Lexus stimmt das Fahrwerk des RX auf dem Nürburgring neu ab
Lexus hat den RX auf ungewöhnliche Weise überarbeitet. Statt neuer Bildschirme und optischer Retuschen hat die japanische Luxusmarke ihr großes SUV auf den Nürburgring gebracht und die Regelung von adaptivem Fahrwerk, elektrischer Servolenkung und Hinterradlenkung neu abgestimmt. Das Ziel klingt für Lexus fast rebellisch: Der RX soll seinem Fahrer mehr Rückmeldung geben.
Der überarbeitete RX kam am 30. September in Japan auf den Markt. Lexus hat bislang nicht bestätigt, wann und in welchem Umfang dieselben Änderungen die europäischen Modelle erreichen.
Der Nürburgring war mehr als eine Kulisse für Marketingfotos
Den aktuellen RX der fünften Generation entwickelte Lexus von Anfang an auf den Straßen des Toyota Technical Center Shimoyama. Nun brachte der Hersteller den RX 500h, den RX 450h+ und den allradgetriebenen RX 350h auf den Nürburgring. Der rauere, anspruchsvollere Belag legte dort Schwächen des Fahrwerks deutlich schonungsloser offen.
Die Ingenieure überarbeiteten die Dämpferkennlinien der adaptiven AVS-Stoßdämpfer und die Steuerung der elektrischen Servolenkung EPS. Bei Versionen mit DRS-Hinterradlenkung optimierte Lexus auch deren Regelung. Nach Angaben des Herstellers sollte das Auto dadurch linearer und natürlicher auf Lenk- und Fahrbefehle reagieren und auf schlechten Straßen die Karosserie souveräner kontrollieren.
Für den RX ist das eine wesentlich substanziellere Änderung als ein weiterer neuer Kühlergrill. Mit 4,89 Metern Länge und 1,92 Metern Breite bleibt er im Kern ein luxuriöses SUV für lange Strecken. Lexus will aber den Eindruck verringern, dass Lenkung, Fahrwerk und Fahrzeugmasse unabhängig voneinander arbeiten.
Dass Lexus den Nürburgring nutzt, macht den RX natürlich nicht zum Rennstreckenauto. Vielmehr dient die Strecke als Versuchslabor. Schnelle Höhenwechsel, unebener Belag und Kurven mit unterschiedlichen Radien decken Fahrwerksschwächen erheblich schneller auf als eine glatte Teststrecke.
Der RX 500h bleibt das technische Spitzenmodell
Die grundlegenden Antriebskonfigurationen bleiben von der Überarbeitung unberührt. Für Europa ist der RX 500h Performance Hybrid weiterhin besonders interessant. Er kombiniert einen 2,4-Liter-Turbobenziner mit Elektromotoren, einer Sechsstufen-Automatik und dem Allradantrieb DIRECT4.
In europäischer Spezifikation leistet das System 273 kW und beschleunigt den großen Lexus in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der WLTP-Verbrauch liegt bei 8,0–8,3 l/100 km.
Der 500h ist ein technisch ungewöhnliches, aber interessantes Mitglied der RX-Baureihe. Bei dieser Version verzichtet Lexus auf sein übliches Hybridgetriebe e-CVT und setzt stattdessen eine konventionelle Sechsstufen-Automatik ein. DIRECT4 verteilt die Antriebskraft elektronisch zwischen Vorder- und Hinterachse; hinten verfügt das Auto über eine Mehrlenkerachse. Zu dieser Version passen die auf dem Nürburgring entwickelten Änderungen an Software und Fahrwerk am ehesten.
Rot lackierte Bremssättel sind für den F SPORT Performance nun ab Werk als Option erhältlich. Sie bringen keine zusätzliche Leistung, aber Lexus versucht zumindest nicht, sie als technische Revolution zu verkaufen.
Für Europa ist die Hybridpalette wichtiger
Das europäische RX-Angebot hängt allerdings nicht allein vom 500h ab. Auf diesem Markt sind drei elektrifizierte Antriebe erhältlich: der RX 350h, der Plug-in-Hybrid RX 450h+ und der RX 500h Performance Hybrid.
