Mercedes-AMG GT 53 tauscht schiere Leistung gegen bis zu 809 km Reichweite
Mercedes-AMG erweitert seine vollelektrische GT 4-Türer-Coupé-Baureihe um den GT 53. Das allradgetriebene Einstiegsmodell nutzt zwei Elektromotoren, leistet bis zu 400 kW und bietet nach vorläufigen WLTP-Angaben bis zu 809 km Reichweite. In Deutschland beginnen die Preise bei 115.430 Euro.
Der GT 53 ist unterhalb des 600 kW starken GT 55 und des 860 kW starken GT 63 angesiedelt. Während die leistungsstärkeren Versionen drei Axialflussmotoren einsetzen, nutzt der GT 53 zwei permanenterregte Synchronmotoren. Der Kompromiss besteht in einer geringeren absoluten Fahrleistung, dafür aber in höherer Effizienz, größerer Reichweite und einem niedrigeren Einstiegspreis.
Der Verkauf in Deutschland beginnt am 13. August 2026.
Zwei statt drei Motoren
Der Elektroantrieb des GT 53 leistet bis zu 400 kW, wobei an jeder Achse ein permanenterregter Synchronmotor sitzt. Der vollvariable Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ gehört zur Serienausstattung.
Der hintere Motor ist mit einem Zweiganggetriebe gekoppelt, während der vordere Motor als Boost-Einheit dient und bei Nichtbedarf abgekoppelt werden kann. Das verringert Schleppverluste und verbessert die Effizienz.
Mercedes-AMG gibt für den Sprint von 0–100 km/h bei Messung mit einem Rollout von einem Fuß 3,5 Sekunden an. Bei dieser Methode werden die ersten 30,48 cm der Bewegung nicht in die Zeitmessung einbezogen. Bei einem konventionellen Start aus dem Stand nennt AMG 3,9 Sekunden. Dieser Unterschied ist beim Vergleich des GT 53 mit europäischen Beschleunigungswerten wichtig, die ohne Rollout ermittelt werden.
Bis zu 809 km mit einer Ladung
Der GT 53 nutzt eine Hochvoltbatterie mit 106 kWh nutzbarer Kapazität und einer Betriebsspannung von 800 V. Ihre zylindrischen Zellen werden direkt von einem nicht leitenden Öl gekühlt, wodurch sich die Wärme sowohl bei leistungsorientierter Fahrt als auch beim Schnellladen effizient abführen lässt.
Mercedes-AMG nennt für den GT 53 einen vorläufigen kombinierten Energieverbrauch von 15,6–18,5 kWh/100 km und eine maximale WLTP-Reichweite von bis zu 809 km.
Diese Werte sind noch nicht endgültig. Die Homologation läuft noch, und Mercedes-AMG weist die technischen Daten des GT 53 ausdrücklich als vorläufig aus.
Die Reichweite ist das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen dem GT 53 und seinen stärkeren Schwestermodellen. Der GT 55 leistet 600 kW, der GT 63 bis zu 860 kW. Der GT 53 verzichtet auf einen Teil der Fahrleistung und bietet dafür einen niedrigeren Energieverbrauch sowie eine größere Distanz zwischen zwei Ladevorgängen.
Ladeleistung erreicht 600 kW
Zu den auffälligsten technischen Kennzahlen des elektrischen GT gehört seine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 600 kW. Laut Mercedes-AMG kann der GT 53 unter den angegebenen Ladebedingungen in zehn Minuten bis zu 534 km WLTP-Reichweite nachladen.
Mit diesem Spitzenwert gehört der GT 53 zu den bislang angekündigten Serien-Elektroautos mit der höchsten Ladeleistung. Im realen Betrieb hängt die Ladeleistung jedoch von der Ladesäule, der Batterietemperatur, dem Ladezustand und der Ladekurve des Fahrzeugs ab. Die 600 kW sind ein Spitzenwert und keine während des gesamten Ladevorgangs dauerhaft anliegende Leistung.
Die 800-V-Architektur und die direkte Batteriekühlung sind für diese Fähigkeit entscheidend. AMG will nicht nur eine außergewöhnlich hohe Spitzenladeleistung erreichen, sondern auch die Batterietemperaturen bei dauerhaft hoher Belastung und wiederholter starker Beschleunigung im Griff behalten.
Der GT 53 erhält den digitalen Klang eines Reihensechszylinders
Trotz des Elektroantriebs gibt AMG die Idee eines emotionalen Fahrerlebnisses nach dem Vorbild eines Verbrennungsmotors nicht auf. Das Fahrprogramm AMGFORCE Sport+ simuliert Gangwechsel, kurze Zugkraftunterbrechungen und die Klangcharakteristik eines Verbrennungsmotors.
Während die stärkeren GT-Varianten ein vom V8 inspiriertes Erlebnis bieten, orientiert sich die Akustik des GT 53 am 3,0-Liter-Reihensechszylinder des früheren Mercedes-AMG E 53 Coupé.
Die Akustikingenieure von AMG nahmen den Originalmotor von 16 Mikrofonpositionen innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs auf und führten mehr als 100 Messungen auf einem Rollenprüfstand durch. Das daraus entstandene digitale Modell variiert die Klangkulisse abhängig von Beschleunigung, Last und simulierten Gangwechseln.
Natürlich wird der GT 53 dadurch nicht zu einem AMG mit Verbrennungsmotor. Es zeigt jedoch, wie ernst man in Affalterbach Fahrerrückmeldung und Inszenierung im Elektrozeitalter nimmt.
Luftfederung ist serienmäßig
Der GT 53 ist serienmäßig mit der Luftfederung AMG Ride Control und adaptiver Dämpfung ausgestattet. Das System soll Langstreckenkomfort mit der von einem AMG erwarteten Karosseriekontrolle verbinden.
Der stärkere GT 55 und GT 63 nutzen eine aufwendigere aktive Fahrwerkstechnik, wodurch der GT 53 in mancher Hinsicht mechanisch einfacher ausfällt. Das entspricht der grundsätzlichen Ausrichtung des Modells: weniger extreme Fahrleistungen, ein niedrigerer Preis und eine größere Reichweite.
Auch die Aerodynamik spielt eine wichtige Rolle. Ein serienmäßiger aktiver Heckspoiler passt seinen Winkel an die jeweilige Fahrsituation an, während ein optionaler aktiver AEROKINETICS-Heckdiffusor die Luftströmung verändern kann, um insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten den Luftwiderstand zu verringern.
Der GT 53 könnte der beste Kompromiss der elektrischen GT-Baureihe sein
Nach AMG-Maßstäben sind 400 kW keine außergewöhnliche Leistung mehr, für den Straßeneinsatz sorgen sie aber weiterhin für beachtliche Fahrleistungen. Die eigentliche Stärke des GT 53 liegt in der Kombination aus vollvariablem Allradantrieb, einer vorläufigen WLTP-Reichweite von bis zu 809 km und einer maximalen Gleichstrom-Ladeleistung von bis zu 600 kW.
Sein Einstiegspreis von 115.430 Euro in Deutschland macht ihn zudem deutlich erschwinglicher als den GT 55 und den GT 63.
Damit ist der GT 53 wohl der interessanteste Kompromiss innerhalb der Baureihe. Während GT 55 und GT 63 auf maximale Leistung zielen, nutzt der GT 53 dieselbe Elektroarchitektur AMG.EA, um Effizienz, Reichweite und Preis in den Vordergrund zu stellen.
Sollte die endgültige Homologation einen WLTP-Wert von mehr als 800 km bestätigen, könnte sich der GT 53 als vernünftigste Version des neuen elektrischen AMG GT erweisen.