1/11 Renault E-Space greift die Idee des Espace von 1984 auf und bietet eine Alternative zum SUV
Renault besinnt sich auf eine Zeit, in der das größte Plus eines Familienautos sein geräumiger Innenraum war – und nicht viel Bodenfreiheit. Das auf dem Pariser Autosalon vorgestellte Elektro-Konzeptfahrzeug E-Space orientiert sich am legendären Espace von 1984: Es bietet sechs Einzelsitze, drehbare Sitze und einen außergewöhnlich großzügigen Innenraum mit Glasdach. Der französische Hersteller zeigt, dass ein Van auch im Elektrozeitalter eine ernstzunehmende Alternative zum SUV sein kann.
Der klassische Espace kehrt in futuristischer Form zurück
Der Renault E-Space Concept ist 4700 mm lang, 2020 mm breit und 1670 mm hoch. Seine Abmessungen sind zeitgemäß, doch die Proportionen der Karosserie erinnern bewusst an die erste Generation des Espace.
Kurze Überhänge, eine niedrige Fensterlinie und eine Windschutzscheibe, die nahezu nahtlos in die Motorhaube übergeht, geben der Karosserie aus einem Guss eine strömungsgünstige Form. Eine U-förmige Lichtsignatur verbindet Front und Heck. Das beleuchtete Renault-Emblem in der Mitte des Kühlergrills scheint frei im Raum zu schweben.
Die 23-Zoll-Räder sitzen an den Ecken der Karosserie, sodass der Großteil der Fahrzeuglänge dem Innenraum zugutekommt. Ein aktiver Frontspoiler verbessert die Aerodynamik, indem er sich bei höheren Geschwindigkeiten näher zur Fahrbahn absenkt.
Laut offiziellen Informationen, die Renault am 12. Oktober veröffentlichte, entstand der E-Space Concept aus dem Wunsch, den Kerngedanken des ursprünglichen Espace wieder aufzugreifen: Ein Auto soll vor allem den Menschen dienen, die darin sitzen.
Sechs Sitze und ein Innenraum, der zum Wohnzimmer wird
Die interessantesten Merkmale des E-Space finden sich im Innenraum. Eine Karosserie ohne B-Säulen und hinten angeschlagene Fondtüren ermöglichen den Zugang zu einem geräumigen Innenraum. Auf dem durchgehend ebenen Boden stehen sechs Einzelsitze in drei Reihen.
Die Sitze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen, sodass die Insassen den Personen in der dritten Reihe gegenübersitzen können. In der Viersitzer-Konfiguration können die mittleren Sitze zu einem großen Tisch umgeklappt werden.
Ein eigenes Modul lässt sich in der Mittelkonsole verschieben. Es bietet Platz für einen Luftreiniger, einen kleinen Kühlschrank, Spiel-Controller und ein Brettspiel. In die Lehnen der Vordersitze sind 12,3-Zoll-Bildschirme integriert.
Das Glasdach und die außergewöhnlich niedrige Fensterlinie lassen viel Licht in den Innenraum. Renault verwendet dort verschiedene Rottöne, Wollteppiche und natürliche Materialien. In den Zierleisten findet sich sogar gefärbtes Stroh.
Dieser Ansatz erinnert an den ursprünglichen Espace, dessen herausnehmbare Sitze und außergewöhnliche Raumausnutzung in den 1980er-Jahren die Vorstellungen vom Familienauto veränderten.
Neues Panoramadisplay kommt auch in Serienfahrzeuge
Statt eines herkömmlichen Armaturenbretts besitzt der E-Space Concept das gebogene OpenR Panorama-Display. Es ist 1130 mm breit und 110 mm hoch, reicht von einer A-Säule bis zur anderen und ersetzt das klassische Kombiinstrument.
Das Display selbst ist nicht berührungsempfindlich. Seine Funktionen werden über ein System mit zwei schwenkbaren Touchscreens rund um die Lenksäule gesteuert.
Das kompakte Lenkrad nutzt Steer-by-Wire-Technik. Zwischen Lenkrad und Vorderrädern besteht also keine herkömmliche mechanische Verbindung.
Anders als bei vielen Konzeptfahrzeug-Funktionen steht die Zukunft der OpenR-Panorama-Technik bereits fest. Renault bestätigt, dass die nächsten Generationen von Scenic und Rafale sie als erste erhalten werden.
Der elektrische E-Space bleibt vorerst eine Studie
Der E-Space Concept hat einen rein elektrischen Antrieb. Angaben zu Motorleistung, Batteriekapazität, Ladegeschwindigkeit und Reichweite hat Renault jedoch nicht veröffentlicht.
Die Vorstellung der Studie bedeutet auch nicht, dass der aktuelle Espace ersetzt wird. Renault bestätigt, dass sie als Erprobungsträger für Design und Technik künftiger Familienautos dient und nicht als Vorläufer eines bestimmten Serienmodells.
Dennoch verdient der E-Space auf dem europäischen Markt Aufmerksamkeit. Der aktuelle Espace ist zum SUV geworden, während klassische Vans nahezu aus den Pkw-Modellprogrammen verschwunden sind.
Ein Elektroantrieb eröffnet dieser Karosserieform eine neue Chance. Eine kompakte Antriebseinheit und eine im Boden untergebrachte Batterie ermöglichen einen geräumigen Innenraum, ohne dass dafür eine hohe Karosserie oder SUV-typische Proportionen nötig sind.
Die größte Leistung des E-Space liegt nicht in seiner futuristischen Technik, sondern darin, daran zu erinnern, dass ein praktisches Familienauto kein SUV sein muss. Falls Renault die Raumausnutzung der Studie eines Tages in die Serie überführen kann, könnte sich das 1984 entstandene Konzept erneut als überraschend aktuell erweisen.