Kein reiner Verbrenner unter den zehn besten Antrieben des Jahres
In der Autoindustrie zeichnet sich eine kleine, aber aufschlussreiche Verschiebung ab. Erstmals seit 32 Jahren findet sich in der renommierten WardsAuto-Auswahl der zehn besten Antriebe des Jahres kein Auto mehr, das ausschließlich von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird. Alle Preisträger für 2026 fahren elektrisch oder nutzen Hybridtechnik. Ausgezeichnet wurden nicht nur sparsame Familienautos, sondern auch der Porsche 911, der BMW M5 und eine Chevrolet Corvette mit 920 kW Systemleistung.
Elektrifizierung belegt alle zehn Plätze
Das US-Automobilmedium WardsAuto gab am 13. Oktober seine jährliche Auswahl „10 Best Engines & Propulsion Systems“ bekannt. Die Jury bewertete 26 Antriebe und berücksichtigte dabei Leistung, Drehmoment, Kraftstoff- und Energieverbrauch, technische Innovationen und Fahrkomfort.
Das Ergebnis: vier rein elektrische Antriebe, vier Vollhybride und zwei Plug-in-Hybride.
Die zehn besten Antriebe des Jahres 2026:
Modell | Antrieb |
Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC Electric | Elektrischer Allradantrieb mit zwei Motoren |
Rivian R2 Performance | Elektrischer Allradantrieb mit zwei Motoren |
Subaru Trailseeker | Elektrischer Allradantrieb mit zwei Motoren |
Volvo EX60 P10 AWD | Elektrischer Allradantrieb mit zwei Motoren |
Chevrolet Corvette ZR1X | Hybridantrieb mit 5,5-Liter-V8 |
Hyundai Palisade Hybrid | Hybridantrieb mit 2,5-Liter-Turbo-Vierzylinder |
Nissan Rogue Hybrid | Hybridantrieb mit 1,5-Liter-Turbo-Dreizylinder |
Porsche 911 Carrera GTS T-Hybrid | Hybridantrieb mit 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor |
BMW M5 Touring | Plug-in-Hybridantrieb mit 4,4-Liter-V8 |
Toyota RAV4 PHEV GR Sport | Plug-in-Hybridantrieb mit 2,5-Liter-Vierzylinder |
WardsAuto erstellt keine Rangliste der zehn Gewinner. Alle Auszeichnungen sind gleichwertig.
Auch ein V8 braucht inzwischen einen Elektromotor
Besonders interessant an der diesjährigen Auswahl ist, dass Elektrifizierung nicht zwangsläufig weniger Leistung oder ein zurückhaltenderes Fahrerlebnis bedeutet.
Am leistungsstärksten war die Chevrolet Corvette ZR1X. Ihr 5,5-Liter-V8 mit zwei Turboladern arbeitet mit einem Elektromotor zusammen, der die Vorderachse antreibt. Die Systemleistung erreicht 920 kW.
Auch der BMW M5 Touring kombiniert einen V8-Motor mit einem Plug-in-Hybridantrieb. Beim Porsche 911 Carrera GTS kommen ein elektrischer Turbolader und ein ins Getriebe integrierter Elektromotor zum Einsatz.
Diese Autos zeigen, dass es bei der Elektrifizierung nicht nur darum geht, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Ein Elektromotor kann das Ansprechverhalten verbessern, Lücken im Drehmomentverlauf schließen und die Fahrleistungen steigern.
Der Rückzug des Verbrenners begann schon früher
WardsAuto veranstaltet den Wettbewerb seit 1995. Der erste Hybridantrieb wurde 2001 ausgezeichnet: der des Toyota Prius.
2025 schaffte es noch ein Antrieb ohne Elektrifizierung unter die besten zehn: der V8 mit zwei Turboladern aus der Chevrolet Corvette ZR1. Auch in diesem Jahr waren mehrere herkömmliche Verbrennungsmotoren im Wettbewerb, doch keiner gelangte auf die Gewinnerliste.
Für die europäische Autoindustrie bestätigt das Ergebnis eine längst bekannte Entwicklung. Hybridtechnik dient nicht mehr nur dazu, Emissionsvorgaben zu erfüllen, sondern ist auch ein wichtiges Mittel, um leistungsstärkere und bessere Antriebe zu entwickeln.
Dennoch sollte man das Ergebnis einordnen. Bewertet wurden neue und umfassend überarbeitete Antriebe für den US-Markt – es handelt sich nicht um einen Vergleich der besten Motoren aller Zeiten weltweit. Die Gewinnerliste bedeutet nicht, dass herkömmliche Verbrennungsmotoren plötzlich technisch ungeeignet wären.
Die Botschaft ist trotzdem klar: Vor etwa einem Jahrzehnt musste ein Hybrid noch beweisen, dass er mit einem Verbrenner mithalten kann. Heute muss ein reiner Verbrenner erklären, warum er überhaupt ohne elektrische Unterstützung auskommen sollte.