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Kriminelle übernehmen Li-Auto-Konten und fordern Lösegeld von Fahrzeughaltern

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Kriminelle übernehmen in Russland zunehmend Nutzerkonten, die mit SUVs des chinesischen Autoherstellers Li Auto verknüpft sind, und verlangen Geld für die Wiederherstellung des Zugriffs. In einigen Fällen bleiben die Displays der Fahrzeuge dunkel, die Klimatisierung funktioniert nicht mehr oder das Fahrzeug lässt sich nicht mehr starten. Auch der offizielle russische Vertriebspartner von Li Auto, Sinomach Auto, hat das Problem bestätigt.

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Der digitale Schlüssel wird zum Mittel der Erpressung

Bei Fahrzeugen von Li Auto gibt es ein primäres Nutzerkonto des Halters, auch Master-Konto genannt. Darüber lassen sich unter anderem die Türverriegelung, die Klimatisierung und das Starten des Motors steuern.

Kriminelle übernehmen das Konto, ändern die Zugangsdaten und verlangen vom Halter rund 400 bis 500 Euro, um ihm die Kontrolle zurückzugeben.

Nach Angaben von Vertretern einer Vereinigung von Li-Auto-Haltern sind mindestens 20 Betroffene bekannt. Die tatsächliche Zahl könnte höher liegen.

Ähnliche Angriffe gab es bereits im Sommer 2025. Damals lag die Lösegeldforderung allerdings bei rund 2.000 bis 2.500 Euro. Der nun niedrigere Betrag deutet darauf hin, dass die Kriminellen möglicherweise versuchen, mehr Fahrzeughalter auf einmal ins Visier zu nehmen.

Wie die Angriffe genau ablaufen, ist noch unklar. Als mögliche Ursachen werden gestohlene Passwörter, abgeflossene personenbezogene Daten und Fälle untersucht, in denen Halter Dritten Zugang zu ihren Konten gewährt haben.

Vor allem aus China importierte Autos sind betroffen

Die Nutzerkonten vieler Fahrzeuge von Li Auto sind mit chinesischen Telefonnummern verknüpft. Außerhalb Chinas nutzen Halter häufig virtuelle Nummern, etwa über den Dienst eSender.

Die Registrierung der Telefonnummer auf den Namen des Halters galt bisher als ausreichender Schutz. Inzwischen ist es Kriminellen jedoch auch gelungen, Konten zu übernehmen, die mit gültigen und weiterhin ordnungsgemäß geführten Nummern verknüpft sind.

Nach Angaben von Sinomach Auto entwickelt Li Auto ein neues Verfahren, um die Identität von Haltern zu überprüfen und den Zugang zu Konten wiederherzustellen. Eine Lösung besteht darin, dass der Hersteller Nutzerkonten statt mit chinesischen Telefonnummern mit E-Mail-Adressen verknüpfen will.

Diese Möglichkeit besteht bereits bei Fahrzeugen des Modelljahrs 2026. Die neuen Schutzmaßnahmen sollen künftig auch inoffiziell importierte Autos erfassen. Einen genauen Zeitplan gibt es aber noch nicht.

Könnte das auch in Europa passieren?

Der Fall ist auch für Autohalter in Europa relevant, denn auf dem europäischen Markt gibt es Fahrzeuge von Li Auto, die direkt aus China importiert wurden.

Wenn das Master-Konto eines Autos von einer Telefonnummer aus einem anderen Land oder einem Drittanbieterdienst abhängt, kann es schwierig werden, den Zugang wiederherzustellen. Besonders problematisch ist die Situation, wenn unabhängige Dienstleister für Anpassungen an der Fahrzeugsoftware genutzt wurden.

Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass Kriminelle in die Steuergeräte von Li-Auto-Fahrzeugen eingedrungen sind. Bei den bislang gemeldeten Fällen handelt es sich um die Übernahme von Nutzerkonten, nicht um einen direkten technischen Angriff auf das Auto.

Der Fall Li Auto verdeutlicht eine der größten Schwachstellen vernetzter Autos: Ob ein Fahrzeug genutzt werden kann, hängt womöglich von einem digitalen Konto ab, über das der Halter die Kontrolle verliert. Ein besonders hohes Risiko besteht bei Autos, die auf Authentifizierungssysteme für einen anderen Markt angewiesen sind.