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Volvo bringt den XC60 auf 200 Kilometer elektrische Reichweite und verändert die Logik des Plug-in-Hybrids
Bei den Plug-in-Hybriden XC60 und XC90 vollzieht Volvo einen weitaus größeren technischen Sprung, als eine routinemäßige Modellpflege zunächst vermuten lässt. Ein neuer 41,2-kWh-Akku erhöht die elektrische Reichweite des XC60 auf bis zu 200 Kilometer und die des XC90 auf mehr als 160 Kilometer. Mit einer solchen Reichweite kann ein Plug-in-Hybrid für europäische Nutzer tatsächlich als Elektroauto dienen, während der Benziner für längere Strecken in Reserve bleibt.
Nach Angaben des Herstellers bietet der neue XC60 eine elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 200 Kilometern, während der XC90 163 Kilometer erreicht. Gegenüber den bisherigen Versionen steigt die elektrische Reichweite damit auf mehr als das Zweieinhalbfache.
Der 41,2-kWh-Akku ändert die Spielregeln
Die wichtigste Änderung verbirgt sich unter dem Fahrzeugboden. Anstelle des bisherigen Akkus mit rund 19 kWh nutzen der neue XC60 und XC90 ein 41,2-kWh-Akkupaket mit 37,9 kWh nutzbarer Kapazität. Damit kommt es der Akkukapazität einiger kleinerer reiner Elektroautos bereits recht nahe.
Der XC60 wird in Europa in zwei Plug-in-Hybridvarianten mit Allradantrieb angeboten. Der T6 kombiniert einen 2,0-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor an der Hinterachse und kann im WLTP-Zyklus bis zu 200 km rein elektrisch zurücklegen. Der stärkere T8 schafft mit einer Ladung bis zu 189 km. Der Unterschied ist vor allem auf die Abstimmung des Verbrennungsmotors zurückzuführen: Der Benziner des T6 leistet 132 kW und entwickelt 280 Nm, der des T8 kommt auf 184 kW und 360 Nm. Der neue Elektromotor leistet rund 130 kW statt zuvor 107 kW.
Auch bei der Beschleunigung gibt es keine Abstriche. Der XC60 T6 erreicht 100 km/h nach 5,7 Sekunden, der T8 nach 4,8 Sekunden. Der XC90 nutzt den stärkeren T8-Antrieb und beschleunigt in 5,2 Sekunden auf 100 km/h.
Noch aussagekräftiger ist die Gesamtreichweite. Mit vollem Akku und Kraftstofftank gibt Volvo für den XC60 je nach Version rund 1.230–1.240 km und für den XC90 etwa 1.100 km an. Diese Kombination erklärt recht gut, warum Volvo den Plug-in-Hybrid nicht abgeschrieben hat.
200 km verändern die traditionelle Logik des Plug-in-Hybrids
Nach offiziellen Angaben von Volvo ermöglicht der 18,8-kWh-Akku des aktuellen XC60 Plug-in-Hybrid eine elektrische WLTP-Reichweite von rund 80 km. Die 200 km der neuen Generation sind daher keine kosmetische Verbesserung, sondern verändern die Art, wie das Fahrzeug genutzt wird.
Ein klassischer Plug-in-Hybrid eignet sich gut für Menschen, die das Auto täglich laden und überwiegend kurze Strecken fahren. Nähert sich die elektrische Reichweite 200 Kilometern, muss nicht mehr zwangsläufig jeden Tag geladen werden. Viele Fahrer können eine ganze Arbeitswoche in der Stadt rein elektrisch bewältigen und den Benziner erst bei einer längeren Wochenendfahrt starten.
Ein Akku mit mehr als 40 kWh bedeutet zusätzliches Gewicht, und bei leerer Batterie muss der Benziner diese gesamte Masse mitbewegen. Ein Plug-in-Hybrid mit großer Reichweite ist daher vor allem dann sinnvoll, wenn sein Besitzer ihn regelmäßig lädt.
Auch die Ladeleistung setzt Grenzen. Nach vorläufigen Angaben unterstützt das System AC-Laden mit bis zu 11 kW. Mit einem 41,2-kWh-Akku dauert eine vollständige Ladung an einem dreiphasigen Ladegerät rund vier Stunden, an einem 7-kW-Heimladegerät etwa sechs Stunden. In Volvos vorläufigen technischen Angaben wird Schnellladen nicht erwähnt.
Auch der XC60 erhält ein neues Erscheinungsbild
Volvo beschränkt die Änderungen nicht auf den Antrieb. Der XC60 erhält einen neu gestalteten Kühlergrill, Frontstoßfänger, eine überarbeitete Motorhaube und vordere Kotflügel sowie neue Raddesigns. Die Lichtsignatur „Thors Hammer“ bleibt erhalten, die Matrix-LED-Scheinwerfer bekommen jedoch ein überarbeitetes Design.
Im Innenraum überarbeitet Volvo das Armaturenbrett und die Türverkleidungen und bietet unter anderem belüftetes Nappaleder an. Auf dem 11,2 Zoll großen Zentraldisplay läuft Volvos neuere Bedienoberfläche. Google Gemini wird zum Sprachassistenten des Autos und ermöglicht dem Fahrer beispielsweise, in natürlicherer Sprache eine Route zu planen, nach Stopps zu suchen und Nachrichten zu verwalten. Gemini wird auch in den XC90 integriert.
Volvo erweitert zudem seine Fahrerassistenzsysteme. Neben automatischer Notbremsung und einer Notfall-Lenkfunktion erhält der XC60 ein System, das beim Öffnen einer Tür vor einem herannahenden Radfahrer warnt. Zur Sonderausstattung gehören ein Spurwechselassistent und ein 360-Grad-Kamerasystem mit 3D-Ansicht.
Volvo investiert stärker in Hybride, nicht weniger
Volvo bezeichnet Plug-in-Hybride mit großer Reichweite als Brücke auf dem Weg zu einer rein elektrischen Modellpalette. Der XC60 ist das meistverkaufte Modell der Unternehmensgeschichte, während der XC90 das Auto ist, mit dem sich Volvo einen großen Teil seiner heutigen Stellung im Premiumsegment erarbeitet hat.
In Europa tritt der XC60 direkt gegen den BMW X3, den Mercedes-Benz GLC und weitere Premium-SUVs mit Plug-in-Hybridantrieb an. Eine elektrische WLTP-Reichweite von 200 km legt die Messlatte jedoch weit höher als bei einem herkömmlichen Plug-in-Hybrid. Die Frage ist nicht mehr, ob der Akku für den morgendlichen Arbeitsweg reicht, sondern wie oft der Benziner im Alltag überhaupt noch benötigt wird.
Für diejenigen, die bereit sind, auf den Verbrennungsmotor zu verzichten, bleibt der rein elektrische EX60. Der XC60 mit großer Reichweite richtet sich dagegen an Fahrer, die die meiste Zeit elektrisch unterwegs sein wollen, sich aber nicht vollständig auf das Ladenetz verlassen möchten.