Volkswagen will weitere Einschnitte bei Porsche – bisheriger Sparplan reicht nicht aus
Porsches frühere Rolle als Cashcow des Volkswagen-Konzerns schwindet rapide. Interne Volkswagen-Unterlagen enthalten den Vorschlag, die Belegschaft bei Porsche um weitere rund 4.100 Beschäftigte zu reduzieren. Das käme zu den fast 9.000 Stellen hinzu, deren Abbau der Sportwagenhersteller bereits eingeplant hat. Der Grund ist gravierend: Volkswagen sieht bei Porsches Overhead-Kosten eine Lücke von rund 700 Millionen Euro bei den geplanten Einsparungen.
Über den Abbau von 4.100 Stellen ist noch nicht entschieden
Volkswagen-Aufsichtsratsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, nennen für Porsche innerhalb der Markengruppe „Sport Luxury“ einen Abbau von rund 4.100 Beschäftigten. Volkswagen kalkuliert diese Einschnitte zusätzlich zu den bereits bestehenden Vereinbarungen ein.
Dabei ist die Unterscheidung zwischen einem Plan und einer Entscheidung wichtig. Volkswagen kann eine Verkleinerung der Belegschaft der Porsche AG nicht einfach per Anordnung aus Wolfsburg durchsetzen. Porsche ist ein eigenständig geführtes, börsennotiertes Unternehmen. Volkswagen kann solche Maßnahmen daher empfehlen, aber nicht einseitig anordnen. Volkswagen und Porsche haben sich zu dem Plan, 4.100 Stellen abzubauen, bislang nicht öffentlich geäußert.
Es wäre deshalb derzeit nicht korrekt zu sagen, dass Porsche weitere 4.100 Stellen streicht. Volkswagen will, dass Porsche seine Kosten um einen Betrag senkt, der in etwa dieser Zahl an Beschäftigten entspricht.
Porsche baut bereits fast 9.000 Stellen ab
Im Zusammenhang mit dem bestehenden Sparprogramm gewinnt die neue Zahl erheblich an Brisanz.
Porsche hatte zuvor bereits beschlossen, seine Belegschaft um rund 4.000 Beschäftigte zu reduzieren. Im Juli dieses Jahres einigten sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter auf den Abbau weiterer 5.000 Stellen. Die bislang vereinbarten Kürzungen betreffen somit rund 9.000 Arbeitsplätze und sollen bis 2035 umgesetzt werden.
Nach Angaben des Handelsblatts kämen die von Volkswagen angestrebten 4.100 Stellenstreichungen zu dieser Zahl hinzu, anstatt darin enthalten zu sein. Sollte Porsche den Vorschlag vollständig umsetzen, würde sich der bestehende und neue Stellenabbau insgesamt auf rund 13.100 Arbeitsplätze summieren.
Für den Stuttgarter Hersteller wäre das eine sehr weitreichende Veränderung. Schon vor dem neuen Vorschlag bedeutete das vereinbarte Programm den Wegfall von annähernd jeder fünften Stelle.
Volkswagen fand eine Lücke von 700 Millionen Euro in Porsches Plan
Die Zahl der Stellen tauchte in den Volkswagen-Unterlagen nicht aus dem Nichts auf. Nach Berechnungen des Konzerns muss Porsche sein Ergebnis bis zum Ende des Jahrzehnts um 3,8 Milliarden Euro verbessern.
Porsche soll bei den Overhead-Kosten Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro erzielen. Davon sind derzeit jedoch nur rund 1,1 Milliarden Euro durch konkrete Maßnahmen abgedeckt. Es bleibt also eine Lücke von etwa 700 Millionen Euro. Zu dieser Kostenkategorie gehören unter anderem Verwaltung und Personal.
