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TechArt wagt sich mit seinem ersten Porsche-911-Restomod auf Singers Terrain

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 20.09.2026

TechArt veredelt Porsche-Modelle seit 1987, hat klassische Fahrzeuge bislang jedoch unangetastet gelassen. Das ändert sich nun. Der GTclassic basiert auf dem Porsche 911 der Generation 964, erhält einen luftgekühlten 3,8-Liter-Saugboxer mit 276 kW und hüllt die Technik in eine Karosserie, die bewusst auf die frühere Geschichte des 911 verweist. Nur 11 Exemplare sollen entstehen.

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Der 964 ist der Nächste – nur der Erbauer ist neu

Ein Restomod auf Basis des Porsche 911 der Generation 964 ist im Jahr 2026 kaum noch eine revolutionäre Idee. Ganz im Gegenteil: Singer Vehicle Design machte das Konzept bereits vor Jahren zu einem eigenen Luxussegment, und inzwischen arbeitet eine ganze Reihe kleinerer und größerer Anbieter mit derselben Plattform.

Der Einstieg von TechArt ist dennoch bemerkenswert. Fast vier Jahrzehnte lang konzentrierte sich das Unternehmen vor allem darauf, moderne Porsche schneller, aggressiver und teurer zu machen. Der GTclassic ist das erste umfassende Restaurierungs- und Modernisierungsprojekt des Unternehmens auf Basis eines klassischen Porsche. Laut TechArt-CEO Benedict von Canali bestand das Ziel nicht darin, den 964 neu zu erfinden, sondern seine charakteristischen Eigenschaften weiterzuentwickeln.

Als Spenderfahrzeug eignet sich der 964 natürlich beinahe zu gut. Porsche baute diese Generation des 911 von 1989 bis 1994. Ihre vergleichsweise moderne Grundkonstruktion in Verbindung mit einem klassischen luftgekühlten Antrieb hat sie zu einem Favoriten für Restomods gemacht.

Ein 3,8-Liter-Boxer leistet 276 kW

Im Heck des GTclassic arbeitet ein luftgekühlter 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor ohne Aufladung. Seine 375 hp entsprechen nach europäischer Angabe rund 276 kW. Gekoppelt ist der Motor an ein manuelles Getriebe.

Auf dem Papier sind 276 kW im Umfeld eines modernen 911 nichts Besonderes. Darum geht es jedoch nicht. Der luftgekühlte Saugmotor, das manuelle Getriebe und die Abmessungen des 964 ergeben eine Kombination, die bei keinem Porsche-Händler mehr als Neuwagen erhältlich ist.

Zum Vergleich: Der ursprüngliche 3,6-Liter-Boxer des 964 Carrera 2 leistete rund 184 kW. Der GTclassic bietet etwa 50 Prozent mehr Leistung, kommt dabei aber ohne Turbolader aus. Genau hier unterscheidet sich der Ansatz von TechArt von konventionellem modernem Tuning: Statt bloß Zahlen hinterherzujagen, will das Unternehmen das Ansprechverhalten und den mechanischen Charakter des alten 911 bewahren.

Das Design blickt noch weiter zurück als bis zum 964

Der GTclassic sieht nicht wirklich wie ein serienmäßiger 964 aus. Bei der Gestaltung der Karosserie ist TechArt noch weiter in die Vergangenheit zurückgegangen und hat sich an früheren Generationen des 911 orientiert.

Die Front erhält eine verlängerte Haube, die an 911-Modelle aus der Zeit vor 1974 erinnert. Zwei mit Gittern versehene Luftöffnungen durchbrechen die Haube; ihre Form zeigt bereits den Einfluss des deutlich jüngeren GT3. Am Heck schließt ein klassischer „Entenbürzel“-Spoiler die Karosserie ab.

TechArt hat die Kotflügel verbreitert, um Platz für geschmiedete 18-Zoll-Räder zu schaffen. Die Hinterräder sind 254 mm breit. Dahinter sitzt eine leistungsfähigere Bremsanlage aus dem 911 Turbo. LED-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten bringen die Lichttechnik auf einen zeitgemäßen Stand.

Das Ergebnis ist keine Singer-Kopie, auch wenn das Rezept zwangsläufig ähnlich ausfällt. TechArt verbindet drei Epochen: die Proportionen und Details des frühen 911, die Grundkonstruktion des 964 und funktionale Elemente moderner Porsche-Modelle.

Der Innenraum gibt nicht vor, im Jahr 1990 zu leben

Im Innenraum setzt sich dieselbe Logik fort. TechArt behält das klassische analoge Armaturenbrett und die physischen Bedienelemente bei, zwingt den Besitzer aber nicht zum Verzicht auf modernen Komfort.

In die Mittelkonsole lässt sich ein Multimediasystem integrieren, das Navigation, Bluetooth und Apple CarPlay unterstützt. Für die Atmosphäre vergangener Zeiten sorgen unter anderem mechanische Stoppuhren von Hanhart. TechArt gestaltet den Innenraum nach den Wünschen des Kunden.

Das mag wie ein kleines Detail klingen, doch gerade die Alltagstauglichkeit unterscheidet ein teures Restomod von einem makellos restaurierten Sammlerfahrzeug. Der GTclassic soll das Fahrgefühl eines klassischen 911 bieten, ohne dass sein Besitzer sämtliche Unannehmlichkeiten eines Oldtimers hinnehmen muss.

Singer bekommt einen weiteren Rivalen, doch TechArt hat einen eigenen Trumpf

Das größte Problem des GTclassic ist zugleich die größte Stärke dieses Marktes: Bei Restomods auf Basis luftgekühlter Porsche 911 mangelt es den Kunden nicht an Auswahl. Singer hat die Messlatte in dieser Klasse so hoch gelegt, dass jeder Neueinsteiger erklären muss, warum ein sehr vermögender Porsche-Enthusiast ausgerechnet ihm sein Geld anvertrauen sollte.

TechArt hat zumindest ein überzeugendes Argument. Das Unternehmen ist keine neu gegründete kleine Werkstatt, sondern modifiziert Porsche-Modelle bereits seit 1987. Es kennt die Technik, Fahrwerke, Aerodynamik und Antriebe der Marke und vertreibt seine Lösungen seit Jahrzehnten an europäische Kunden. Mit dem GTclassic überträgt TechArt diese Erfahrung erstmals zurück in die Ära der Luftkühlung.

Aus europäischer Sicht ist das Projekt besonders schlüssig. Hier befinden sich sowohl Porsches historischer Heimatmarkt als auch eine ausreichend große Basis klassischer 911. Zugleich sorgen steigende Preise für Spenderfahrzeuge und der wachsende Sammlerstatus des 964 zwangsläufig dafür, dass Projekte wie dieses sehr vermögenden Kunden vorbehalten bleiben.

TechArt hat den Preis des GTclassic noch nicht bekannt gegeben. Daher ist es verfrüht, ihn in Euro mit Singer oder anderen Restomods der Spitzenklasse zu vergleichen, bevor die Deutschen eine konkrete Zahl nennen.

Eine Einschränkung ist bereits bekannt: TechArt wird nur 11 GTclassic bauen. Damit ist das Auto eher eine Demonstration der Fähigkeiten des Unternehmens als der Beginn eines großen neuen Geschäftsfelds. Sollten alle 11 Fahrzeuge jedoch schnell Besitzer finden, wäre es ziemlich überraschend, wenn das Klassikprogramm von TechArt damit bereits enden würde.