellen vom Zulieferer Sunwoda verbaut wurden. Aus Unterlagen, die bei der chinesischen Marktaufsicht eingereicht wurden, geht hervor, dass die schwankende Qualität der internen Batterieteile zu einem Anstieg des elektrischen Widerstands führt. Das verlangsamt nicht nur das Laden, sondern erhöht auch das Risiko einer thermischen Instabilität.
Für Aufsehen sorgte nicht nur der technische Defekt, sondern auch der ungewöhnlich öffentliche Streit zwischen Hersteller und Zulieferer. Vremt, eine Geely-Tochter, die für die Montage der Batteriepacks zuständig ist, warf Sunwoda Vertragsbruch vor und fordert Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Zeekr versuchte zunächst, das Problem mit einer diskreten Winter-Serviceaktion zu lösen, doch die Schwere des Mangels und der Druck der Behörden zwangen das Unternehmen schließlich zu einem offiziellen Rückruf.
Trotz dieses Rückschlags gibt sich Zeekr nach außen hin weiter selbstbewusst. Das Unternehmen betont, dass neuere Modelle, darunter auch die für Europa bestimmten Varianten mit 100-kWh-Akku, Zellen eines anderen Zulieferers nutzen und nicht betroffen sind. Im Heimatmarkt setzt Zeekr inzwischen auf die eigens entwickelte „Golden Battery“, um die Abhängigkeit von externen Partnern mit fragwürdiger Qualitätskontrolle zu verringern.
Ab März werden betroffene Kunden zu kostenlosen Batterieaustauschen oder zusätzlichen Software- und Hardwareprüfungen eingeladen. Zeekr verkauft den Rückruf als Beweis für Kundenorientierung, doch der Vorfall wirft zwangsläufig eine größere Frage auf: Wie viele ähnliche Produktionsmängel schlummern noch unter der glänzenden Oberfläche der rasant wachsenden chinesischen Elektroautoindustrie?
Aus professioneller Sicht bleibt festzuhalten: Auch die ehrgeizigsten Marken müssen akzeptieren, dass selbst modernste Technik nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied.