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Avis forderte 3.760 Euro für angeblich 29.000 Kilometer in einer Woche

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Der Autovermieter Avis berechnete einem Kunden in Kanada zusätzlich rund 3.760 Euro, weil er mit dem Mietwagen innerhalb von sieben Tagen angeblich fast 29.000 Kilometer zurückgelegt hatte. Dafür hätte er die ganze Woche über ohne Tank-, Essens- oder Schlafpause durchschnittlich 172 km/h fahren müssen. Obwohl die Zahlen offenkundig unrealistisch waren, hielt Avis die Forderung zunächst für berechtigt. Erst nach einer Medienanfrage räumte das Unternehmen den Fehler ein.

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In sieben Tagen fast drei Viertel des Erdumfangs

Der in Toronto lebende Yuehao Huang flog am 11. September nach Montreal, mietete bei Avis ein Auto und brach mit Familienmitgliedern, die zu Besuch waren, zu einem einwöchigen Urlaub auf. Die Route führte über Montreal, Mont-Tremblant und Ottawa, bevor sie durch die Region Québec weiterging.

Der Standortverlauf auf Huangs Handy wies für die gesamte Reise eine Strecke von rund 1.400 Kilometern aus. Darin waren auch zu Fuß zurückgelegte Strecken enthalten.

Nach seiner Rückkehr entdeckte Huang jedoch eine unerwartete Belastung seiner Kreditkarte. Zusätzlich zu einer Vorauszahlung von mehr als 640 Euro hatte Avis ihm rund 3.760 Euro berechnet.

Wie das investigative Verbrauchermagazin „Speakers Corner“ des kanadischen Senders CityNews berichtete, begründete der Autovermieter die Zusatzkosten damit, dass Huang die vereinbarte Kilometerzahl überschritten habe. Nach der Berechnung von Avis war Huang in sieben Tagen genau 28.933 Kilometer gefahren.

Eine einfache Rechnung zeigt, wie abwegig die Forderung war: Für diese Strecke hätte Huang jeden Tag mehr als 4.100 Kilometer fahren müssen. Über die gesamte Woche hinweg wäre dafür eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 172 km/h nötig gewesen – ohne auch nur eine Sekunde anzuhalten.

Huang wies zudem darauf hin, dass ein gewöhnlicher Pkw nach fast 29.000 Kilometern wahrscheinlich bereits eine planmäßige Wartung benötigen würde.

Avis hielt auch nach dem Widerspruch an der Forderung fest

Huang wandte sich umgehend an den Autovermieter und legte Belege für seine tatsächliche Route vor. Avis versprach, den Fall zu prüfen, doch auch nach Wochen erhielt er keine Rückerstattung. Als er erneut Kontakt aufnahm, forderte das Unternehmen ihn auf, seine Beschwerde noch einmal einzureichen.

Daraufhin beanstandete er die Belastung bei seinem Kreditkartenanbieter American Express. Auch das half nicht. Laut Huang teilte Avis dem Zahlungsdienstleister mit, die zusätzliche Forderung sei berechtigt.

Erst danach wandte sich Huang an Journalisten von CityNews.

Die Reaktion folgte rasch: Einen Tag nach der Anfrage der Journalisten räumte Avis ein, dass einem Mitarbeiter bei der Dateneingabe ein Fehler unterlaufen war. Der Autovermieter entschuldigte sich bei dem Kunden, versprach, die zu Unrecht berechneten Kilometerkosten zu erstatten, und kündigte an, seine internen Kontrollen zu verstärken, um ähnliche Fehler zu verhindern.

Das Unternehmen erklärte nicht, wie eine derart unrealistische Kilometerzahl seine ersten Kontrollen passieren konnte oder warum die wiederholten Beschwerden des Kunden das Problem nicht gelöst hatten.

Ein Foto hätte wochenlange Auseinandersetzungen ersparen können

Der Fall zeigt, wie schwierig es sein kann, selbst einen offensichtlichen Abrechnungsfehler zu korrigieren, wenn ein Autovermieter seinem eigenen System mehr vertraut als den Belegen eines Kunden.

Huang räumte ein, dass er bei der Rückgabe des Autos den Kilometerzähler fotografiert hatte, nicht aber zu Beginn der Mietzeit. Rückblickend hätte ein Vergleich der beiden Zählerstände deutlich aussagekräftigere Belege geliefert.

Dieser Rat gilt auch für Mietwagenkunden in ganz Europa. Bei Übernahme und Rückgabe eines Autos lohnt es sich, Kilometerstand, Tankfüllstand und Fahrzeugzustand zu dokumentieren. Besonders wichtig ist das bei Mietverträgen mit Kilometerbegrenzung, bei denen jeder zusätzliche Kilometer Mehrkosten verursachen kann.

In Huangs Fall versprach Avis zumindest, das Geld zu erstatten. Das Erstaunlichste an der Geschichte ist jedoch nicht die falsche Kilometerzahl, sondern dass ein internationaler Autovermieter erst nach dem Eingreifen von Journalisten einen offensichtlichen Rechenfehler eingestand.