Ford Fathom bringt einen Elektro-Pick-up in die Preisregion des Maverick
Ford hat den Namen und den Preis seines neuen Elektro-Pick-ups bekannt gegeben. Der Fathom soll 2027 zu den Kunden kommen; die US-Preise beginnen bei 28.350 $ für die Version mit Standardreichweite. Nach aktuellem Wechselkurs entspricht das rund 24.600 € vor lokalen Steuern. Damit liegt das Elektrofahrzeug im Wesentlichen in derselben Preisklasse wie der Ford Maverick XL Hybrid, allerdings hat Ford einen Europa-Verkauf noch nicht bestätigt.
Der Fathom wird das erste Serienmodell auf Fords neuer Universal Electric Vehicle Platform. Der fünfsitzige Pick-up ist in seinen Abmessungen mit dem Maverick vergleichbar, soll laut Ford aber mehr Platz für die Insassen bieten als ein Toyota RAV4 des Modelljahrs 2025. Hinzu kommen ein vorderer Kofferraum, der sogenannte Frunk, und eine konventionelle Ladefläche.
Die US-UVP von 28.350 $ umfasst weder Steuern noch Gebühren für Eigentumsnachweis, Zulassung und weitere Posten. Ford berechnet zudem 1.595 $ für Transport und Auslieferung, womit sich der Gesamtpreis vor Steuern und Händlergebühren auf 29.945 $ erhöht. Nach aktuellem Wechselkurs entspricht das rund 26.000 €, doch lässt sich dieser Betrag nicht direkt mit einem europäischen Endkundenpreis einschließlich Mehrwertsteuer und lokaler Abgaben vergleichen.
Dennoch ist die preisliche Positionierung bemerkenswert. Der Ford Maverick XL Hybrid des Modelljahrs 2026 startet in den USA bei 28.145 $, womit die Basis-UVP des Fathom trotz seiner vollständig neuen Elektrofahrzeugarchitektur lediglich 205 $ höher liegt.
LFP-Batteriechemie hilft, die Kosten zu senken
Die Universal Electric Vehicle Platform wird zunächst prismatische Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen, kurz LFP, nutzen. Bei dieser Zellchemie kommen Kathoden ohne Nickel und Kobalt aus; Ford plant, die Zellen im BlueOval Battery Park Michigan zu fertigen. Das Batteriepaket ist zugleich Teil der Fahrzeugstruktur und bildet den Fahrzeugboden, was dazu beiträgt, die Zahl der Komponenten, das Gewicht und die Fertigungskosten zu reduzieren.
Ford hat die Batteriekapazität oder die von der US-Umweltbehörde EPA geschätzte Reichweite des Fathom noch nicht bekannt gegeben. Während der Entwicklung der Plattform erklärte das Unternehmen, seine Strategie ziele darauf ab, die Erwartungen von Kunden zu erfüllen, die eine Reichweite von rund 300 Meilen beziehungsweise 483 km suchen. Ford will dies mit einer kleineren Batterie und höherer Fahrzeugeffizienz erreichen, statt lediglich das größtmögliche Batteriepaket einzubauen. Die Angabe von 300 Meilen ist daher nicht als bestätigte Reichweite des Fathom zu verstehen.
Gleiches gilt für die Ladeleistung. Ford hat weder eine maximale Gleichstrom-Schnellladeleistung noch eine Ladezeit von 10 bis 80 Prozent veröffentlicht.
Ford entschied sich für eine 400-Volt-Architektur
Die Plattform des Fathom nutzt eine 400-V-Hochvoltarchitektur. Ford erwog auch ein 800-V-System, kam jedoch zu dem Schluss, dass die höhere Spannung angesichts des Energiebedarfs und des Zielpreises dieses Fahrzeugs mehr Kosten und Komplexität als praktischen Nutzen mit sich bringen würde.
Diese Entscheidung unterscheidet den Fathom von vielen neueren, teureren Elektrofahrzeugen, bei denen 800-V-Systeme besonders hohe Ladeleistungen ermöglichen können. Ford legt stattdessen den Schwerpunkt auf Bezahlbarkeit und Effizienz. Das abschließende Urteil wird dennoch von der Ladekurve und der maximalen Gleichstrom-Ladeleistung des Serienmodells abhängen.
