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Renault belebt den 8 Gordini als 199 kW starkes Elektro-Coupé mit Hinterradantrieb neu
Renault greift mit dem Renault 8 Gordini eines der spannendsten Kapitel seiner Geschichte wieder auf – und macht daraus etwas deutlich Interessanteres als ein weiteres Konzeptfahrzeug im Retro-Look. Der neue Renault 8 Gordini Concept ist ein 199 kW starkes, zweisitziges Elektro-Coupé, dessen flache Karosserie, unterschiedlich große Räder und stark betontes Heck das Sportmodell mit Heckmotor aus den 1960er-Jahren im Geist eines modernen Rallyeautos neu interpretieren.
Ein Serienmodell stellt Renault zu diesem Zeitpunkt nicht in Aussicht. Das Konzept entstand als Designprojekt und setzt die mit dem Renault 5 Diamant und dem elektrischen R17-Restomod begonnene Neuinterpretation historischer Modelle fort. Renault wird das Auto am 24. September beim Renault Carwalk enthüllen und vom 12. bis 18. Oktober auf dem Pariser Autosalon ausstellen.
199 kW statt 70 kW
Der ursprüngliche Renault 8 Gordini kam 1964 auf den Markt. Sein im Heck eingebauter Motor leistete 95 hp, also rund 70 kW, und trieb die Hinterräder an. Das Auto erwarb sich den Ruf einer schnellen Maschine, die ihrem Fahrer einiges an Können abverlangte, und trug zur Ausbildung einer ganzen Generation französischer Rennfahrer bei.
Die Bedeutung des Gordini ging darüber hinaus, lediglich ein stärkerer Renault 8 zu sein. Renault versah eine sportliche Variante eines gewöhnlichen Serienautos mit dem Namen Amédée Gordinis – zu einer Zeit, als der GTI-Boom noch rund ein Jahrzehnt entfernt war. Die blaue Karosserie und zwei weiße Streifen machten das Auto schnell unverwechselbar.
Das neue Konzept behält den Hinterradantrieb bei und steigert die Leistung auf 199 kW. Angaben zu Batteriekapazität, Drehmoment, Gewicht, Beschleunigung oder Reichweite hat Renault nicht gemacht. Das ist eine wichtige Einschränkung: Der 8 Gordini Concept wirkt wie ein vollständig entwickelter Elektro-Sportwagen, technisch bleibt er vorerst jedoch in erster Linie eine Designstudie.
Dennoch ist die Wahl von 199 kW interessant. Der Renault 5 Turbo 3E geht mit seinem 397 kW starken Elektroantrieb ins andere Extrem. Der Gordini Concept versucht nicht, ihn zu übertreffen, sondern positioniert sich zumindest konzeptionell als leichterer und schlichterer Sportwagen.
Renault macht aus einer viertürigen Limousine ein zweisitziges Coupé
Der Renault 8 der 1960er-Jahre war eine kantige viertürige Limousine. Der neue Gordini überträgt dieselbe Grundidee auf ein flaches, breites zweitüriges Coupé.
Das Konzept ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und lediglich 1,27 Meter hoch. Renault verwendet vorn 19-Zoll- und hinten 20-Zoll-Räder. Das größere Hinterrad verlagert den optischen Schwerpunkt des Autos nach hinten und betont seine Architektur mit Hinterradantrieb.
Renault hat nicht einfach versucht, das alte Auto in größerem Maßstab nachzuzeichnen. Die nahezu symmetrische Gestaltung von Front und Heck des Originals ist einer ausgeprägteren Keilform, breiten Radhäusern und einer niedrigen Fahrgastzelle gewichen. Am Heck fällt die Karosserie leicht ab – ein Merkmal, das der historische Renault 8 nicht besaß.
Die deutlichste Verbindung zum alten Auto findet sich in den Details. Renault hat die quadratischen Radhäuser und die charakteristische Linie durch die Mitte der Karosserie beibehalten, nutzt Letztere nun aber zugleich, um Luft zu einem Einlass zu leiten.
Einen Frontgrill gibt es nicht. Stattdessen trägt die Fahrzeugnase sechs runde Leuchtelemente, die an Zusatzscheinwerfer von Rallyeautos erinnern. Im ausgeschalteten Zustand sind die Rückleuchten nahezu unsichtbar in die Karosserie integriert.
Die weißen Streifen des Gordini sind keine Aufkleber mehr
Die beiden weißen Streifen des ursprünglichen Renault 8 Gordini wurden zum Markenzeichen des Modells. Das Konzept greift dasselbe Motiv deutlich ambitionierter auf.
