Tesla Model S legt 965.000 km zurück – mit nur einem Austausch der Antriebsbatterie
Ein 2018 gebautes Tesla Model S 75D, das in Australien zur Personenbeförderung eingesetzt wird, hat in acht Jahren 965.606 km zurückgelegt. Bemerkenswert ist, dass die erste Batterie 666.666 km hielt und der Besitzer die Bremsbeläge pro Achse nur einmal wechseln lassen musste. Das beweist nicht, dass jedes Elektroauto eine solche Laufleistung erreicht. Der Fall gibt aber einen seltenen Einblick, wie sich ein Elektroauto nach fast einer Million Kilometern bewährt.
Wie das australische Medium The Driven berichtet, setzt Nigel Raynard das Auto für einen Limousinenservice im Raum Byron Bay ein. Die Laufleistung entspricht durchschnittlich rund 330 km pro Tag. Es handelt sich also nicht um ein typisches Privatauto, sondern um ein außergewöhnlich intensiv gewerblich genutztes Fahrzeug.
Die erste Batterie hielt mehr als 666.000 km
Das Model S war ursprünglich mit einer 75-kWh-Batterie ausgestattet. Bei 666.666 km zeigte die Antriebsbatterie eine Fehlermeldung an; Tesla tauschte sie im Rahmen der Garantie aus. Mit der zweiten Batterie hat das Auto inzwischen fast 300.000 km zurückgelegt.
Über die Kapazität der Ersatzbatterie gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Der Besitzer erwähnte in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag eine 90-kWh-Batterie. The Driven berichtete jedoch 2024, dass er sich gegen die kostenpflichtige 90-kWh-Option und für den kostenlosen Austausch gegen eine 75-kWh-Batterie im Rahmen der Garantie entschieden habe. Die Angabe von 90 kWh lässt sich daher nicht als gesicherte Tatsache behandeln.
Auch das Ladeverhalten ist bemerkenswert. Laut Raynards Aufzeichnungen entfielen 92 Prozent der Ladevorgänge auf DC-Schnellladen. Seit dem Batteriewechsel liegt der durchschnittliche Energieverbrauch des Autos bei rund 18,6 kWh/100 km. Ein einzelnes Fahrzeug widerlegt nicht die physikalischen Grundlagen der Batteriealterung. Dieses Beispiel zeigt aber zumindest, dass häufiges Schnellladen nicht zwangsläufig zu einem frühzeitigen Ausfall der Antriebsbatterie führt.
Rekuperation schont die Bremsen, nicht das gesamte Fahrwerk
Fast eine Million Kilometer bedeuten nicht, dass das Auto ohne Wartung ausgekommen ist. Das Model S hat eine neue Klimaanlage, Fahrwerkslenker und Stoßdämpfer erhalten. Auch die Lagerungen der vorderen Antriebseinheit und die Antriebswellen wurden vor Kurzem ersetzt. Laut dem Besitzer hält ein Satz Reifen zwischen 50.000 und 75.000 km.
Der Bremsenverschleiß war dagegen außergewöhnlich gering. Nach früheren Angaben ließ Raynard die vorderen Bremsbeläge erstmals bei rund 460.000 km und die hinteren bei 770.000 km wechseln. Der Grund ist einfach: Der Elektromotor verzögert das Auto oft durch Rekuperation und schont so die Reibungsbremsen.
Das ist einer der weniger spektakulären, aber wichtigeren Vorteile bei den langfristigen Betriebskosten eines Elektroautos. Die Batterie mag ein teures Bauteil sein, im Alltag verteilen sich die Kosten jedoch auf mehrere herkömmliche Verschleißteile.
Teslas heutige Garantie ist nicht mehr so großzügig
Für Käufer in Europa ist bei Raynards Fall ein wichtiger Umstand zu berücksichtigen: 2018 bot Tesla für neue Model S und Model X acht Jahre Garantie auf Batterie und Antriebseinheit ohne Kilometerbegrenzung. Der bei 666.666 km aufgetretene Fehler konnte damit noch unter die Garantie fallen.
Beim aktuellen Model S in Europa gilt für Batterie und Antriebseinheit eine Garantie von acht Jahren oder 240.000 km, je nachdem, was zuerst eintritt. Tesla garantiert in diesem Zeitraum zudem mindestens 70 Prozent der ursprünglichen Batteriekapazität. Raynards Erfahrung lässt sich daher nicht unmittelbar mit den Garantiebedingungen vergleichen, die für heutige Model-S-Besitzer gelten.
Das Aufschlussreichste an diesem Auto ist nicht seine hohe Laufleistung. Weitaus interessanter ist, dass auf fast einer Million Kilometern Verschleißteile und eine Antriebsbatterie ersetzt werden mussten, aber keine ständigen Reparaturen am Antriebsstrang nötig waren.