Der Fathom für den US-Markt wird über einen NACS-Ladeanschluss verfügen. Laut Ford werden Adapter für CCS-Gleichstrom-Schnellladesäulen und J1772-Wechselstrom-Ladestationen erhältlich sein. Welchen Ladestandard eine mögliche Europa-Version nutzen würde, hat das Unternehmen nicht angegeben.
Die Batterie kann auch ein Haus versorgen – und Energie ins Stromnetz zurückspeisen
Die Universal Electric Vehicle Platform wird bidirektionales Laden unterstützen. Ford hat sowohl Home Backup Power beziehungsweise V2H als auch Home Power Management beziehungsweise V2G bestätigt. Das System nutzt eine E-Box als Energiemanagementeinheit, die Leistungsumwandlung und -verteilung in einem einzigen Modul vereint.
Zur Serienausstattung gehören ein digitaler Schlüssel, ein großer Touchscreen, eine von Apple Maps unterstützte Navigation sowie die Kompatibilität mit Apple CarPlay und Android Auto. Jeder Fathom wird zudem über die für Fords BlueCruise-System der nächsten Generation erforderliche Hardware verfügen. BlueCruise selbst muss aktiviert werden; die Verfügbarkeit kann je nach Markt und Servicetarif variieren.
Ein neues Produktionsverfahren ist der Schlüssel zum niedrigen Preis
Um den niedrigen Preis des Fathom zu ermöglichen, verändert Ford auch die Fahrzeugmontage. Statt einer konventionellen einzelnen Montagelinie im Werk Louisville nutzt das neue Universal EV Production System drei parallele Vormontagelinien. Eine fertigt den Vorderwagen, eine weitere das Heck, während die dritte die Strukturbatterie mit Sitzen, Konsolen und Teppichboden kombiniert. Anschließend werden die drei Module zusammengefügt.
Laut Ford kommt die Universal Electric Vehicle Platform mit 20 Prozent weniger Teilen aus als ein typisches Fahrzeug. Das neue Produktionssystem könnte ermöglichen, den Fathom bis zu 40 Prozent schneller zu montieren als die derzeit im Louisville Assembly Plant gebauten Fahrzeuge. Ein Teil dieser Zeitersparnis wird in einen höheren Automatisierungsgrad und mehr Eigenfertigung reinvestiert, sodass unter dem Strich eine Verbesserung der Montagezeit von rund 15 Prozent verbleibt.
Ford investiert etwa 2 Milliarden $ in den Umbau des Louisville Assembly Plant. Zusammen mit den Investitionen im BlueOval Battery Park Michigan beläuft sich das Engagement für die US-Fertigung hinter dem Universal-EV-Programm laut Unternehmen auf insgesamt rund 5 Milliarden $.
Europa bleibt eine offene Frage
Die US-Vorbestellungen für den Fathom sollen Anfang 2027 beginnen, und laut Ford wird der Pick-up 2027 auf den Markt kommen. Das Unternehmen hat noch nicht bestätigt, ob er in Europa angeboten wird.
Die Universal Electric Vehicle Platform selbst ist für den weltweiten Einsatz ausgelegt und kann auch Rechtslenker unterstützen. Ford erklärt zudem, dass Fahrzeuge auf Basis der Plattform exportiert werden sollen, hat aber nicht genannt, in welchen Märkten der Fathom angeboten wird.
Aus europäischer Sicht wäre ein Elektro-Pick-up mit Abmessungen auf Maverick-Niveau deutlich handlicher als die in den USA angebotenen großen Elektro-Pick-ups. Die größten offenen Fragen betreffen vorerst jedoch nicht seine Größe oder seinen Preis, sondern die weiterhin unbekannte Batteriekapazität, die offizielle Reichweite, die Ladeleistung und die Nutzlast.
Wenn Ford diese Werte mit dem angekündigten Preis in Einklang bringen kann, könnte der Fathom weit über ein einzelnes neues Pick-up-Modell hinaus Bedeutung erlangen. Ein Elektrofahrzeug mit einem Einstiegspreis von 28.350 $ – also praktisch zum gleichen Preis wie ein Maverick XL Hybrid – wäre ein starkes Signal dafür, dass ein Elektroantrieb keinen erheblichen Preisaufschlag mehr mit sich bringen muss.