Der RX 350h nutzt einen 2,5-Liter-Saugbenziner und das Vollhybridsystem von Lexus. Die Systemleistung beträgt 184 kW, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 7,9 Sekunden, und der WLTP-Verbrauch liegt bei 6,3–6,6 l/100 km.
Der RX 450h+ kombiniert einen Benzinmotor mit demselben Hubraum mit einem leistungsfähigeren elektrischen Antriebsteil und einer Lithium-Ionen-Batterie mit 18,1 kWh Kapazität. Die europäische Version hat eine Systemleistung von 227 kW, beschleunigt in 6,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht je nach Konfiguration eine offizielle elektrische Reichweite von 67–68 Kilometern. Für den Stadtzyklus nennt Lexus 86–90 km.
Auf dem europäischen Markt ist der 450h+ technisch gesehen die naheliegendste RX-Version für alle, die regelmäßig laden können. Der 500h ist schneller und hat den interessanteren Antrieb. Sein WLTP-Verbrauch von mehr als 8 l/100 km zeigt aber recht deutlich, dass Performance Hybrid hier vor allem für Fahrleistung steht und nicht für Kraftstoffersparnis.
Kleine Änderungen erleichtern den Alltag
Das Update für Japan bringt auch weniger spektakuläre Verbesserungen, die Besitzer deutlich häufiger bemerken dürften.
Alle RX-Modelle erhalten Seitenscheiben vorn, die Infrarotstrahlung reduzieren. Die Auto-Hold-Funktion der Bremse kann sich die gewählte Einstellung nach einem Neustart des Autos merken. In Japan erweitert Lexus die Serienausstattung des RX 350h und RX 350 um einen digitalen Innenspiegel und eine Dashcam, die sowohl die Sicht nach vorn als auch nach hinten aufzeichnet. Diese gehörten beim RX 500h und RX 450h+ bereits zur Serienausstattung.
Für die Version L ist zudem die Außenfarbe White Nova Glass Flake erhältlich. Die Bremssättel des F SPORT Performance und des F SPORT lassen sich in Rot bestellen.
Das sind keine Gründe, einen vorhandenen RX sofort gegen einen neueren einzutauschen. Wesentlich interessanter ist die neue Fahrwerksabstimmung.
Lexus verfeinert ein für die Marke außergewöhnlich wichtiges Auto
Die Bedeutung des RX reicht über eine einzelne Modellüberarbeitung hinaus. Der erste RX kam 1998 in Nordamerika auf den Markt und prägte das Konzept des modernen Luxus-Crossovers mit. Der RX 400h brachte 2005 den Hybridantrieb in den Luxusautomarkt.
Der RX der fünften Generation nutzt die GA-K-Architektur, hat einen Radstand von 2.850 mm und eine Mehrlenker-Hinterachse. Gegenüber der Vorgängergeneration wuchs der Radstand um 60 mm, während die Gesamtlänge mit 4.890 mm unverändert blieb.
In dieser Klasse muss sich der RX gegen europäische Schwergewichte wie den BMW X5, den Mercedes-Benz GLE und den Volvo XC90 behaupten. Lexus hat die deutschen Konkurrenten nie mit demonstrativer Sportlichkeit übertrumpft. Seine Stärken waren der Hybridantrieb, sein Ruf für Zuverlässigkeit, die Laufruhe und das eigenständige Design.
Die Arbeit auf dem Nürburgring deutet allerdings darauf hin, dass Lexus nun eine seit Langem bestehende Schwäche weiter abbauen will: Der RX mag ein sehr gutes Auto sein, doch der Fahrer war nicht immer der wichtigste Teil der Gleichung.
Wenn die neue Abstimmung unverändert in die europäischen Modelle kommt, könnte sie der wertvollste Teil des Updates sein. Nicht ein größerer Bildschirm, mehr Leistung oder ein neues Zierelement, sondern ein zwei Tonnen schweres SUV, das etwas stärker auf die Eingaben des Fahrers reagiert als ein luxuriöses Haushaltsgerät.