1/16 Mercedes-Benz lässt zwei fahrende CLA kollidieren, um die E-Auto-Batterie einem Härtetest zu unterziehen
Mercedes-Benz hat einen ungewöhnlichen Crashtest durchgeführt: Zwei jeweils mehr als zwei Tonnen schwere CLA kollidierten mit jeweils 56 km/h in einem nachgestellten Kreuzungsunfall. Ein CLA Shooting Brake mit elektrifiziertem Antrieb traf die Fahrerseite eines vollelektrischen CLA. Trotz des heftigen Aufpralls blieben die Schutzstrukturen der Fahrgastzellen beider Autos intakt; auch die Hochvoltbatterie des Elektroautos blieb unversehrt.
Zwei Autos, acht Dummys und eine schwere Kollision
Am 20. Oktober führte Mercedes-Benz in seinem Sicherheitszentrum in Sindelfingen den weltweit ersten öffentlichen Hochgeschwindigkeits-Seitenaufpralltest mit zwei fahrenden Serienfahrzeugen durch.
Um einen schweren Kreuzungsunfall nachzustellen, ließen die Ingenieure einen CLA Shooting Brake im rechten Winkel in die Fahrerseite eines elektrischen CLA fahren. Keines der beiden Autos bremste vor dem Zusammenstoß.
Nach offiziellen Angaben von Mercedes-Benz liegt die gewählte Geschwindigkeit am oberen Ende dessen, was bei schweren Kreuzungsunfällen vorkommt. Ein Seitenaufprall stellt eine besondere Herausforderung dar, weil zwischen Tür und Insassen – anders als an der Fahrzeugfront – nur sehr wenig Raum bleibt, um Aufprallenergie aufzunehmen. Bei einem Elektroauto muss zudem die Hochvoltbatterie im Fahrzeugboden geschützt werden.
In jedem Auto saßen vier Crashtest-Dummys, die insgesamt vier Erwachsene und vier Kinder repräsentierten. Die Ingenieure überwachten pro Dummy bis zu 150 Messpunkte, um die Belastungen beim Aufprall und mögliche Verletzungen zu beurteilen.
Die Ergebnisse zeigten, dass die an allen acht Dummys gemessenen Belastungen unter den biomechanischen Grenzwerten blieben. Laut Mercedes-Benz deutet dies auf ein geringes Risiko schwerer oder lebensbedrohlicher Verletzungen hin.
Ein regulärer Euro-NCAP-Test bildet diese Situation nicht nach
Euro NCAP verwendet bei Seitenaufpralltests bewegliche Prüfbarrieren mit verformbaren Elementen sowie feststehende Pfosten. Der Versuch von Mercedes-Benz unterschied sich von der üblichen Testmethodik, weil sich beide an der Kollision beteiligten Fahrzeuge bewegten und ihre Strukturen die Verformung des jeweils anderen beeinflussten.
Mit einer Kollision zwischen zwei echten Autos lassen sich Situationen beurteilen, die standardisierte Tests nicht exakt nachbilden. Allerdings ist eine von einem Hersteller durchgeführte Demonstration nicht mit dem umfassenden Prüfprogramm eines unabhängigen Sicherheitstests vergleichbar.
Der neue CLA hatte seine Sicherheit bereits unter Beweis gestellt. Euro NCAP zeichnete das Elektromodell 2025 mit fünf Sternen aus und kürte es zum besten Auto des Jahres unter allen getesteten Fahrzeugen. Es erreichte 94 % beim Schutz erwachsener Insassen, 89 % beim Schutz von Kindern, 93 % beim Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer und 85 % bei den Sicherheitsassistenten.
Zum Vergleich: Der Volkswagen T-Roc, der ebenfalls fünf Sterne erhielt, erreichte 91 % beim Schutz erwachsener Insassen und 87 % beim Schutz von Kindern.
Batterie des Elektroautos beim Aufprall unbeschädigt
Für den elektrischen CLA war der Test besonders wichtig. Seine Hochvoltbatterie sitzt unter dem Fahrzeugboden; ein schwerer Seitenaufprall kann sowohl das Batteriegehäuse als auch die darin verbauten Komponenten beschädigen.
Mercedes-Benz bestätigte, dass die Batteriestruktur intakt blieb. Das zeigt, dass die Schutzsysteme des Elektroautos auch einer Situation standhalten können, in der ein anderes schweres Fahrzeug seitlich gegen die Karosserie prallt.
Der Test bestätigt zudem, dass sich die Sicherheit von Elektrofahrzeugen nicht allein anhand des Batterieschutzes beurteilen lässt. Ebenso wichtig sind die Verformungsbeständigkeit der Fahrgastzelle, die Funktion der Airbags und die Begrenzung der auf die Körper der Insassen wirkenden Kräfte.
Neues System soll Rettungskräfte über Unfälle informieren
Begleitend zum Crashtest stellte Mercedes-Benz außerdem sein neues System Rescue Intelligence vor, das das Unternehmen ab 2027 schrittweise einführen will.
Das System ermöglicht es Rettungskräften, bereits auf dem Weg zum Unfallort Informationen über das Fahrzeug und den Unfall zu erhalten. Je nach Situation und technischen Möglichkeiten können sie unter anderem die Zahl der Insassen, den Status von Airbags und Sicherheitsgurten, geöffnete Türen, die Batterietemperatur und den Status des Hochvoltsystems einsehen.
Ein solches System könnte sich gerade bei Unfällen mit Elektrofahrzeugen als wertvoll erweisen, bei denen Rettungskräfte Hochvoltkomponenten und mögliche Batterieschäden berücksichtigen müssen.
Die nächste Herausforderung für Mercedes-Benz besteht darin, diese Daten Rettungsdiensten in verschiedenen Ländern tatsächlich zugänglich zu machen. Auf dem europäischen Markt hängt der praktische Nutzen des Systems davon ab, wie schnell sich die örtlichen Notrufzentralen und Rettungsdienste an den neuen Datenaustausch anbinden können.