Die Streifen sind nicht einfach als Grafik auf die blaue Karosserie aufgebracht. Renault nutzt sie zur Gestaltung mehrerer Elemente des Autos, darunter das Gitter am unteren Rand der Windschutzscheibe und die Grafik der Rückleuchten. Die Linie setzt sich im Innenraum fort und geht entlang der Oberseite des Armaturenbretts allmählich von Weiß in Blau über.
Auch der blaue Lack nimmt Bezug auf das historische Bleu de France. Renault verwendet eine Dreischichtlackierung mit Perlglanzpigmenten und einem blau eingefärbten Bindemittel, um der Karosserie im Licht mehr Tiefe zu verleihen und ihre plastisch geformten Flächen deutlicher hervorzuheben.
Die Gordini-Schrift orientiert sich am Auto von 1964. Renault hat zudem ein neues „8“-Emblem aus acht Segmenten entworfen.
„Café Racer“ bedeutet hier weniger statt mehr
Als einen Ausgangspunkt für das Design nennt Renault die aus der Motorradwelt bekannte „Café-Racer“-Philosophie. Dabei geht es nicht darum, einen Klassiker mit Dekoration zu überladen, sondern Überflüssiges zu entfernen und Form, Material sowie Funktion sichtbar zu lassen.
Daher hat Renault einige konventionelle Karosseriefugen verborgen. Die übliche Fuge der Motorhaube ist beispielsweise nicht zu sehen, weil sich das gesamte Bauteil wie bei einem Rennwagen in einem Stück abnehmen lässt.
Auch die seitliche Chromleiste des alten Autos kehrt nicht als separates Zierelement zurück. Stattdessen haben die Designer sie als straffe Linie in die Karosserie eingeformt.
Für ein Retro-Auto ist das ein erfrischender Ansatz. Zu häufig werden bei der Wiederbelebung eines historischen Modells alte Merkmale lediglich vergrößert und an eine neue Karosserie geheftet. Der Gordini Concept nutzt die wiedererkennbaren Elemente des Originals dagegen als Ausgangspunkt.
Der Innenraum kommt ohne riesiges Tablet aus
Die interessanteste Lösung findet sich womöglich im Innenraum. Renault hat das Armaturenbrett nicht mit einem einzigen riesigen rechteckigen Bildschirm bestückt.
Stattdessen sitzen runde Digitalinstrumente im horizontal verlaufenden Armaturenbrett aus gebürstetem Aluminium. Ihre breiten Einfassungen greifen die plastische Gestaltung der runden Frontleuchten auf.
Renault verwendet offen sichtbares Aluminium und Alcantara anstelle von Kunststoff. Die Mittelbahnen der beiden Schalensitze sind mit blauem Samt bezogen – eine Anspielung auf die schlichten Sitze des alten Gordini ohne Kopfstützen. Im Innenraum verzichtet Renault auf Carbon, obwohl der Werkstoff an der Außenkarosserie zum Einsatz kommt.
In der Mitte des Armaturenbretts sitzt eine Stoppuhr mit rotem Knopf. In einem Elektroauto ist das ein geradezu demonstrativ altmodisches Detail, doch zu einem Gordini passt es besser als ein weiteres berührungsempfindliches Untermenü.
Renault holt genau die richtigen Namen aus seiner Geschichte zurück
Der 8 Gordini Concept ist Teil des gezielten Heritage-Programms, das Renault in den vergangenen Jahren verfolgt hat. Der Renault 5 und der Renault 4 sind bereits als elektrische Serienmodelle zurückgekehrt. Der Renault 5 Turbo 3E überträgt einen historischen Namen in die Welt extremer Elektro-Sportwagen, während der R17 electric restomod x Ora Ïto und der Renault 5 Diamant dasselbe Thema als Konzeptfahrzeuge erkundeten.
Beim Gordini Concept sollte man daher nicht automatisch davon ausgehen, dass bald ein 199 kW starkes Elektro-Coupé in den Handel kommt. Renault bezeichnet das Auto als Designprojekt und plant, es später im Museum Renault Collections in Flins auszustellen. Der Hersteller will das Museum in rund 15 Monaten eröffnen.
Die Idee selbst hätte jedoch eine Serienfertigung verdient. Europas Markt für Elektroautos füllt sich rasch mit SUVs, Crossovern und schweren Modellen mit großen Batterien. Ein flaches, kompaktes Elektro-Sportcoupé mit Hinterradantrieb wäre ein vollkommen anderes Angebot.
Der Name Gordini eignet sich dafür besonders gut. Amédée Gordini begründete seinen Ruf nicht mit Luxus, sondern damit, bescheidene Technik gezielt zu optimieren. Sollte Renault jemals ein Elektroauto bauen wollen, dessen Wert eher in Gewicht, Fahrwerk und Handling als in maximaler Bildschirmgröße liegt, hätte das Unternehmen bereits den passenden Namen.