1/2 Russlands Autoindustrie verblüfft die Konkurrenz erneut
Während in Amerika ein Tesla Roadster vorgeführt wurde, der abheben, in der Luft einen Salto schlagen und wieder auf seinen Rädern landen kann, feierte Russland einen weiteren technischen Durchbruch im Automobilbau. AvtoVAZ gelang etwas fast Unglaubliches: Das Unternehmen stellte einen neuen Niva Bronto vor, dessen Motor ganze sieben PS mehr leistet. Neue Getränkehalter setzen dem Ganzen die Krone auf.
Am selben Tag, an dem Tesla in Texas einen Roadster mit Druckluftdüsen auf Basis von SpaceX-Technologie zeigte, der in weniger als zwei Sekunden auf 96 km/h beschleunigen kann, erfuhren russische Autofans von einem überarbeiteten Niva Bronto. Die Leistung seines 1,7-Liter-Motors steigt von 83 auf 90 PS.
Das ist immerhin ein Leistungszuwachs von ganzen 8,4 Prozent! Bei diesem Tempo könnte der Niva schon in wenigen Jahrzehnten die Leistung eines modernen Sportwagens erreichen. Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin niemand weitere Elektroautos, fliegende Autos oder überhaupt irgendwelche neuen Autos erfindet.
AvtoVAZ beließ es auch nicht beim Motor. Der überarbeitete Niva Bronto erhielt zudem verbesserte Bremsen und einen Fahrerairbag. Letzterer ist eine besonders bemerkenswerte Errungenschaft, schließlich haben die meisten Autohersteller weltweit dieses revolutionäre Sicherheitsmerkmal schon im vergangenen Jahrhundert eingeführt. Und falls potenzielle Käufer noch zweifeln, lässt sich die Tür öffnen, um die neuen Getränkehalter zu zeigen. Damit dürfte jede Unentschlossenheit verfliegen.
Der Preis für all das liegt bei rund 15.000 €. Man könnte von einer echten technischen Zeitmaschine sprechen: Käufer erhalten einen Geländewagen mit einem Design aus den 1970er-Jahren, einem nun etwas stärkeren Motor und endlich auch einem Airbag zum Schutz des Fahrers.
Fairerweise muss man sagen, dass sich der Niva über die Jahrzehnte im Gelände durchaus bewährt hat. Das ändert aber nichts daran, dass zu einer Zeit, in der die Konkurrenz an neuen Antrieben, Software und autonomem Fahren arbeitet, sieben zusätzliche PS zu den bemerkenswertesten Ankündigungen von AvtoVAZ zählen.
Die Welteroberung beginnt in Dubai. Zumindest auf dem Papier
Die Ambitionen von AvtoVAZ beschränken sich keineswegs auf den russischen Markt. Seit Jahren spricht das Unternehmen davon, seine Exportmärkte auszuweiten. Als eines der besonders prestigeträchtigen Ziele wurden die Vereinigten Arabischen Emirate ausgewählt.
2024 versprach AvtoVAZ-Chef Maksim Sokolov, dass an Dubais berühmter Straße für den Autoverkauf eine Lada-Vertretung eröffnen werde – dort, wo auch Ferrari und Lamborghini Niederlassungen haben.
Die Idee war zweifellos hervorragend. Man stelle sich einen wohlhabenden Kunden in Dubai vor, der sich einen neuen Lamborghini kaufen will und nebenan einen Niva entdeckt. Wenige Minuten später steht die Entscheidung fest: Warum Hunderttausende Euro für einen italienischen Supersportwagen ausgeben, wenn ein russischer Geländewagen ein weitaus eindrucksvolleres Fahrerlebnis bietet?
Leider lief die Welteroberung nicht ganz nach Plan.
Im November 2024 ging die Website von Lada für die Vereinigten Arabischen Emirate online, mit Modellen und Preisen. Ein Lada Granta kostete 71.400 Dirham, ein Vesta 88.700 Dirham. Auch der Niva war nicht billig: Der Legend kostete 67.000 Dirham, der Travel 81.700 Dirham.
