Toyota ruft mehr als 100.000 Land Cruiser wegen Brandgefahr zurück
Toyota ruft in den USA 105.794 Geländewagen des Typs Land Cruiser 250 zurück, weil sich eine Verbindung im Kraftstoffsystem lösen und einen Brand auslösen könnte. Für den japanischen Autohersteller ist besonders unangenehm, dass er trotz fast zweijähriger Untersuchung nicht klären konnte, warum sich der Sicherungsclip der Kraftstoffleitung verschiebt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, bringt Toyota nun einen zusätzlichen Clip an der betroffenen Verbindung an.
Kleiner Clip, große Brandgefahr
Nach Angaben der US-Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) umfasst der Rückruf Toyota Land Cruiser 250 der Modelljahre 2024 bis 2027, die zwischen dem 29. November 2023 und dem 1. Oktober 2026 gebaut wurden. Toyota startete die Sicherheitsaktion am 14. Oktober, die NHTSA veröffentlichte die Einzelheiten am 21. Oktober.
Das Problem liegt an einer Schnellkupplung in der Nähe des Kraftstofftanks, die eine Kraftstoffleitung aus Kunststoff mit einem Metallrohr verbindet. Das Sicherungselement der Kupplung kann sich nach oben verschieben, sodass sich die Leitung möglicherweise aus der Verbindung löst.
Solange der Benzinmotor läuft, fördert die Kraftstoffpumpe weiter Kraftstoff, bis sich der Motor automatisch abschaltet. In dieser Zeit kann eine erhebliche Menge Benzin unter das Fahrzeug gelangen. Kommt der Kraftstoff mit einer Zündquelle in Kontakt, besteht Brandgefahr.
Toyota konnte die Ursache nicht ermitteln
Besonders rätselhaft ist, dass Toyotas Ingenieure das Problem unter Laborbedingungen nicht reproduzieren und weder an der Kraftstoffleitung noch an ihrem Sicherungsmechanismus einen offensichtlichen Konstruktionsfehler finden konnten.
Im Zuge der Untersuchung prüfte das Unternehmen rund 600 Kundenfahrzeuge, deren Besitzer keine Probleme gemeldet hatten. Nur bei einem Fahrzeug fanden die Ingenieure ein verschobenes Sicherungselement. Die Kraftstoffleitung war jedoch weiterhin angeschlossen und nicht undicht.
Bis Anfang Oktober waren bei Toyota in den USA 64 Garantieansprüche und 23 technische Berichte im Zusammenhang mit der Verbindung eingegangen.
Da die genaue Ursache weiterhin unbekannt ist, entschied Toyota, alle betroffenen Fahrzeuge zurückzurufen, um das mögliche Risiko auszuschließen.
Die Händler werden die Kraftstoffleitungsverbindung prüfen und einen zusätzlichen Sicherungsclip anbringen. Falls nötig, tauschen die Mechaniker auch die Kunststoffleitung aus. Toyota übernimmt sämtliche Kosten und beginnt Ende November damit, die Fahrzeughalter zu benachrichtigen.
Das Problem betrifft vor allem nordamerikanische Hybridmodelle
Auf dem US-Markt wird der Land Cruiser 250 ausschließlich mit einem 2,4-Liter-Turbobenziner in Verbindung mit dem Hybridsystem i-FORCE MAX angeboten. Die Systemleistung beträgt 243 kW, das Drehmoment 630 Nm. Der Elektromotor sitzt zwischen der Achtgang-Automatik und dem Verbrennungsmotor.
Der europäische Land Cruiser unterscheidet sich deutlich davon. Die westeuropäischen Modelle nutzen einen 2,8-Liter-Turbodiesel mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem. Der Dieselmotor leistet 151 kW und entwickelt 500 Nm Drehmoment.
Der Rückruf in den USA bedeutet daher nicht automatisch, dass für den europäischen Markt bestimmte Land Cruiser vom selben Problem betroffen sind. Halter in Europa sollten die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (VIN) dennoch in Toyotas offizieller Rückrufdatenbank überprüfen, insbesondere wenn das Fahrzeug aus Nordamerika importiert wurde.
Das Problem beschränkt sich nicht auf die USA. Toyota führt auch in Kanada einen ähnlichen Rückruf durch. Dort müssen 6.721 Land Cruiser überprüft werden.
Der Land Cruiser hat sich über Jahrzehnte einen Ruf für Langlebigkeit und Zuverlässigkeit erworben. Umso bemerkenswerter ist, dass nun ein einzelnes Sicherungselement einer Kraftstoffleitung die Sicherheit von mehr als 100.000 Fahrzeugen infrage stellt – und der Hersteller selbst dessen Verhalten nicht vollständig erklären kann.