Spyker kehrt mit dem 597-kW-C8 Preliator XXV zurück
Der niederländische Hersteller exotischer Sportwagen Spyker startet einen weiteren Comeback-Versuch – mit einem Fahrzeug, das sich bewusst gegen die vorherrschende Hypercar-Formel stellt. Das C8 Preliator XXV Coupé kombiniert einen 800 PS (597 kW) starken Biturbo-V8 mit einem Sechsgang-Handschaltgetriebe, handgeformter Aluminiumkarosserie und einem nahezu vollständig analogen Innenraum. Die Produktion ist auf lediglich 25 Fahrzeuge limitiert.
Ein vertrauter Name, aber ein weitgehend neues Auto
Der Name Preliator ist nicht neu. Spyker stellte den C8 Preliator erstmals auf dem Genfer Autosalon 2016 vor, ein Jahr später folgte der offene C8 Preliator Spyder. Nun kehrt der Name mit dem Zusatz XXV zurück.
Spyker zufolge ist das C8 Preliator XXV Coupé weit mehr als eine Weiterentwicklung des früheren Modells. Sein Aluminium-Gitterrohrrahmen wurde vollständig intern neu konstruiert, während jedes äußere Karosserieblech bei Coventry Prototype Panels in England neu von Hand aus Aluminium geformt wird.
Diese Entscheidung hebt Spyker von großen Teilen des heutigen Markts für extrem teure Sportwagen ab. Statt standardmäßig auf Kohlefaser-Verbundwerkstoffe zu setzen, hält das Unternehmen an einem Metall fest, das von Hand geformt, bearbeitet und poliert werden kann. Traditioneller Karosseriebau ist damit nicht bloß Teil des Fertigungsprozesses, sondern eines der prägenden Verkaufsargumente des Autos.
Vom Flugzeugbau inspirierte Details ziehen sich durch das gesamte Design – von NACA-Lufteinlässen und Iso-Grid-Gitterstrukturen über Rückleuchten nach dem Vorbild von Jet-Nachbrennern bis hin zur markanten Mittelfinne. Letztere verweist auf den Spyker C1 Aerocoque von 1919.
Der 4,0-Liter-V8 leistet 597 kW und 1.000 Nm
Hinter der Fahrgastzelle sitzt ein 4,0-Liter-Biturbo-V8, der 800 PS beziehungsweise rund 597 kW sowie 1.000 Nm Drehmoment leistet.
Wichtiger ist die Art, wie diese Leistung übertragen wird. Spyker verwendet ein echtes Sechsgang-Handschaltgetriebe statt eines automatisierten oder per Schaltwippen bedienten Getriebes. Hinter dem Lenkrad gibt es keine Schaltwippen: Der Fahrer wählt jeden Gang selbst, während die offen sichtbare Schaltmechanik eines der bekanntesten Designmerkmale der Marke bewahrt.
Diese Kombination wird in dieser Leistungsklasse zunehmend selten. Elektrifizierung und ultraschnelle automatisierte Getriebe liefern in der Regel bessere Beschleunigungswerte, doch Spyker räumt der mechanischen Einbindung des Fahrers bewusst Vorrang vor maximaler technologischer Effizienz ein.
Langsam ist der Preliator XXV dennoch keineswegs. Spyker nennt für den Sprint von 0 auf 100 km/h 2,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 217 mph beziehungsweise über 349 km/h. Der V8 dreht bis 8.000 U/min.
Das Trockengewicht wird mit 1.525 kg angegeben. Bei der genannten Leistung von 597 kW ergibt das rund 392 kW pro Tonne. Damit steht der Spyker nicht an der absoluten Spitze der modernen Hypercar-Hierarchie beim Leistungsgewicht, für ein Auto mit konventionellem Handschaltgetriebe bleibt dies jedoch ein beeindruckender Wert.
Jedes Auto benötigt rund 2.100 Stunden Bauzeit
Der Produktionsprozess sagt ebenso viel über Spykers Philosophie aus wie die Leistungsdaten. Nach Angaben des Unternehmens benötigt jedes C8 Preliator XXV Coupé rund 2.100 Arbeitsstunden.
Allein das Lenkrad wird von einem einzelnen Handwerker über vier Stunden hinweg mit zwei Nadeln von Hand genäht. Das Armaturenbrett ist mit gedrehtem Aluminium ausgeführt, Schraubenköpfe werden von Hand ausgerichtet und jede Fahrgestellnummer einzeln in den Aluminium-Gitterrohrrahmen eingeschlagen.
Auch im Innenraum folgt Spyker demselben bewusst analogen Ansatz. Digitale Schnittstellen werden auf ein Minimum reduziert, das Head-up-Display ist der einzige Bildschirm. Die übrigen Informationen werden über analoge Instrumente dargestellt, während physische Schalter die Fahrzeugfunktionen steuern.
