Hennessey Blackbird verzichtet auf Bildschirme und Hybridantrieb, zielt aber auf 220 mph
Der Hennessey Blackbird wendet sich bewusst von den immer leistungsstärkeren, komplexeren und schwereren Hybridsystemen ab, die in der Hypercar-Klasse mittlerweile üblich sind. Er kombiniert einen V8-Saugmotor, ein manuelles Sechsganggetriebe, Hinterradantrieb und ein bildschirmfreies Cockpit, soll aber dennoch bis zu 634 kW und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 mph erreichen.
Fahrereinbindung hat Vorrang vor der Jagd nach Rekorden
Der Blackbird ist nach dem Venom GT und dem Venom F5 das dritte Hypercar von Hennessey. Während das Venom-F5-Programm stark auf extreme Leistung und Geschwindigkeit ausgerichtet war, soll der Blackbird seinen Fahrer mit Motorsound, unmittelbarer Gasannahme und mechanischen Gangwechseln überzeugen.
Hennessey und Ilmor Engineering entwickeln für das Auto einen neuen 6,2-Liter-V8-Saugmotor. Angestrebt werden 800–850 hp, entsprechend etwa 597–634 kW; der Motor soll über 9.000 U/min drehen. Die Kraft gelangt über ein manuelles Sechsganggetriebe mit offener Schaltkulisse an die Hinterräder.
Hennessey verzichtet bewusst auf Turbolader und elektrische Unterstützung, um ein lineares Ansprechverhalten und eine direktere Verbindung zwischen Gaspedal und Hinterreifen zu erreichen. Das Unternehmen strebt eine Beschleunigung von 0 auf 60 mph in 2,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 220 mph beziehungsweise 354 km/h an. Bei beiden Angaben handelt es sich weiterhin um Entwicklungsziele und nicht um unabhängig bestätigte Werte eines Serienfahrzeugs.
Eine Carbonstruktur soll das Gewicht begrenzen
Der Blackbird erhält ein eigens entwickeltes Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff sowie eine Karosserie aus demselben Material. Hennessey strebt ein Trockengewicht von weniger als 3.000 lb beziehungsweise 1.360 kg an. Bei 1.360 kg entspräche die geplante Leistung etwa 439–466 kW pro Tonne. Ein niedrigeres endgültiges Trockengewicht würde diese Werte verbessern.
Hennessey hat außerdem eine innenliegende Radaufhängung mit adaptiver Dämpfung bestätigt, jedoch noch keine detaillierten Geometriedaten veröffentlicht. Die Konstruktion soll präzises Fahrverhalten mit Langstreckenkomfort verbinden.
Michelin Pilot Sport Cup 2 gehören zur Serienausstattung, Traktionskontrolle und ABS bleiben ebenfalls Teil des Pakets. Der Blackbird ist zwar bewusst analog ausgelegt, verzichtet aber nicht auf die elektronischen Systeme, die seine Leistung beherrschbar machen sollen.
Allein nach den Eckdaten wird er die Klasse nicht anführen. Der 6,0-Liter-V12-Biturbo des Pagani Utopia Roadster leistet 635 kW und 1.100 Nm, während für das Auto ein Trockengewicht von 1.280 kg angegeben wird. Daraus ergibt sich ein Leistungsgewicht von etwa 496 kW pro Tonne. Pagani bietet zudem ein rein manuelles Siebenganggetriebe an, womit der Utopia konzeptionell zu den engsten Rivalen des Blackbird zählt.
Der McLaren W1 repräsentiert das andere Ende des modernen Hypercar-Spektrums. Sein V8-Hybridantrieb leistet insgesamt 938 kW und 1.340 Nm. Mit diesem Leistungsniveau kann der Blackbird nach reinen Zahlen nicht konkurrieren. Stattdessen wird sein Reiz vom Ansprechverhalten des Saugmotors, der Qualität von Schaltung und Lenkung sowie der Attraktivität eines weniger komplexen Antriebs abhängen.
Das Erbe der SR-71 prägt die aktive Aerodynamik
Name und Proportionen des Blackbird verweisen auf das Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71. Auffälligstes Aerodynamikelement sind zwei aktive vertikale Stabilisatoren, die aus der Heckkarosserie ausfahren.
Sie fahren bei 71 mph beziehungsweise 114 km/h automatisch aus und nehmen entgegengesetzte Winkel von +71 und −71 Grad ein. Sowohl die Aktivierungsgeschwindigkeit als auch die Betriebswinkel nehmen Bezug auf die Bezeichnung SR-71. Der Fahrer kann die Stabilisatoren zudem bei jeder Geschwindigkeit manuell aktivieren.
