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Porsche könnte den elektrischen Mission X auf Eis legen und stattdessen einen V8-Supersportwagen bauen
Porsches nächster Supersportwagen könnte etwas weitaus Interessanteres bekommen als eine weitere vierstellige Kilowattleistung: einen Achtzylinder-Boxermotor. Informationen aus Deutschland zufolge entwickelt Porsche unter dem Codenamen S1 ein neues Spitzenmodell, das oberhalb des 911 positioniert sein und rund 500.000 Euro kosten soll.
Sollten sich die Informationen als zutreffend erweisen, wäre das eine erhebliche Kehrtwende. Porsche präsentierte den Mission X 2023 als elektrischen Technologieträger und möglichen Nachfolger von 959, Carrera GT und 918 Spyder. Nun könnte ein Auto mit Verbrennungsmotor denselben Platz in der Modellpalette einnehmen.
Acht Zylinder, aber nicht in V-Anordnung
Porsche setzt im 911 traditionell auf Sechszylinder-Boxermotoren, hat bislang jedoch noch keinen Achtzylinder-Boxermotor in einem straßenzugelassenen Serienfahrzeug verbaut.
In der Geschichte von Porsche ist ein solcher Antrieb allerdings nicht unbekannt. Unter anderem nutzten Rennwagen diese Bauart, in ein Straßenfahrzeug schaffte sie es jedoch nicht.
Technisch ist diese Lösung für einen Supersportwagen reizvoll. Ein Motor mit horizontal gegenüberliegenden Zylindern baut flach und ermöglicht dadurch einen niedrigeren Schwerpunkt. Nachteile sind seine beträchtliche Breite und die Tatsache, dass die Unterbringung von zwei zusätzlichen Zylindern deutlich schwieriger ist als bei einem Sechszylinder-Boxermotor.
RUF war Porsche voraus
Besonders pikant wird die Geschichte durch RUF. Der deutsche Kleinserienhersteller stellte in diesem Jahr in Goodwood seinen eigenen 4,8-Liter-B8-Boxermotor mit Biturbo-Aufladung vor, der mehr als 735 kW und 1.000 Nm leistet. RUF baute ihn in einen verlängerten CTR3-Versuchsträger ein; das Triebwerk ist für einen künftigen Supersportwagen vorgesehen.
Bislang gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass der mutmaßliche Motor von Porsche technisch mit dem B8 von RUF zusammenhängt.
Dennoch entsteht dadurch eine ungewöhnliche Situation: Sollte Porsche tatsächlich ein Straßenfahrzeug mit einem Achtzylinder-Boxermotor bauen, wäre das Unternehmen nicht mehr der erste deutsche Sportwagenhersteller, der diese Idee in der Neuzeit wieder aufgreift.
Die elektrische Zukunft des Mission X ist nicht mehr so sicher
Die größte Bedeutung des S1 geht über seinen Antrieb hinaus. Porsches Elektrifizierungspläne sind in den vergangenen Jahren recht heftig mit der Realität kollidiert. Absatz und Profitabilität des Unternehmens stehen unter Druck, während die Schwäche auf dem chinesischen Markt und der schwieriger als erwartet verlaufende Umstieg auf Elektroautos Porsche zu einer Neubewertung seiner Strategie gezwungen haben.
Das bedeutet nicht, dass Porsche Elektroautos aufgibt. Der Verbrennungsmotor gilt jedoch nicht mehr nur als vorübergehendes Ärgernis, das es bis zum kommenden Jahrzehnt zu ertragen gilt.
Der aktuelle 911 Turbo S ist ein guter Hinweis darauf, welchen Kurs Porsche zuletzt eingeschlagen hat. Sein 3,6-Liter-T-Hybrid-Sechszylinderboxer leistet 523 kW, beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 320 km/h. Der S1 dürfte noch darüber angesiedelt sein. Sollte im Zentrum eines rund eine halbe Million Euro teuren Supersportwagens tatsächlich ein eigens entwickelter Achtzylinder-Boxermotor stehen, dürfte Porsches Ziel kaum darin bestehen, einfach nur einen weiteren, schnelleren 911 zu bauen.
Vielmehr wäre er ein Nachfolger des 918 Spyder für eine Zeit, in der Porsche nach dem elektrischen Mission X erkannt hat, dass der gute alte Verbrennungsmotor sehr wohl noch gut zu einer äußerst wohlhabenden Kundschaft passen könnte.