Das ist mehr als Retro-Styling. Spyker hat das Cockpit um die Idee herum gestaltet, dass der Fahrer das Auto über haptisch erfassbare Bedienelemente steuern soll, statt Zeit mit der Navigation durch Menüs und berührungsempfindliche Oberflächen zu verbringen.
Die Anordnung wurde gegenüber früheren C8 verändert
Spyker hat auch die interne Anordnung des Autos überarbeitet. Der Kraftstofftank sitzt nicht mehr in den Seitenschwellern, sondern in einem trapezförmigen Raum hinter den Sitzen und vor dem Motor – eine Anordnung, die das Unternehmen zuvor in seinen Le-Mans-Rennwagen verwendete.
Der hintere Gepäckraum entfällt, das Gepäckvolumen wurde vollständig in den Vorderwagen verlagert. Das schafft zudem Raum rund um den Antriebsstrang und hält große Massen nahe dem Mittelpunkt des Chassis konzentriert.
Für die Verzögerung sorgen Carbon-Keramik-Bremsscheiben und Sechskolben-Bremssättel von Spyker – eine für ein Auto mit mehr als 349 km/h angemessene Spezifikation.
Ein zentraler Dachlufteinlass führt Luft zum V8, während die Auspuffendrohre hoch über dem Motor angebracht sind. Erneut macht Spyker aus einer funktionalen technischen Anforderung einen Teil der vom Flugzeugbau inspirierten Formensprache des Autos.
Pagani zeigt, wie hoch Europas Kleinserienhersteller die Messlatte gelegt haben
Der Pagani Utopia bietet einen hilfreichen europäischen Vergleichspunkt. Wie der Spyker ist er ein Mittelmotorfahrzeug in extrem kleiner Stückzahl, das mit einem echten Handschaltgetriebe bestellt werden kann und ungewöhnlich großen Wert auf ein analoges Fahrerlebnis legt.
Paganis 6,0-Liter-Biturbo-V12 leistet 635 kW und 1.100 Nm, während für den Utopia ein Trockengewicht von lediglich 1.280 kg angegeben wird. Auf dem Papier verschafft dies dem italienischen Auto gegenüber dem Spyker sowohl bei Leistung als auch bei Masse einen klaren Vorteil.
Die technischen Philosophien unterscheiden sich jedoch deutlich. Pagani setzt auf hochentwickelte Kohlefaser-Verbundstrukturen und einen V12, während Spyker einen Aluminium-Gitterrohrrahmen, handgeformte Aluminiumkarosseriebleche und einen kompakteren V8 verwendet.
Der Preliator XXV muss den Utopia daher nicht auf einem Datenblatt schlagen, um seine Berechtigung zu haben. Seine Anziehungskraft liegt in der Kombination aus handwerklicher Fertigung, unkonventionellem Design, drei Pedalen und außergewöhnlich geringer Stückzahl.
Spyker muss nun beweisen, dass das Comeback von Dauer ist
Spykers jüngere Geschichte war von mehreren Unterbrechungen und Wiederbelebungsversuchen geprägt, weshalb eine nachhaltige Produktion der entscheidende Test für das jüngste Comeback ist.
Das neue Kapitel wird von Volodymyr Nosov getragen, der im Juni 2026 nach dem Erwerb einer bedeutenden Beteiligung am Unternehmen Miteigentümer von Spyker wurde. Die Investition und die strategische Partnerschaft mit seiner W Group verschaffen der niederländischen Marke einen neuen Finanz- und Technologiepartner.
Spyker spricht bereits über die Entwicklung des D8 Peking-to-Paris SSUV und hat das Ziel erklärt, in den GT3-Langstreckensport zurückzukehren. Der Plan reicht damit deutlich über ein einzelnes Modell in limitierter Auflage hinaus.
Der erste Test wird sein, ob Spyker alle 25 versprochenen Preliator XXV bauen und ausliefern kann. Eine konstante Produktion wird letztlich darüber entscheiden, ob das Comeback 2026 den Beginn einer dauerhaften neuen Ära markiert oder zu einem weiteren dramatischen Kapitel in der wechselvollen Geschichte der Marke wird.
Spykers Launchmaterial nennt keinen Grundpreis für das C8 Preliator XXV Coupé. Angesichts von nur 25 geplanten Fahrzeugen und rund 2.100 erforderlichen Arbeitsstunden pro Exemplar liegt es jedoch deutlich näher an der Welt sammlerorientierter Kleinserien-Sondermodelle als an konventionellen Supersportwagen in Serienproduktion.