Das erklärt, warum Volkswagen erneut die Beschäftigtenzahl ins Visier nimmt. Porsches Problem betrifft längst nicht mehr nur die Frage, welche Modelle gebaut werden sollen oder wie schnell der Umstieg auf Elektrofahrzeuge erfolgen soll. Nach Einschätzung des Konzerns ist die Fixkostenstruktur des Unternehmens für sein derzeitiges Absatzvolumen zu belastend.
China ist für Porsche von der Goldgrube zum Problem geworden
Porsche geriet unter Druck, als mehrere negative Entwicklungen zusammenkamen. Der Absatz in China ist stark eingebrochen, US-Zölle schmälern die Profitabilität, und die Überarbeitung der Elektrostrategie kostet Milliarden. Reuters führt den aktuellen Restrukturierungsdruck bei Porsche ausdrücklich auf den Absatzrückgang in China und die kostspielige Kehrtwende bei der Elektrostrategie zurück.
Am schwierigsten ist die Lage in China. Jahrelang konnte Porsche dort Cayenne, Macan, Panamera und 911 mit sehr hohen Margen verkaufen. Inzwischen konkurrieren europäische Premiumhersteller mit lokalen Marken, deren Elektrofahrzeuge sich schneller weiterentwickeln und häufig weniger kosten.
Porsches Problem unterscheidet sich von dem der Kernmarke Volkswagen. Volkswagen muss im Massenmarkt mit enormen Produktionskapazitäten und Preisdruck zurechtkommen. Porsche hat sein Geschäftsmodell dagegen auf deutlich geringeren Stückzahlen, aber einem außergewöhnlich hohen Gewinn pro Fahrzeug aufgebaut. Sinkt diese Marge, sind die Folgen im gesamten Volkswagen-Konzern schnell zu spüren.
Porsche zwang Volkswagen zur Senkung seiner Gewinnprognose
Wie ernst die Lage ist, zeigt die jüngste Gewinnwarnung von Volkswagen. Der Konzern senkte seine für 2026 erwartete operative Gewinnmarge von bislang 4,0 bis 5,5 Prozent auf höchstens 1 Prozent. Reuters zufolge war die Änderung größtenteils auf Wertberichtigungen bei Vermögenswerten mit Porsche-Bezug zurückzuführen.
Damit werden Porsches Schwierigkeiten zu einem Problem für den gesamten Volkswagen-Konzern.
Noch vor wenigen Jahren war die Logik umgekehrt. Porsches hohe Profitabilität half dem Konzern, enorme Investitionen in Elektrofahrzeuge, Software und neue Plattformen zu finanzieren. Nun muss Volkswagen selbst Wege finden, die Kostenbasis seines Sportwagenherstellers zu senken.
Die Aufgabe von Porsche-Chef Michael Leiters besteht daher nicht nur darin, einige erfolglose Modelle zu ersetzen. Er muss die Profitabilität des Unternehmens wiederherstellen, während die bisherige Erfolgsformel für den chinesischen Markt nicht mehr funktioniert und zugleich die Elektrifizierungsstrategie überarbeitet werden muss.
Europas traditionelles Automobilmodell muss einen hohen Preis zahlen
Der Fall Porsche zeigt deutlich, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse in der europäischen Autoindustrie verändern. Hohe Preise und eine starke Marke garantieren nicht mehr automatisch jene Profitabilität, an die sich die deutschen Premiumhersteller gewöhnt hatten.
Die chinesische Konkurrenz trifft inzwischen sowohl die Massenmarktmodelle von Volkswagen als auch das Preissegment von Porsche. Gleichzeitig kostet die Entwicklung von Elektrofahrzeugen, Software, Batterietechnik und neuen Plattformen Milliarden Euro, bevor das erste Auto einen Kunden erreicht.
Ein weiterer Faktor verschärft die Lage für Europa: Die Autoindustrie kann ihre Kosten nicht unbegrenzt allein durch einen Personalabbau senken. Zugleich muss sie in neue Technologien investieren, um mit Wettbewerbern aus China und den USA Schritt zu halten.