Das Experimentalflugzeug Bell X-1 diente als Inspiration für die rautenförmig angeordneten vier Endrohre. Seitenkästen im Stil der Formel 1 und kleine, von LMP1-Rennwagen beeinflusste Leitflächen setzen weitere Motorsportakzente an der Karosserie.
Das optionale, asymmetrisch zulaufende Sky-Glass-Dach ist von der Kanzel der SR-71 inspiriert. Hennessey setzt außerdem in der Öffnung der hinteren Trennwand und über dem Motorraum Glas ein. Dadurch gelangt mehr Licht in den Innenraum, während der V8 unter seiner Glasabdeckung sichtbar bleibt.
Die Bildschirme verschwinden, das Smartphone bleibt
Es gibt weder einen herkömmlichen Infotainment-Bildschirm noch ein digitales Kombiinstrument oder Bedienelemente am Lenkrad. Ein großer analoger Drehzahlmesser dominiert das Blickfeld des Fahrers, der Motor wird mit einem physischen Schlüssel gestartet und das Schaltgestänge bleibt offen sichtbar. Hennessey argumentiert, damit schnell alternde Bildschirmtechnik zu vermeiden und die Aufmerksamkeit des Fahrers auf das Fahren zu richten.
Ganz auf Konnektivität verzichtet der Blackbird nicht. Laut Hennessey laufen Navigation, Apple CarPlay und Android Auto über das eigene Gerät des Fahrers, das in einer eigens entwickelten Halterung auf dem Armaturenbrett untergebracht wird. Ein hochwertiges Audiosystem ist unauffällig in den Innenraum integriert.
Diese Lösung ist ungewöhnlich, und Hennessey hat noch nicht detailliert erläutert, wie CarPlay und Android Auto ohne integrierten Infotainment-Bildschirm umgesetzt werden sollen. Erklärtes Ziel ist es, vernetzte Funktionen beizubehalten, ohne dass ein herkömmlicher Bildschirm das Armaturenbrett dominiert.
Hennessey konzipiert den Blackbird als langstreckentaugliches Hypercar, mit dem sich an einem Tag komfortabel mehr als 800 Meilen beziehungsweise rund 1.280 km zurücklegen lassen sollen. Dabei handelt es sich um eine Aussage zur Alltagstauglichkeit, nicht um eine angegebene Reichweite mit einer Tankfüllung. Flügeltüren, ein geräumigerer Innenraum als beim Venom F5, ambitionierte Ziele bei Geräuschkomfort und Laufkultur sowie vier Getränkehalter unterstreichen, dass das Auto nicht ausschließlich für die Rennstrecke oder als reines Ausstellungsstück gedacht ist.
Der vordere Gepäckraum ist für zwei vollwertige Handgepäckkoffer ausgelegt. Weitere Ablagen befinden sich in den hinteren Seitenbereichen und im Innenraum. In einer Klasse, in der selbst Platz für eine kleine Tasche schwer zu finden sein kann, verleiht dieses Maß an Praxistauglichkeit dem Blackbird ein eigenständiges Profil.
Für europäische Käufer bleiben Fragen offen
Die Produktion ist auf 71 Fahrzeuge begrenzt, und laut Hennessey sind bereits mehr als zwei Drittel der Auflage vergeben. Der Beginn der Kundenproduktion ist für 2029–2030 vorgesehen, anschließend sollen die Auslieferungen folgen. Die Produktion des Venom F5 soll voraussichtlich um 2028 enden.
Seine Publikumspremiere soll der Blackbird am 14. August 2026 bei The Quail in Kalifornien feiern. Die Preise beginnen vor Steuern bei 2,5 Millionen US-Dollar. Die endgültigen Kosten für einen europäischen Käufer hängen von Wechselkursen, lokalen Steuern, Sonderausstattung sowie Transport- und Zulassungskosten ab.
Hennessey zufolge soll der Blackbird für wichtige globale Märkte homologiert werden. Das Unternehmen hat jedoch weder den Umfang einer möglichen Zulassung in der Europäischen Union noch die Länder, in denen es das Auto anbieten will, oder lokale Preise genannt.
Für einen europäischen Sammler dürfte der Reiz des Blackbird kaum allein auf seiner absoluten Geschwindigkeit beruhen. Seine eigentliche Besonderheit liegt in einer seltenen Kombination: ein hochdrehender Saugmotor, ein manuelles Getriebe und ein analoges Cockpit, verbunden mit einer modernen Carbonstruktur, einem adaptiven Fahrwerk und echten Langstreckenambitionen.