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Volkswagen ruft 2,16 Millionen Autos wegen möglichem Lenkausfall zurück

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 28.09.2026

Korrosion kann den Kopf einer Befestigungsschraube des Lenkgetriebes abbrechen lassen und im schlimmsten Fall zum Ausfall der Lenkung führen. Volkswagen ruft weltweit knapp 2,16 Millionen Golf, Tiguan, Touran, Caddy und Golf Variant zurück. Derselbe Konstruktionsfehler betrifft auch den Audi Q3 sowie den SEAT Ateca und Tarraco. Insgesamt umfassen die drei zugehörigen KBA-Rückrufe damit knapp 2,92 Millionen Fahrzeuge.

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Eine kleine Schraube, ein sehr großer Rückruf

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und Volkswagen verorten das Problem an der Befestigung des Lenkgetriebes. Unter bestimmten Umwelteinflüssen, insbesondere nach jahrelangem Kontakt mit Feuchtigkeit und Streusalz, kann die Befestigung zu korrodieren beginnen. Schreitet die Korrosion fort, kann der Schraubenkopf abbrechen. Das Lenkgetriebe ist dann nicht mehr wie vorgesehen befestigt. Im schlimmsten Fall könnte der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Dem KBA sind bislang keine Personen- oder Sachschäden im Zusammenhang mit dem Defekt bekannt.

Auf der Liste von Volkswagen stehen Tiguan, Touran, Golf, Golf Variant und Caddy, die zwischen dem 24. September 2013 und dem 1. Juli 2024 gebaut wurden. Weltweit sind potenziell 2.159.054 Fahrzeuge betroffen, davon 895.832 in Deutschland. Die KBA-Referenznummer lautet 17016R, der interne Aktionscode von Volkswagen 48VS.

Der lange Produktionszeitraum ist kein Zufall. Es handelt sich nicht um einen Mangel, der bei einem Neuwagen nach wenigen Tausend Kilometern zu erwarten wäre. Das Risiko steigt über einen langen Zeitraum, wenn Feuchtigkeit und Streusalz wiederholt auf die Befestigung einwirken. In Nordeuropa ist der Defekt deshalb besonders relevant: Winterliche Fahrten auf gestreuten Straßen entsprechen genau den Bedingungen, die Volkswagen selbst als eine Ursache des Problems nennt.

Mit Audi und SEAT sind es zusammen knapp 2,92 Millionen

Die 2,16 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen machen nur den Anteil der Kernmarke aus.

Audi ruft wegen eines gleichartigen Defekts 696.547 Q3 zurück, die zwischen dem 31. Oktober 2017 und dem 23. Mai 2024 gebaut wurden. In Deutschland sind 58.555 Fahrzeuge betroffen. Die KBA-Referenznummer lautet 17014R, der Aktionscode von Audi 48LG.

Bei SEAT kommen Ateca und Tarraco hinzu. Von den zwischen April 2016 und September 2024 produzierten Fahrzeugen sind weltweit potenziell 66.224 in den Rückruf einbezogen, darunter 43.574 in Deutschland. SEAT verwendet den Aktionscode 48T7 und die KBA-Referenznummer 17017R.

Die Zahlen der drei KBA-Rückrufe summieren sich auf 2.921.825 Fahrzeuge weltweit und 997.961 in Deutschland. Das Problem betrifft damit bereits den gesamten Konzern und nicht nur ein einzelnes Modell oder ein einzelnes Werk.

Das zeigt die Kehrseite der Größenvorteile eines großen Autokonzerns. Gemeinsame Konstruktionen und Bauteile helfen, Entwicklungs- und Produktionskosten im Griff zu behalten – im globalen Wettbewerb ist das unerlässlich. Erweist sich ein gemeinsam verwendetes Teil Jahre später jedoch als problematisch, kann selbst der Austausch einer einfachen Befestigungsschraube Millionen Fahrzeuge betreffen.

US-Rückruf zeigt, wie der Defekt entstehen kann

In Nordamerika startete Volkswagen Group of America im September einen separaten NHTSA-Rückruf mit der Nummer 26V590000 für 208.724 Fahrzeuge. Er umfasst den Volkswagen Tiguan des Modelljahres 2018, den Atlas der Modelljahre 2018 bis 2019 und den Audi Q3 der Modelljahre 2019 bis 2021. Der in den NHTSA-Unterlagen beschriebene Fehlermechanismus zeichnet ein recht klares technisches Bild des Problems.

Bei diesen Fahrzeugen kann die rechte Schraube korrodieren, mit der das Lenkgetriebe am Hilfsrahmen der Vorderachse befestigt ist. Bricht die Schraube, wird das Lenkgetriebe nur noch von einem Befestigungspunkt gehalten. Weitere Belastungen können das Lenkgetriebegehäuse brechen lassen; danach ist ein Lenkausfall möglich. Die größte Belastung tritt nicht unbedingt bei hohem Tempo auf der Autobahn auf, sondern beim Einparken und bei langsamen Fahrmanövern, wenn hohe Kräfte nötig sind, um die Vorderräder einzuschlagen.

In den Unterlagen zum US-Rückruf schätzt Volkswagen, dass etwa ein Prozent der dort betroffenen 208.724 Fahrzeuge tatsächlich den Defekt aufweist. Dieser Anteil lässt sich nicht ohne Weiteres auf den europäischen Rückruf übertragen. Er verdeutlicht aber, warum ein Rückruf von Millionen Fahrzeugen nicht bedeutet, dass bei Millionen Autos ein unmittelbarer Lenkausfall bevorsteht. Bei einem sicherheitsrelevanten Bauteil genügt bereits eine ernst zu nehmende Möglichkeit.

Die Lösung ist technisch einfach

Die Reparatur selbst ist angesichts der möglichen Folgen des Defekts beinahe verblüffend einfach. Die Werkstatt ersetzt die problematische Befestigungsschraube des Lenkgetriebes durch eine korrosionsbeständigere Schraube. Volkswagen zufolge dauert die Arbeit bis zu etwa einer Stunde und ist für den Halter kostenlos.

Modellname und Baujahr allein reichen nicht aus, um festzustellen, ob ein bestimmtes Fahrzeug vom Rückruf betroffen ist. Am zuverlässigsten ist die Prüfung anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) bei einem autorisierten Servicebetrieb von Volkswagen, Audi oder SEAT.

Halter älterer Golf-, Tiguan-, Touran- und Caddy-Modelle in Nordeuropa sollten die Prüfung besonders ernst nehmen. Viele dieser Fahrzeuge waren bereits zehn Winter lang den Bedingungen ausgesetzt, unter denen das Problem überhaupt erst zutage trat. Eine einzige günstige Schraube macht die Volkswagen-Modelle aus der MQB-Ära nicht zu schlechten Autos. Sie erinnert aber eindrücklich daran, wie teuer es für die globale Autoindustrie werden kann, wenn wenige Zentimeter Metall auf die falsche Weise altern.