Chinesische Marken stellen fast die Hälfte der Kandidaten für das World Car of the Year 2027
Chinas Vorstoß auf den globalen Automarkt zeigt sich besonders deutlich bei der Auswahl für das World Car of the Year 2027. Mit Stand vom 29. September umfasste die offizielle Liste 55 Modelle, 27 davon mit Marken chinesischer Herkunft. Das entspricht 49 Prozent der Gesamtauswahl. Finalisten sind sie allerdings noch nicht.
Die Liste der World Car Awards reicht von BYD, Changan und Geely bis zu zahlreichen Untermarken von XPeng, Leapmotor, Zeekr und Chery. Die 27 chinesischen Fahrzeuge verteilen sich unter anderem auf BYD, Changan Nevo, Chery, Deepal, Exeed, GAC Aion, Geely, iCAUR, Jetour, Leapmotor, Lepas, Lynk & Co, MG, Omoda, Onvo, XPeng und Zeekr.
Für Finalisten ist es noch zu früh
Die aktuelle Liste mit 55 Fahrzeugen umfasst Modelle, die die Teilnahmebedingungen erfüllen – nicht jene, die die Jury bereits zu den besten gewählt hat. Für das World Car of the Year muss ein Modell in einer Stückzahl von mindestens 10.000 Fahrzeugen pro Jahr produziert werden, preislich unterhalb von Luxusautos liegen und zwischen dem 1. Januar 2026 und dem 19. März 2027 in mindestens zwei wichtigen Märkten auf zwei Kontinenten verkauft werden.
Die Jury wird die Autos bis zum Jahresende testen. Die zehn Finalisten werden am 5. Januar 2027 bekannt gegeben, die letzten drei Ende Februar. Der Sieger wird am 24. März auf der New York International Auto Show gekürt.
Die große Zahl chinesischer Autos bedeutet daher nicht automatisch, dass sie bei der Abstimmung ähnlich erfolgreich sein werden. Sie zeigt aber, wie viele chinesische Hersteller inzwischen eine durchaus anspruchsvolle Bedingung des Wettbewerbs erfüllen können: dasselbe Modell auf mehreren Kontinenten zu verkaufen.
China tritt nicht mehr nur mit einem günstigen Elektroauto an
Noch vor wenigen Jahren wurden chinesische Autoexporte vor allem mit günstigeren Elektroautos verbunden. Die Liste für 2027 ist deutlich vielfältiger. Der kleine Geely EX2, der Leapmotor T03, der MG4 EV Urban und der GAC Aion UT stehen neben größeren Modellen von Deepal, Exeed und Jetour. Am oberen Ende des Angebots finden sich der Lynk & Co 900, der XPeng P7+ und der Zeekr 8X. Die Antriebe reichen von rein elektrischen Fahrzeugen über Plug-in-Hybride bis zu Modellen mit Range Extender.
Noch aufschlussreicher ist, dass die Zahl 27 vorsichtig angesetzt ist. Der Volvo EX60 und die Modelle von Polestar gehören zum Industriekonzern unter Geelys Kontrolle, die technische Basis des Mazda CX-6e/EZ-60 verbindet das Modell mit Changan, und mehrere Modelle von Nissan und General Motors werden mit Unterstützung chinesischer Joint Ventures entwickelt. Sie schlicht als „chinesische Autos“ zu bezeichnen, würde die Herkunft der Marken verzerren. Der tatsächliche Einfluss von Chinas Entwicklungs- und Produktionsbasis auf die Liste ist jedoch noch größer.
Für europäische Hersteller wird es schwieriger
Europa hat durchaus etwas entgegenzusetzen. Zu den Kandidaten zählen der BMW i3, der Cupra Raval, der DS N°7, die neue elektrische C-Klasse und der elektrische GLC von Mercedes-Benz, der Renault Filante und der Volvo EX60. Japanische und koreanische Hersteller halten mit dem Mazda CX-5, dem Lexus ES, dem Hyundai Ioniq 3 sowie einer ganzen Reihe von Modellen von Kia, Nissan und Subaru dagegen.
Chinas Vorteil liegt derzeit jedoch in der Breite des Angebots. Die Branche kann gleichzeitig einen kleinen Stadt-Kompaktwagen, ein Familien-SUV, ein Luxusmodell und ein großes SUV auf internationale Märkte bringen. Europäische Hersteller konkurrieren nicht mehr mit einem einzelnen BYD oder MG, sondern mit einem ganzen Netz von Herstellern und Untermarken.
Die Wettbewerbsergebnisse der vergangenen Jahre kamen zudem technologisch fortschrittlichen Elektroautos zugute. Die Gesamttitel gingen von 2022 bis 2026 der Reihe nach an den Hyundai Ioniq 5, den Hyundai Ioniq 6, den Kia EV9, den Kia EV3 und den BMW iX3. Eine chinesische Marke hat den Gesamttitel „World Car of the Year“ bislang nicht gewonnen. Der BYD Seagull gewann allerdings 2025 in der Kategorie Stadtauto, und Firefly, eine Untermarke von Nio, wiederholte diesen Erfolg 2026.
Die Liste für 2027 zeigt: Die Frage ist nicht mehr, ob chinesische Autos vom Rand der weltweiten Auswahl ins Hauptfeld vorrücken. Sie stellen bereits fast die Hälfte des Starterfelds.