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Opel STX holt den Kombi zurück in die Zukunft und zeigt Opels nächste Designsprache
Opel will den Kombi nicht einfach den SUVs überlassen. Die Marke hat erste Bilder des elektrischen STX Concept veröffentlicht. Sein stark abfallendes Heck, die aktive Aerodynamik und die nächste Generation des Vizor sollen die Gestaltung künftiger Opel-Modelle prägen. Eine Serienversion ist bislang nicht angekündigt, doch Opel bestätigt, dass Details des STX in künftige Serienmodelle einfließen werden.
Opel wird das Auto am 12. Oktober auf dem Pariser Autosalon vollständig enthüllen. STX steht für Sports Tourer eXperimental. Der Name ist bewusst gewählt: Die Studie soll zeigen, wie Opel sich die Zukunft des elektrischen Kombis vorstellt.
Der Kombi ist für Opel kein nostalgisches Nebenprojekt
Das Wichtigste am STX ist seine Karosserieform. Während fast jeder Hersteller sein Elektroangebot mit immer mehr SUVs füllt, zeigt Opel an einem Kombi die nächste Phase seines Designs. Dafür gibt es gute Gründe in der Geschichte der Marke. Opel sieht sich als einen der Pioniere des Kombis in Europa, und der Astra Sports Tourer führt diese Tradition heute fort. Er bietet bis zu 1.634 Liter Gepäckraum und zeigt, dass der klassische, flache Familienwagen in Rüsselsheim noch nicht zum Auslaufmodell geworden ist.
Der STX scheint allerdings nicht einfach eine direkte Vorschau auf den nächsten Astra Sports Tourer zu sein. Laut Opel-Chef Florian Huettl weist die Studie die Richtung für künftige aerodynamische Kombis der Marke und zeigt Designelemente der nächsten Generation, die Opel in Serienautos einsetzen wird. Damit bleibt eine deutlich interessantere Möglichkeit offen: Der STX könnte eine ganze neue Generation von Opel-Modellen beeinflussen.
Der Vizor wird technisch ausgefeilter
Opels nächster Vizor prägt die ersten Fotos. Bei den aktuellen Serienmodellen vereint die schwarze Querblende Scheinwerfer, Markenemblem und Sensoren. Der STX entwickelt dieses Konzept deutlich auffälliger weiter.
Geschwungene, beleuchtete Lamellen umgeben das Blitz-Emblem in der Mitte. Opel nutzt sie für Lichtanimationen und macht den bislang eher statischen Vizor so zu einem aktiven Gestaltungselement.
Das ist eine folgerichtige Entwicklung. Ein Elektroauto braucht nicht mehr unbedingt einen herkömmlichen großen Kühlergrill. So kann die Front als Fläche für Lichtgrafik und Markenidentität dienen. BMW vergrößert seine Nieren, Mercedes-Benz füllt seine Frontpartien mit Sternen, und Opel entwickelt den Vizor weiter.
Zumindest auf den ersten Bildern wirkt Opels Ansatz im Vergleich angenehm zurückhaltend.
Aktive Aerodynamik erfüllt einen Zweck
Das interessanteste technische Detail sitzt am Heck.
Der STX nutzt aktive Aerodynamik, um sich an die Fahrbedingungen anzupassen. Bewegliche Elemente am Heck lenken den Luftstrom, verringern den Luftwiderstand und verbessern die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten.
Für einen elektrischen Kombi ist das weit mehr als eine Spielerei für den Autosalon.
Ein flacherer Kombi hat gegenüber einem hohen SUV mit gleich viel Platz für Passagiere und Gepäck schon aufgrund seiner Form einen Vorteil. Eine kleinere Stirnfläche und ein günstig geformtes Heck können den Energieverbrauch senken. Das bedeutet entweder mehr Reichweite oder die Möglichkeit, dieselbe Reichweite mit einer kleineren, leichteren Batterie zu erzielen.
Genau hier könnte der Kombi im Elektrozeitalter eine neue Aufgabe finden. Bei Autos mit Verbrennungsmotor bedeutete eine aerodynamische Verbesserung um wenige Prozent vor allem einen etwas geringeren Kraftstoffverbrauch. Bei einem Elektroauto wirkt sie sich unmittelbar auf Reichweite, Batteriekosten und die Häufigkeit von Schnellladestopps aus.
Ein hoch bauendes Elektro-SUV muss mit Aerodynamik zunächst ein Problem angehen, das seine eigenen Proportionen verursachen. Ein flacher Kombi hat von vornherein bessere Voraussetzungen.
Opel hat noch keine technischen Daten veröffentlicht
Bislang muss klar zwischen dem STX als Studie und einem Serienauto unterschieden werden.
Opel bezeichnet den STX als elektrische Zukunftsvision, hat aber weder Batteriekapazität noch Motorleistung, Reichweite, Ladeleistung oder auch nur die Abmessungen genannt. Auch welche Stellantis-Plattform der Studie zugrunde liegt, hat der Hersteller nicht bestätigt.
Für einen technischen Vergleich mit etwa dem Volkswagen ID.7 Tourer oder dem BMW i5 Touring fehlt deshalb derzeit die Grundlage. Diese elektrischen Kombis sind tatsächlich erhältlich; der STX bleibt eine Design- und Technikstudie.
Aus europäischer Sicht ist der Vergleich dennoch wichtig. Das Angebot an elektrischen Kombis wächst: Neben Volkswagen und BMW gehören auch Audi und Nio zu den Marken, die solche Modelle anbieten. Opel hat den Astra Sports Tourer Electric im Programm, der aufgrund seiner Positionierung und Technik jedoch klar dem Kompaktsegment zuzuordnen ist.
Der STX bietet Opel die Gelegenheit zu zeigen, wie der nächste Schritt aussehen könnte.
Opel braucht ein solches Auto eher als noch ein SUV
Opels aktuelles Elektroangebot reicht von Corsa und Astra bis zu Frontera, Mokka und Grandland. An SUVs mangelt es also nicht. Der Wert des STX liegt vielmehr in dem Versuch, einer der traditionelleren Karosserieformen Europas eine neue Rolle im Elektrozeitalter zu geben.
Das bedeutet nicht, den alten Kombi einfach mit einem Elektromotor wiederzubeleben. Opel betont glatte Karosserieflächen, aktive Aerodynamik, ein stark abfallendes Heck und neue Lichtgrafiken. All diese Lösungen sind auf ein Auto ausgerichtet, das praktisch sein und wenig Luftwiderstand bieten soll.
Nach einem Jahrzehnt der SUVs klingt das beinahe radikal.
Die wichtigste Frage wird in Paris beantwortet. Sollte sich der STX lediglich als auffällige Designübung erweisen, werden seine beweglichen Aerodynamikelemente nicht über die Messehalle hinauskommen. Gelingt es Opel aber, die Proportionen und die aerodynamischen Überlegungen der Studie in die nächste Generation seiner Serienautos zu übertragen, könnte der STX weit mehr Bedeutung haben als ein weiteres futuristisches Konzeptauto.
Immerhin hat Opel die passende Karosserieform gewählt, um einen Ausblick auf die Zukunft zu geben. Europa braucht nicht unbedingt noch ein Elektro-SUV.