Toyota will Autos mit Verbrennungsmotor rechtlich als emissionsfrei einstufen lassen
Toyota schlägt der Europäischen Union eine weitreichende Lösung vor, mit der Autos mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 ihren Platz auf dem Markt behalten könnten. Der japanische Autobauer will, dass Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen fahren, rechtlich denselben Status als emissionsfreie Fahrzeuge erhalten wie Elektroautos. Ein Widerspruch bleibt: Aus ihren Auspuffen kommt weiterhin Kohlendioxid.
Toyota will die Berechnung von Emissionen ändern
Am 16. Oktober legte Toyota den Gesetzgebern der Europäischen Union einen Vorschlag für eine neue Fahrzeugkategorie vor: VEEF (Vehicles running Exclusively on Eligible Fuels). Sie soll Autos mit Verbrennungsmotor umfassen, die ausschließlich mit entsprechend zugelassenen erneuerbaren Kraftstoffen fahren.
Nach dem offiziellen Vorschlag von Toyota Motor Europe könnten diese Fahrzeuge anhand der CO₂-Bilanz des Kraftstoffs über dessen gesamten Lebenszyklus als emissionsfrei eingestuft werden, statt allein anhand der CO₂-Menge, die aus dem Auspuff kommt.
Der Ansatz beruht auf der Herstellung erneuerbarer Kraftstoffe aus organischen Abfällen, Biomasseresten oder Ausgangsstoffen, die mithilfe erneuerbarer Energie synthetisiert werden. Bei der Verbrennung dieser Kraftstoffe entsteht zwar CO₂, die gesamte CO₂-Bilanz ihrer Herstellung und Nutzung kann aber deutlich günstiger ausfallen als bei fossilen Kraftstoffen.
Ein erneuerbarer Ursprung bedeutet allerdings nicht automatisch CO₂-Neutralität. Das Ergebnis hängt von der Herkunft der Rohstoffe, dem Herstellungsprozess, dem Energieverbrauch und dem Transport ab. Auch andere Schadstoffe, die bei Verbrennungsmotoren entstehen, darunter Stickoxide, bleiben ein Problem.
Toyota will also vor allem die rechtliche Einstufung der Fahrzeuge ändern. Das Unternehmen behauptet nicht, dass ein mit erneuerbarem Kraftstoff betriebener Motor keine Abgase mehr ausstößt.
BMW und Toyota erproben den Ansatz in Spanien
Der Vorstoß beschränkt sich nicht auf Vorschläge an die Gesetzgeber. Im Juli starteten Toyota, BMW, Bosch und Repsol in Spanien ein sechsmonatiges Pilotprojekt mit rund 20 Fahrzeugen der Marken Toyota, Lexus, BMW und MINI.
Die Autos fahren ausschließlich mit dem erneuerbaren Benzin Nexa 95 von Repsol. Laut den Herstellern kann es ohne technische Änderungen in bestehenden Benzinmotoren verwendet werden.
Ein wichtiger Bestandteil des Pilotprojekts ist das digitale System von Bosch zur Überwachung des verwendeten Kraftstoffs. Es erfasst Daten aus den Fahrzeugen, von Tankstellen und aus Tankkartentransaktionen. So soll überprüft werden können, ob die Autos tatsächlich ausschließlich mit entsprechend zugelassenem erneuerbarem Kraftstoff betankt werden.
Toyota und seine Partner wollen zeigen, dass sich die Nutzung erneuerbarer Kraftstoffe mit dem bestehenden Fahrzeugbestand und Tankstellennetz zuverlässig nachverfolgen lässt. Die Unternehmen haben die Ergebnisse des Versuchs noch nicht veröffentlicht.
Die größten Hürden sind die Kontrolle und die Verfügbarkeit des Kraftstoffs
Damit die VEEF-Kategorie funktioniert, muss Toyota zwei wesentliche Probleme lösen.
Erstens muss sichergestellt sein, dass ein als emissionsfrei eingestuftes Auto nicht mit herkömmlichem fossilem Benzin fährt. Eine digitale Tankhistorie kann einen Verstoß möglicherweise aufdecken, verhindert aber nicht, dass der falsche Kraftstoff in den Tank gelangt. Ein verlässliches System würde daher zusätzliche technische Kontrollen oder Beschränkungen beim Tanken erfordern.
Zweitens muss entsprechend zugelassener erneuerbarer Kraftstoff in ausreichender Menge und zu einem wettbewerbsfähigen Preis verfügbar sein. Die derzeitigen Produktionsmengen können keinen erheblichen Teil der europäischen Benzinnachfrage decken. Zudem konkurriert der Straßenverkehr bei erneuerbaren Kraftstoffen mit der Luft- und Schifffahrt, wo die Elektrifizierung schwieriger ist.
Europa bereitet eine Lockerung der Vorgaben für 2035 vor
Toyotas Vorschlag kommt zu einer Zeit, in der die Europäische Union die CO₂-Grenzwerte für Neuwagen überprüft.
Nach den derzeitigen Regeln müssen Autohersteller die durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Pkw bis 2035 gegenüber dem Referenzwert von 2021 um 100 Prozent senken. Im Dezember 2025 schlug die Europäische Kommission vor, das Ziel auf 90 Prozent zu reduzieren und einen Ausgleich der verbleibenden Emissionen durch den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe und von Stahl mit einer günstigeren CO₂-Bilanz zuzulassen.
Vor wenigen Tagen erzielten Unterhändler dreier großer Fraktionen im Europäischen Parlament eine vorläufige Einigung, nach der das Ziel für 2035 um bis zu 87,5 Prozent gesenkt würde. Die Einigung muss jedoch noch politisch gebilligt und mit den Mitgliedstaaten ausgehandelt werden.
Toyotas Vorschlag ginge über diese Lockerungen hinaus: Autos mit Verbrennungsmotor, die mit erneuerbarem Kraftstoff fahren, könnten damit rechtlich als emissionsfreie Fahrzeuge eingestuft werden.
Für den Hersteller steht mehr auf dem Spiel als nur die Zukunft der Verbrennungsmotoren. Entsprechende Regeln würden es ihm ermöglichen, bestehende Antriebe und Produktionstechnologien weiter zu nutzen, während der Druck sinkt, rasch allein auf Elektroautos umzustellen.
Für Käufer in Europa könnte das langfristig eine größere Auswahl an Antrieben bedeuten. Ob daraus auch ein tatsächlicher Nutzen für die Umwelt entsteht, hängt jedoch von den Produktionsmengen und Preisen erneuerbarer Kraftstoffe sowie von deren überprüfter CO₂-Bilanz ab.