BMW bezeichnete einen alten Toyota Corolla als langweilig – und erntete heftigen Gegenwind von Autofans
BMW wollte seine neue Designsprache auf Kosten eines Toyota Corolla aus den 1990er-Jahren bewerben und bezeichnete die japanische Limousine als langweilig. In den sozialen Medien fiel die Reaktion jedoch gegenteilig aus: Autofans verteidigten den alten Toyota und kritisierten stattdessen das Design der jüngsten BMW-Modelle. Die Werbekampagne zeigte, dass ein modernes, auffälliges Design nicht unbedingt mehr Zustimmung findet als ein schlichtes Familienauto von vor Jahrzehnten.
Ein 35 Jahre alter Corolla erwies sich als unerwarteter Rivale
BMW startete am 29. Oktober seine internationale Werbekampagne „Made Different. To Feel Different“. Damit wollte die Marke ihre Eigenständigkeit und ihre auf Fahrfreude ausgerichtete Philosophie betonen.
In einem Instagram-Beitrag stellte BMW ein KI-generiertes Bild einer Limousine, die einem Toyota Corolla aus den 1990er-Jahren ähnelt, der Frontpartie eines SUV der neuen Generation gegenüber. Das alte Auto erhielt die Aufschrift „Boring“ („langweilig“), während der BMW für eigenständiges Design stand.
Laut Carscoops ähnelt das abgebildete Auto am ehesten dem Toyota Corolla der siebten Generation (E100), der von 1991 bis 1997 gebaut wurde. Die japanische Limousine hat rechteckige Halogenscheinwerfer, einen schlichten Kühlergrill und unlackierte Kunststoffstoßfänger.
Die Kommentierenden bevorzugten stattdessen den Toyota
BMWs Botschaft löste nicht die erhoffte Reaktion aus. Viele Kommentierende lobten das zurückhaltende, zeitlose Erscheinungsbild des Corolla und argumentierten, dass vielmehr die neuen BMW-Modelle ihre gestalterische Identität verloren hätten.
Ein Nutzer brachte den Widerspruch mit den Worten „Nicht langweilig, sondern klassisch“ auf den Punkt. Andere schlugen vor, BMW solle die Beschriftungen der beiden Autos vertauschen.
Auch das KI-generierte Werbebild stieß auf Kritik. Einige Nutzer warfen BMW vor, bewusst eine Reaktion zu provozieren, um in den sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
BMW fand allerdings auch Unterstützer, wenngleich einige von ihnen stattdessen ältere Modelle der Marke wie den E30 und den E39 als Beispiele anführten.
BMW stieß auf ein Problem mit dem eigenen Design
Interessant an dem Vorfall sind die sehr unterschiedlichen Ansätze der beiden Autohersteller.
Der Toyota Corolla E100 entstand zu einer Zeit, als Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit und ein angemessener Preis die wichtigsten Verkaufsargumente für ein erschwingliches Familienauto waren. Sein Design musste nicht provozieren.
BMW dagegen hat seinen Ruf über Jahrzehnte mit sportlichem Fahrverhalten und einem wiedererkennbaren Design aufgebaut. Die neue Designsprache der Neuen Klasse soll diese Identität weiterentwickeln, wird aber unterschiedlich aufgenommen.
Auf dem europäischen Markt steht BMW sowohl durch traditionelle Premiummarken als auch durch chinesische Hersteller von Elektroautos unter zunehmend starkem Wettbewerbsdruck. Ein eigenständiges Design ist deshalb wichtig, doch die Aufmerksamkeit von Käufern zu gewinnen bedeutet nicht automatisch, auch ihre Zustimmung zu finden.
Die größte Schwäche von BMWs Werbung liegt in der Logik des Vergleichs selbst. Eine neue Luxuslimousine einem 35 Jahre alten günstigen Familienauto gegenüberzustellen, belegt keine gestalterische Überlegenheit: Die Autos wurden für völlig unterschiedliche Käufer und Zwecke entwickelt.
Zudem hat die Schlichtheit des Corolla die Zeit gut überdauert. Ob das markante Design der aktuellen BMW-Modelle zum Klassiker wird oder eine vorübergehende Modeerscheinung seiner Zeit bleibt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.