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Mercedes-Benz sieht keinen Sinn in Elektroautos mit Range Extender

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 22.10.2026

Während chinesische Autohersteller zunehmend stärker in Elektroautos mit Range Extender investieren, plant Mercedes-Benz nicht, die Technik zu übernehmen. Der deutsche Hersteller ist überzeugt, dass seine aktuellen Plug-in-Hybride die Bedürfnisse der meisten Kunden bereits erfüllen und ein Elektroauto mit zusätzlichem Generator keinen ausreichenden Vorteil böte. Mercedes hat die Technik bereits erprobt, die Entwicklung wegen hoher Kosten aber eingestellt.

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Mercedes hält seine aktuellen Plug-in-Hybride für ausreichend

Christoph Starzynski, Leiter der Produktstrategie bei Mercedes-Benz, sagte Motor1, das Unternehmen sehe bei seinen Kunden keine nennenswerte Nachfrage nach Elektroautos mit Range Extender, auch EREV genannt.

Laut Starzynski schaffen aktuelle Plug-in-Hybride mehr als 100 km rein elektrisch. Das reiche für die meisten Alltagsfahrten. Auf längeren Strecken können Fahrer den Benzinmotor nutzen; mehrere Plug-in-Hybride von Mercedes-Benz unterstützen zudem Gleichstrom-Schnellladen.

Der Mercedes-Benz E 300 e etwa bietet eine Systemleistung von 230 kW, eine 25,4-kWh-Batterie und je nach Ausstattung eine elektrische WLTP-Reichweite von 97 bis 116 km. Die Ladeleistung der Batterie beträgt bis zu 55 kW.

Für Mercedes-Benz ist die Frage einfach: Warum einen neuen Antrieb entwickeln, wenn der vorhandene bereits denselben Zweck erfüllt?

Starzynski bezweifelt, dass eine Steigerung der elektrischen Reichweite von rund 100 auf 320 km das Auto für Käufer attraktiv genug machen würde. Wer längere Strecken elektrisch zurücklegen wolle, könne sich seiner Ansicht nach für ein vollelektrisches Modell entscheiden.

Ein Range Extender ist technisch nicht besonders komplex

Ein Elektroauto mit Range Extender unterscheidet sich von einem herkömmlichen Plug-in-Hybrid in der Funktionsweise seines Antriebs.

Bei einem EREV treiben ausschließlich Elektromotoren die Räder an. Der Verbrennungsmotor treibt einen Generator an und erzeugt so Strom, um die Batterie zu laden oder die Elektromotoren zu versorgen. Eine mechanische Verbindung zwischen Benzinmotor und Rädern gibt es nicht.

Bei einem herkömmlichen Plug-in-Hybrid kann der Verbrennungsmotor dagegen auch direkt die Räder antreiben.

Der größte Vorteil eines Range Extenders ist, dass er das Fahrgefühl eines Elektroautos bietet und die Weiterfahrt mit Benzin ermöglicht, auch wenn die Batterie fast leer ist. Fahrer sind damit nicht allein auf das Ladenetz angewiesen.

Nachteile bleiben die zusätzlichen Komponenten und die Verluste bei der Energieumwandlung. Der Benzinmotor muss zunächst einen Generator antreiben, der Strom erzeugt. Anschließend wandelt der Antriebsmotor diese elektrische Energie wieder in mechanische Arbeit um. Gerade bei Autobahntempo kann dieses Konzept weniger effizient sein, als die Leistung des Verbrennungsmotors mechanisch direkt an die Räder zu übertragen.

Mercedes hat einen Range Extender bereits im EQS erprobt

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Die Haltung des deutschen Herstellers beruht nicht allein auf theoretischen Überlegungen. Mercedes-Benz entwickelte zuvor Testfahrzeuge auf Basis des EQS, in denen ein aufgeladener 1,0-Liter-Zweizylinder-Benzinmotor als Generator diente.

Im Wesentlichen handelte es sich dabei um eine Hälfte des 2,0-Liter-Vierzylindermotors M254 von Mercedes. Der kleine Motor erzeugte Strom, während ein 200 kW starker Elektromotor die Räder antrieb.

Einem Bericht der britischen Publikation Autocar aus dem Jahr 2024 zufolge beendete Mercedes das Entwicklungsprogramm, weil die Ingenieure den Range Extender als vergleichsweise teure Übergangstechnik einschätzten, deren kommerzielles Potenzial die Investition nicht rechtfertigte.

Chinesische Wettbewerber sehen das anders

Die Zurückhaltung von Mercedes-Benz unterscheidet sich deutlich von der Strategie chinesischer Autohersteller. In China sind Elektroautos mit Range Extender zu einer wichtigen Alternative sowohl zu herkömmlichen Plug-in-Hybriden als auch zu vollelektrischen Modellen geworden.

In Europa ist der Leapmotor C10 REEV ein Beispiel für diesen Ansatz. Die Hinterräder des SUV werden von einem 158 kW starken Elektromotor angetrieben, der von einer 28,4-kWh-Batterie und einem 1,5-Liter-Benzinmotor, der als Generator dient, mit Strom versorgt wird.

Seine elektrische WLTP-Reichweite beträgt bis zu 145 km. Mit dem Benzintank gibt der Hersteller eine Gesamtreichweite von mehr als 950 km an.

Dieser Vergleich zeigt auch, was für die Argumentation von Mercedes spricht: Die elektrische Reichweite des Leapmotor übertrifft den besten Wert des E 300 e um lediglich 29 km. Die Antriebe unterscheiden sich technisch erheblich, doch im Alltag muss der Unterschied nicht besonders groß sein.

Andererseits geht es bei einem Range Extender nicht unbedingt darum, die elektrische Reichweite zu maximieren. Sein größter Nutzen liegt darin, einen Elektroantrieb mit Unabhängigkeit von öffentlichen Ladestationen zu verbinden.

Ob die Technik auf dem europäischen Markt erfolgreich ist, hängt daher von den Nutzungsgewohnheiten und vom Preis ab. Für Käufer, die zu Hause laden können, kann ein Plug-in-Hybrid mit mehr als 100 km elektrischer Reichweite völlig ausreichen. In Gebieten mit unzureichender Ladeinfrastruktur kann ein Elektroauto mit Range Extender praktischer sein.

Mercedes-Benz hat sich entschieden, seine bestehenden Plug-in-Hybride weiterzuentwickeln und vollelektrische Modelle zu entwickeln. Seine chinesischen Wettbewerber müssen nun beweisen, ob ein Range Extender einen ausreichend großen Vorteil bietet, um die zusätzliche technische Komplexität zu rechtfertigen.