1/4 Renault zeigt E-Space Concept in Paris und führt LFP-Akkus schrittweise in allen Elektroautos ein
Renault setzt auf dem Pariser Autosalon zwei Schwerpunkte: Das Konzept für ein Familienauto der nächsten Generation heißt E-Space Concept, während die gesamte Elektroauto-Palette schrittweise auf LFP-Akkus umgestellt werden soll. Der Megane E-Tech Electric erhält unterdessen einen 67-kWh-Akku, bis zu 500 km Reichweite und schnelleres Laden.
E-Space Concept greift die ursprüngliche Espace-Idee auf
Renault präsentiert in Paris das E-Space Concept. Die Studie interpretiert den Grundgedanken des 1984 eingeführten Espace neu: ein Familienauto, das möglichst viel Platz bietet und die Passagiere in den Mittelpunkt stellt.
Die Studie ist 4,70 Meter lang. Renault legt besonderen Wert auf den Innenraum, das Platzangebot und die Elektroarchitektur. Der Name E-Space ist kein Zufall: Das „E“ steht für die elektrifizierten E-Tech-Antriebe, „Space“ für den geräumigen Fahrgastraum.
Technische Daten zu Akku und Motor oder einer Serienversion hat Renault noch nicht veröffentlicht. Der E-Space ist daher vor allem als Prototyp zu verstehen, der Design- und Raumkonzepte für künftige Familienautos zeigt – nicht als Ausblick auf ein fertig entwickeltes Serienauto.
Megane E-Tech erhält 67-kWh-LFP-Akku
Die praktisch bedeutsamere Neuigkeit betrifft den Megane E-Tech Electric.
Das überarbeitete Modell erhält einen 67-kWh-LFP-Akku und erreicht nach WLTP eine Reichweite von bis zu 500 km. Laut Renault verbessert sich die Ladeleistung beim Gleichstromladen um 25 %, und der Akku lässt sich in 24 Minuten von 15 auf 80 % laden.
Neu hinzu kommen der Smart Mode, die künstliche Intelligenz Gemini und weitere Funktionen für OpenR Link.
Der Einsatz der LFP-Chemie deutet auf eine klare Kostenstrategie von Renault hin. LFP-Akkus sind in der Regel günstiger und weniger abhängig von Nickel und Kobalt, haben allerdings meist eine geringere Energiedichte als NMC-Akkus. Renault gleicht dies mit einer Cell-to-Pack-Bauweise aus, bei der die Zellen ohne herkömmliche Module direkt im Akkupack verbaut werden.
LFP-Akkus kommen in die gesamte Elektroauto-Palette von Renault
Renault plant, LFP-Akkus schrittweise in allen E-Tech-Electric-Modellen einzuführen.
Die bekannten Kapazitäten sind:
Twingo E-Tech Electric: 27,5 kWh Renault 5 E-Tech Electric: 37 kWh Megane E-Tech Electric: 67 kWh Scenic E-Tech Electric: 67 kWh
Später soll die LFP-Technik auch im Renault 4 E-Tech Electric zum Einsatz kommen.
Alle diese Akkus nutzen die Cell-to-Pack-Bauweise und das Renault-System Fireman Access. Damit können Einsatzkräfte bei einem Akkubrand Wasser schnell gezielt an die Zellen leiten.
Für den europäischen Markt ist die Umstellung auf LFP eine größere Nachricht als ein weiteres Konzeptauto. Der Akku ist die teuerste Komponente eines Elektroautos. Die günstigere Zellchemie gibt Renault die Möglichkeit, entweder die Preise zu senken oder die Margen zu erhöhen.
Renault 5 Turbo 3E nähert sich der Serienversion
In Paris zeigt Renault zudem einen technischen Prototyp des Renault 5 Turbo 3E, der der Serienversion bereits recht nahekommt.
Seine beiden in die Hinterräder integrierten Elektromotoren leisten zusammen 408 kW. Renault gibt ein Drehmoment von 4800 Nm an. Dieser Wert wird über die Radnabenmotoren an den Rädern berechnet und ist nicht mit dem üblichen Drehmoment an der Abtriebswelle eines Motors vergleichbar.
Mit diesem technischen Aufbau lässt sich jedes Hinterrad unabhängig ansteuern und das Antriebsmoment sehr schnell verteilen.
Twingo erhält Glasdach, Rafale ein Sondermodell
Der Twingo E-Tech Electric erhält das 0,7 m² große Panorama-Glasdach Twingobay. Laut Renault filtert das mehrschichtige Glas 99,9 % der UV-Strahlung und verringert die Auswirkungen der Infrarotstrahlung, sodass eine separate Sonnenblende nicht nötig ist.
Die Rafale-Baureihe erhält unterdessen das Sondermodell Hypnotic auf Basis des 221 kW starken Hyper Hybrid E-Tech 4x4 Atelier Alpine.
Renault zeigt außerdem das elektrische Zweisitzer-Konzept Renault 8 Gordini Concept und das allradgetriebene Renault 4 JP4x4 Concept.
Paris markiert eine neue Etappe in Renaults Elektrostrategie
Der technisch bedeutendste Teil von Renaults Auftritt in Paris ist nicht ein einzelnes Modell, sondern die Akkustrategie.
Indem Renault die LFP-Chemie auf die Modellfamilien Megane, Scenic, Renault 5, Renault 4 und Twingo ausweitet, kann der Hersteller die Produktionskosten von Elektroautos senken, ohne dabei in die Kurzstreckenfalle zu geraten.
Zugleich zeigt das E-Space Concept, mit welcher Karosserieform und Raumnutzung ein künftiges größeres Familienauto diese Technik einsetzen könnte.
Wenn Renault die geringeren Kosten der LFP-Akkus tatsächlich an die Kundschaft weitergeben kann, hätte das für Europas Elektroautomarkt deutlich größere Auswirkungen als ein weiteres Spitzenmodell mit 500 kW.