1/9 Fiat Multiplay wird mit wenigen Handgriffen vom Familienauto zum Pick-up
Fiat hat auf dem Pariser Autosalon die 4,45 Meter lange Studie Multiplay vorgestellt, die Merkmale eines Vans, eines SUV und eines Pick-ups vereint. Ihr auffälligster Kniff ist ein verschiebbarer Heckbereich: Aus dem für sieben Personen ausgelegten Familienauto wird ein Viersitzer mit offener Ladefläche. Die Italiener zeigen damit erneut, dass ein praktisches Auto nicht zwangsläufig ein weiterer riesiger SUV sein muss.
Ein verschiebbarer Heckbereich verändert die Nutzungsmöglichkeiten
Das interessanteste Merkmal des Multiplay ist eine von Fiat entwickelte Konstruktion namens Metamorfosi. Das hintere Karosseriemodul rund um die C-Säule lässt sich auf eigens dafür vorgesehenen Führungen in Längsrichtung verschieben. So kann das Auto mit wenigen Handgriffen anders genutzt werden.
In der normalen Konfiguration bietet der Multiplay Platz für sechs Personen und verfügt über einen zusätzlichen, vielseitig nutzbaren Sitz. Wird statt der Sitzplätze mehr Laderaum benötigt, rückt das Heckmodul nach vorn und aus dem Auto wird ein viersitziger Pick-up.
Auf der offenen Ladefläche lassen sich Fahrräder, Sportausrüstung oder größere Gegenstände transportieren. Auch der Heckspoiler erfüllt mehrere Zwecke: Er lässt sich drehen und wird so zum Fahrradträger für zwei Räder.
Laut offiziellen Angaben, die Fiat am 11. Oktober veröffentlicht hat, ist der Multiplay kein Vorbote eines bestimmten Serienmodells, sondern ein Versuchsträger. Einzelne Merkmale könnten in künftige Familienautos der Marke einfließen.
Ein Innenraum, der sich sogar auf das Haustier einstellt
Im Innenraum folgt der Multiplay den platzsparenden Prinzipien des historischen Fiat Multipla. Schon 1956 bot der Fiat 600 Multipla sechs Personen Platz, obwohl er nur 3,5 Meter lang war. Auch der 1998 vorgestellte Multipla hatte sechs Sitze, allerdings verteilt auf zwei Reihen.
Die neue Studie geht noch weiter. Das Modul namens Petsenger kann als Befestigungspunkt für einen Kindersitz, einen Sitz für Haustiere, einen kleinen Tisch oder ein Staufach dienen. Ein herausnehmbares Teil des Sitzpolsters lässt sich sogar als Hundeleine verwenden; in der Tür findet eine faltbare Trinkschale Platz.
Bei geparktem Auto wird der Vordersitz zur Liege namens Sunseat. Das Armaturenbrett übernimmt dabei die Funktion der Rückenlehne, sodass der Beifahrer unter dem Panoramadach entspannen kann.
Auch bei den digitalen Funktionen hält sich Fiat zurück. Der ins Armaturenbrett integrierte Bildschirm verschwindet aus dem Blickfeld, wenn das Auto ausgeschaltet ist. So bleibt der Innenraum möglichst schlicht.
Bei den Materialien dominieren Textilien aus 3D-Stricktechnik, die den Materialabfall bei der Herstellung verringert. Auf Flächen für Kinder und Haustiere verwendet Fiat wasserfeste Bezüge.
Könnte der Multiplay auf Europas Straßen kommen?
Mit 4450 mm Länge gehört der Multiplay in Europa zur Klasse der kompakten Familienautos. Der aktuelle Dacia Jogger ist zum Vergleich etwa 4,55 Meter lang. Fiat will in einer kürzeren Karosserie jedoch deutlich mehr Vielseitigkeit bieten.
Das verschiebbare Karosseriemodul wirft allerdings einige technische Fragen auf. In der Serie müsste eine solche Konstruktion in beiden Positionen Karosseriesteifigkeit, Dichtheit und Sicherheit bei einem Unfall gewährleisten. Die beweglichen Bauteile würden die Herstellung des Autos wahrscheinlich auch verteuern.
Fiat hat weder Angaben zum Antrieb des Multiplay noch zur Batteriekapazität, Leistung oder Reichweite gemacht. Auch Maße und Nutzlast der Ladefläche sind nicht bekannt. Für einen Vergleich seiner praktischen Fähigkeiten mit denen herkömmlicher Pick-ups ist es daher noch zu früh.
Auf dem europäischen Markt könnte die Multiplay-Studie dennoch Käufer ansprechen, die im Alltag ein kompaktes Familienauto brauchen, gelegentlich aber größere Gegenstände transportieren möchten. Dafür einen herkömmlichen Pick-up zu kaufen, wäre oft nicht gerechtfertigt.
Die Stärke des Multiplay liegt in einer einfachen Idee: Die Nutzung eines Autos könnte sich mit den Bedürfnissen seines Besitzers verändern. Ob die durchdachte Konstruktion die Kosten- und Sicherheitsanforderungen der Serienproduktion erfüllen kann, ist eine deutlich schwierigere Frage.