Formel 1 macht Motoren leistungsstärker – und löst das Spritproblem mit kürzeren Rennen
Die Formel 1 hat einen verblüffend einfachen Weg gefunden, um ein Problem ihrer Antriebseinheiten für 2026 zu lösen. 2027 erhält der Verbrennungsmotor mehr Leistung und darf mehr Kraftstoff nutzen. Doch statt einen größeren Tank einzubauen, werden die Grands Prix verkürzt: Statt mindestens 305 km gehen sie künftig über 290 km.
Die Formel 1 beschloss die Änderung am 21. September in London. In der Praxis fallen bei den meisten Läufen zwei oder drei Runden weg. Die endgültige Zustimmung des FIA-Weltrats für Motorsport steht allerdings noch aus.
Mehr Benzin, weniger Kilometer
Der Grund liegt bei den in diesem Jahr eingeführten Antriebseinheiten. Für 2027 erhöht die Formel 1 die maximale Leistung des Verbrennungsmotors von 400 kW auf 420 kW und steigert dafür den zulässigen Energiefluss des Kraftstoffs um fünf Prozent. 2028 soll der Verbrennungsmotor 450 kW erreichen, während der Kraftstofffluss gegenüber dem heutigen Niveau um 13 Prozent steigt. Gleichzeitig wird die Rolle des Elektroantriebs reduziert.
Dadurch entsteht ein recht grundlegendes Problem: Ein höherer Verbrauch bei unveränderter Renndistanz würde mehr Kraftstoff erfordern.
Eine Möglichkeit wäre, den Tank zu vergrößern. Das würde jedoch Änderungen an der Konstruktion der aktuellen Autos nötig machen und zusätzliche Kosten verursachen. Die Formel 1 entschied sich für die günstigere Lösung und verkürzt die Renndistanz um 15 km.
Die Rennen werden also nicht verkürzt, um die Formel 1 besonders sparsam zu machen. Im Gegenteil: Der Verbrennungsmotor darf pro Kilometer mehr Energie nutzen, doch zur Begrenzung der Kraftstoffmenge werden weniger Kilometer gefahren.
Die 305-km-Tradition endet
Nach den aktuellen Regeln umfasst ein Grand Prix mindestens so viele vollständige Runden, wie nötig sind, um eine Distanz von 305 km zu überschreiten. Eine Ausnahme bildet Monaco mit einer Renndistanz von 260 km. 2027 sinkt der reguläre Schwellenwert auf 290 km.
Fünfzehn Kilometer mögen nicht dramatisch klingen, doch auf einer fünf Kilometer langen Strecke fallen dadurch beispielsweise drei Runden weg. Strategisch könnte sich die Änderung auf den Reifeneinsatz, den Zeitpunkt der Boxenstopps und die Zeit auswirken, die den Fahrern bleibt, um Positionen zurückzugewinnen.
Eine gewisse Ironie liegt natürlich darin, dass die Formel 1, die technisch komplexer geworden ist als je zuvor, ein Problem mit den Antriebseinheiten auf eine Weise löst, die jeder versteht: Reicht das Benzin nicht bis zum Ende, wird die Ziellinie näher herangerückt.