Die Veröffentlichung der Preise sorgte für einige Verlegenheit. In manchen Fällen waren Ladas teurer als vergleichbare Modelle von Kia und Toyota. Das ist natürlich völlig verständlich: Exklusivität hat ihren Preis, und ein Toyota ist in Dubai vermutlich längst viel zu gewöhnlich. Wenige Tage nachdem die Preise in russischen Medien aufgetaucht waren, funktionierte die lokale Lada-Website nicht mehr. Statt Autos sahen Besucher einen schwarzen Bildschirm mit der Aufschrift „Coming soon“. Inzwischen ist die Website ganz verschwunden.
Vermutlich hatte jemand erkannt, dass Kunden noch etwas mehr Vorbereitung brauchen, bevor man ihnen ein solches technisches Erbe verkauft.
Bentley, Rolls-Royce und Lada. Wer passt nicht dazu?
Im April 2025 kam dann allerdings der lang ersehnte Durchbruch. Ein Lada-Showroom eröffnete in Dubai, und in den Medien erschienen Fotos. Und was für Fotos!
Ein Lada Iskra und ein Niva Sport standen im selben Showroom wie gebrauchte Luxusautos, darunter ein Bentley Bentayga, ein Lamborghini Urus, ein Rolls-Royce Cullinan und ein Mercedes-AMG GT.
Eine solche Kombination sieht man nicht alle Tage. In einem Showroom waren verschiedene Epochen des weltweiten Automobilbaus vertreten: von handgefertigten Luxusautos bis zu Modellen, deren Wurzeln tief in der Sowjetunion liegen. Die Preise für Lada hatten sich inzwischen leicht verändert, doch für einen Niva Legend wurden weiterhin mindestens 65.000 Dirham verlangt. Die Autos waren damit etwa 50 Prozent teurer als auf ihrem Heimatmarkt.
Umso interessanter war, dass die ausgestellten Fahrzeuge nicht richtig an den lokalen Markt angepasst waren. Sie trugen russischsprachige Beschriftungen, die erforderlichen Warnhinweise auf Arabisch fehlten, und auf einigen Nivas klebten sogar Aufkleber, laut denen das Fahrzeug nicht zum Verkauf stand. Dieses letzte Detail war wahrscheinlich das Ehrlichste an der gesamten Präsentation.
Journalisten konnten zunächst nicht feststellen, ob es sich um einen offiziellen Verkaufsbetrieb oder lediglich um eine Ausstellung handelte. AvtoVAZ erklärte, der Verkauf werde in ein paar Tagen beginnen. Dort scheint man Zeit allerdings anders zu rechnen.
Im Dezember 2025 traf die erste offizielle Fahrzeuglieferung in Dubai ein, und das Unternehmen kündigte an, die vollständige Eröffnung der Niederlassung sei für 2026 geplant.
Lada hat inzwischen eine lokale Website und einen Showroom in Dubai. Bis Oktober gab es jedoch keine Bestätigung dafür, dass der angekündigte Verkauf begonnen hatte oder überhaupt Fahrzeuge verkauft worden waren.
Anders gesagt: Fast zweieinhalb Jahre nach der großen Ankündigung bleiben die Ergebnisse des Versuchs, die Welt zu erobern, zumindest bescheiden.
Die Welt erobern, sieben PS auf einmal
Die Lage von AvtoVAZ bietet dennoch Anlass zu Optimismus. Lada hat es geschafft, den Niva fast ein halbes Jahrhundert lang in Produktion zu halten, und ihm nun sogar einen Airbag und sieben zusätzliche PS spendiert.
Natürlich gibt es auch beim Tesla Roadster Gründe zur Vorsicht. Die Flugvorführung des Autos fand unter kontrollierten Bedingungen statt, mit dem Beginn der Serienproduktion wird erst 2028 gerechnet, und es ist noch völlig offen, wie viel von der gezeigten Technik am Ende bei den Kunden ankommt.
Aber immerhin haben sich die Amerikaner ein Auto zum Ziel gesetzt, das der Schwerkraft trotzt. Russlands Ziele sind deutlich bodenständiger. Dort geht es vorerst darum, dem Lauf der Zeit zu trotzen. Und darin ist der Lada Niva tatsächlich Weltklasse.